Aufstieg und Fall des TuS Solbad: Der damalige Fußball-Obmann Frank Fister erinnert sich Trainer-Entlassung und Manipulationsvorwürfe

Altkreis (WB). Höhenflüge dank Sponsoren-Gelder, spektakuläre Neuzugänge, Trainer-Entlassungen, Manipulationsvorwürfe: Was sind das für Zeiten beim TuS Solbad gewesen, der einst zur Nummer eins im heimischen Fußball aufsteigen wollte. Vor genau zehn Jahren waren die erfolgreichsten Spielzeiten schon vorbei, als der damalige Bezirksligist unter Coach Thomas Schmidtke die turbulenteste Saison der Vereinsgeschichte erlebte. Frank Fiste, damals Fußball-Obmann und mit seinem Bruder und Hauptsponsor David Fister die treibende Kraft, erinnert sich.

Von Stephan Arend
Geldgeber David Fister (links) und Fußball-Obmann Frank Fister (rechts) wollten TuS Solbad zur Nummer eins im Altkreis machen
Geldgeber David Fister (links) und Fußball-Obmann Frank Fister (rechts) wollten TuS Solbad zur Nummer eins im Altkreis machen Foto: Stephan Arend

Was haben Sie gedacht, als TuS Solbad nun erneut Thomas Schmidtke für die kommende Saison verpflichtet hat?

Frank Fister: Ich war überrascht, dass ein B-Liga-Verein so einen qualifizierten Trainer bekommt. Ich hatte immer eine große Meinung von Thomas Schmidtke. Ein Trainer mit einer klaren Spielidee, der viel Wert auf Disziplin und Fitness legt. Das könnte ein Volltreffer werden. Auch wenn wir damals mit ihm aus der Bezirksliga abgestiegen sind.

Apropos: Mit Schmidtke als Coach hat TuS Solbad vor zehn Jahren die wohl turbulenteste Saison der Vereinsgeschichte erlebt. Er ist im Bezirksliga-Abstiegskampf erst gefeuert, drei Tage später aber wieder eingestellt worden...

Frank Fister: Mein Bruder David als Sponsor sah damals wohl die Felle davonschwimmen und wollte einen neuen Trainer. Ich habe hinter Thomas gestanden. Da hat mein Bruder es bei meinem Stellvertreter versucht – und Erfolg gehabt. Der hat Schmidtke noch am Abend nach einem Spiel am Telefon entlassen. Am nächsten morgen war die Hölle bei mir los. Das Telefon stand nicht still. Ich habe versucht, Thomas zum Weitermachen zu überzeugen. Das ist mir auch gelungen, doch am Ende sind wir leider trotzdem abgestiegen.

Der Sponsor hat damals also direkt Einfluss auf sportliche Entscheidungen genommen?

Frank Fister: Wer das Geld gibt, der will oft auch Einfluss nehmen und hat Einfluss. Das ist in der Bundesliga bei Herrn Kühne und dem HSV genauso gewesen. Für unsere Außendarstellung war das damals natürlich nicht gut.

Im letzten Saisonspiel soll es dann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Hat Ihr Torwart Patrick Fechner mit Absicht die letzten beiden Gegentore beim 2:3 gegen Westerwiehe durchgelassen, wie ihm auch von Mitspielern vorgeworfen wurde?

Frank Fister: Nein, alles Quatsch. Ich bin fest davon überzeugt, dass da nichts Krummes gelaufen ist. Mag sein, dass es ein Angebot von Westerwiehe gegeben hat, wie Thomas Schmidtke und unser Spieler Salibar Caklo ausgesagt haben. Aber das hat niemand angenommen. Nichts anderes ist bei der Spruchkammer-Verhandlung herausgekommen. Die war ohnehin eine Farce. Thomas hat mit Taktiktafel unter Blitzlichtgewitter ausgesagt – wie ein Popstar. Ihm kam verdächtig vor, dass der Torwart zehn Minuten nach dem Schlusspfiff seine Handschuhe noch an hatte. Oh mann, die Spieler hatten auch ihre Stutzen noch an...

Vor zehn Jahren waren die besten Zeiten des TuS Solbad schon vorbei. Als der Aufschwung begann, ist Trainer Brian Payne nach dem Aufstieg in die Kreisliga A gefeuert worden...

Frank Fister: Nicht gefeuert, der Vertrag ist nicht verlängert worden. Brian Payne ist damals sogar mit der ersten und zweiten Mannschaft aufgestiegen. Nicht nur ich, sondern viele im Verein waren aber der Meinung, dass Jörg Pudel besser zu unseren Ansprüchen passt. Einer musste dann die schlechten Nachrichten übermitteln – und das war ich.

Mit Jörg Pudel als Trainer ist Solbad dann tatsächlich im zweiten A-Liga-Jahr aufgestiegen. Doch in der Bezirksliga musste auch er nach wenigen Spieltagen gehen und Ex-Profi Martin Przondziono hat als Spielertrainer übernommen. Wohin sollte damals die Reise gehen?

Frank Fister: Wir hatten eine super Mannschaft mit Przondziono, Jens Hülsmann, Oliver Nestmann und den Eigengewächsen Graul, Patzke, Ciftci. Unser Ziel war klar der Durchmarsch in die Landesliga. Außerdem wollten wir die Nummer eins im Altkreis werden. Doch ich habe damals irgendwann gemerkt, dass diese Ziele für Solbad eine Nummer zu groß waren.

Würde es Sie noch einmal reizen, zusammen mit einem Geldgeber einen Verein nach oben zu bringen?

Frank Fister: Solbad war der Verein, für den ich gespielt habe. Solbad war eine Herzensangelegenheit, so dass mich ein anderer Verein nicht reizen würde. Solbad war damals aber mit unseren Zielen überfordert, der Verein ist mit den höheren Spielklassen nicht mitgewachsen. Ich kam mir am Ende wie in einer One-Man-Show vor. Um höherklassig dauerhaft Erfolg zu haben, braucht man um das Team ein Gremium mit Organisations- und Sportkompetenz sowie zum Beispiel Spvg. Steinhagen.

Haben Sie noch Kontakt zu den Mitstreitern von damals?

Frank Fister: Mit meinem Bruder, aber auch er hat sich aus dem »Fußballgeschäft« zurückgezogen. Mit einigen anderen habe ich noch losen Kontakt über Whats­app oder Facebook.

Wann haben Sie zuletzt ein Solbad-Spiel live gesehen?

Frank Fister: In dieser Saison in der Hinrunde gegen Langenheide. Aber ich weiß schon gar nicht mehr, wie das Spiel ausgegangen ist. Ich wünsche auf jeden Fall sowohl Thomas Schmidtke als auch dem Verein viel Glück und Erfolg.

Manipulationsvorwürfe

Am letzten Bezirksliga-Spieltag der Fußball-Saison 2006/2007 stehen sich die Abstiegskandidaten TuS Solbad und Westerwiehe im direkten Duell gegenüber. Solbad führt 2:0. DGermania och ein Sieg wäre wertlos gewesen, weil zeitgleich das dritte Kellerkind Schloß Holte seine Partie dominiert und gewinnt. In den letzten Minuten dreht Westerwiehe das Spiel, siegt 3:2, und neben Solbad steigt Holte ab.

Nach der Partie im Borgholzhausener Stadion bezichtigen Solbad-Spieler ihren Torwart Patrick Fechner des Betrugs. So sagt Kapitän Jens Hülsmann: »Westerwiehe soll unserem Trainer Thomas Schmidtke 2000 Eure geboten haben, wenn wir noch verlieren. Thomas hat abgelehnt, doch unser Torwart hat die Taschen aufgemacht.« Mitspieler Lennart Stephan fügt süffisant hinzu: »Jetzt macht Patrick im Sommer Urlaub auf Gran Canaria und nicht an der Nordsee.«

Fechner, aktuell Torwart des Kreisligisten Westfalia Vinnum (Kreis Coesfeld), bestreitet diese Vorwürfe und erstattet Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede. An mehreren Verhandlungstagen findet die Bezirksspruchkammer unter Vorsitz des Hallers Manfred Gandelheid keine Hinweise für eine Spielmanipulation. Kronzeuge Schmidtke und sein Spieler Salibar Caklo bestätigen »lediglich« ein Betrugsangebot. Wer dies übermittelt haben soll, wird nie herausgefunden. »Wir jagen ein Phantom«, sagt Gandelheid. Auch Schmidtkes Beobachtungen, die er mit einer Taktiktafel untermauert, tragen nicht zur Klärung bei: »Unser Torwart hatte zehn Minuten nach dem Spiel die Handschuhe noch an. Das hatte er sonst nie.«

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