Manipulationsvorwürfe: denkwürdige Verhandlung vor zehn Jahren »Unser Torwart hatte die Handschuhe noch an«

Borgholzhausen (WB/star). Am letzten Bezirksliga-Spieltag der Fußball-Saison 2006/2007 stehen sich die Abstiegskandidaten TuS Solbad und Germania Westerwiehe im direkten Duell gegenüber. Solbad führt 2:0. Doch ein Sieg wäre wertlos gewesen, weil zeitgleich das dritte Kellerkind Schloß Holte seine Partie dominiert und gewinnt. In den letzten Minuten dreht Westerwiehe das Spiel, siegt 3:2, und neben Solbad steigt Holte ab.

Westerwiehe jubelt. Einigen Solbad-Spielern kommen die späten Gegentore derweil komisch vor.
Westerwiehe jubelt. Einigen Solbad-Spielern kommen die späten Gegentore derweil komisch vor. Foto: Stephan Arend

Nach der Partie im Borgholzhausener Stadion bezichtigen Solbad-Spieler ihren Torwart Patrick Fechner des Betrugs. So sagt Kapitän Jens Hülsmann: »Westerwiehe soll unserem Trainer Thomas Schmidtke 2000 Eure geboten haben, wenn wir noch verlieren. Thomas hat abgelehnt, doch unser Torwart hat die Taschen aufgemacht.« Mitspieler Lennart Stephan fügt süffisant hinzu: »Jetzt macht Patrick im Sommer Urlaub auf Gran Canaria und nicht an der Nordsee.«

Fechner, aktuell Torwart des Kreisligisten Westfalia Vinnum (Kreis Coesfeld), bestreitet diese Vorwürfe und erstattet Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede. An mehreren Verhandlungstagen findet die Bezirksspruchkammer unter Vorsitz des Hallers Manfred Gandelheid keine Hinweise für eine Spielmanipulation. Kronzeuge Schmidtke und sein Spieler Salibar Caklo bestätigen »lediglich« ein Betrugsangebot. Wer dies übermittelt haben soll, wird nie herausgefunden. »Wir jagen ein Phantom«, sagt Gandelheid. Auch Schmidtkes Beobachtungen, die er mit einer Taktiktafel untermauert, tragen nicht zur Klärung bei: »Unser Torwart hatte zehn Minuten nach dem Spiel die Handschuhe noch an. Das hatte er sonst nie.«

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