Vorfreude aufs Derby: TSG und TuS 97 sind beide seit sechs Spielen ungeschlagen
Die Mannschaften der Stunde

Bielefeld (WB). Alles ist angerichtet für ein unterhaltsames Nachbarschaftsduell. Mit ihren Siegen und dem Ausbau ihres nunmehr sechs Spiele andauernden »Laufes« haben die TSG A-H Bielefeld und der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck untermauert, dass sie in der Handball-Oberliga zu den »Mannschaften der Stunde« gehören. Das wird kurzweilig am Freitagabend in der Seidensticker Halle. Alles ist möglich.

Dienstag, 05.02.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 05.02.2019, 09:00 Uhr
10:2 Punkte in Folge für den TuS 97: Justus Clausing, Nils Grothaus und Co. gehen mit breiter Brust ins Derby bei der TSG. Foto: Bernhard Pierel

Der Neunte beim Zweiten. Dr. Carl Moritz Wagner warnt davor, die Tabellenoptik zu überschätzen. »Das wird ein Derby auf Augenhöhe«, orakelt der TSG-Trainer. »In diesem Spiel gibt es keinen Favoriten. Jöllenbeck ist zu einer Spitzenmannschaft geworden.« Das begründet er vor allem damit, dass die ehemalige Spenger Fraktion – Sebastian Kopschek, Sebastian Reinsch und Justus Clausing – inzwischen in Jürmke angekommen sei. »Die spielen seit Wochen einen ganz anderen Handball, haben eine ganz andere Körpersprache, eine ganz andere Dynamik.« Wagner stellt vor allem die »tolle erste Welle über Daniel Meyer und Sebastian Reinsch« heraus.

Bei dem Videostudium der Gegner bekommt Carl Moritz Wagner die Jürmker stets zu sehen, schließlich treffen die in der Regel eine Woche vorher auf den TSG-Kontrahenten. Carl Moritz Wagners Credo: »Es geht darum, nachhaltig Qualität aufzubauen. Dann kommt so ein souveränes Auftreten wie das in der zweiten Halbzeit gegen Oberaden von ganz allein. Und das bedeutet Arbeit! Immer wieder Arbeit!«

Calli Welges lieber Gruß

»Es gibt immer ein paar Spiele in der Saison, die knifflig sind. Dazu gehört definitiv ein Auswärtsspiel in Loxten. Aber genauso Gladbeck, Hamm oder Soest. Und da muss LIT auch noch hin«, sah TSG-Geschäftsführer Christian Sprdlik seine Vermutung bestätigt, dass der bisher so souveräne Spitzenreiter LIT Tribe Germania auch nochmal patzen werde. Die Loxtener »Frösche« zeigten bei ihrem 28:27-Coup über LIT bis zur 46. Minute (27:22) ihre bis dato beste Saisonleistung – um dann für zwölf Minuten das Torewerfen einzustellen. Es begann das große Bangen. LIT verkürzte bis auf 27:26, doch für einen Ausgleich sollte es nicht mehr reichen. »Den hätten wir auch nicht verdient gehabt«, zürnte LIT-Trainer Daniel Gerling. SF-Torhüter Pascal Welge (»Endlich haben wir mal einen von oben geschlagen«) schickte freundliche Grüße zu seiner alten Liebe TSG. »Jetzt wird’s ja nochmal spannend für euch.«

Schicksal in eigener Hand

Denn die feine Nebenwirkung aus Bielefelder Sicht: »Wir sind nicht mehr auf Schützenhilfe angewiesen und können selber bestimmen, wie die Saison endet« , sagt Sprdlik. Natürlich seien weiterhin bestehende Abstimmungsprobleme im Angriff nicht zu übersehen. »Da sind wir noch nicht so im Fluss. Wir müssen mehr in die Tiefe gehen, mehr Torgefahr ausstrahlen. Gerade über die Mitte.« Aber: »Ich sehe 100 Prozent Leistungsbereitschaft und Willen. Das macht viel aus.« Die Überlegung, vor Ende des Transferfensters Mitte Februar noch einen Mittelmann bis zum Saisonende zu verpflichten, hat Sprdlik längst verworfen. »Die Jungs sind auf einem guten Weg. Wir lassen den Karren so weiterrollen. Der hat ein gutes Tempo, auch wenn er manchmal quietscht.«

Entwicklung beim TuS 97

»Wir haben jetzt schon fünf Punkte mehr geholt als in der Hinrunde«, freute sich Jöllenbecks Sportlicher Leiter Thorsten Lehmeier nach dem 31:27-Streich im OWL-Derby gegen den VfL Mennighüffen. »Es ist eine deutliche Entwicklung zu erkennen. Die hätten wir uns zwar eher gewünscht, aber wir müssen auch realistisch bleiben«, fügte Lehmeier an.

Mit der Erfolgsserie von 10:2 Punkten aus den letzten sechs Spielen und vier Siegen am Stück ist nicht nur das Selbstvertrauen nach Jöllenbeck zurückgekehrt, sondern auch die Lockerheit und das Selbstverständnis . Der Sieg gegen Mennighüffen geriet auch deshalb nicht in Gefahr, weil sich die Jürmker – anders als noch in der Hinrunde – keine wirkliche Schwächephase erlaubten. »Wir haben gut gekämpft und Teamgeist gezeigt. Jeder hat seinen Teil zum Sieg beigetragen«, freute sich der achtfache Torschütze Daniel Meyer.

21 Treffer in der ersten Halbzeit bedeuteten einen neuen Rekordwert und waren Ausdruck eines sehenswerten Tempospiels. Die Defizite in der Abwehr waren Trainer Eric Husemann aber auch nicht verborgen geblieben: »17 Gegentore in einer Halbzeit sind zu viel.« Nun sieht der Tabellenneunte in freudiger Erwartung dem Stadtderby am Freitagabend entgegen. »Der Druck liegt ganz klar bei der TSG. Wir können locker in die Seidensticker Halle fahren und werden versuchen, die TSG zu ärgern oder auch mehr«, grient Eric Husemann.

Daniel Meyer, der bis zu seinem Wechsel nach Jöllenbeck 2015 neun Jahre lang das TSG-Trikot getragen und in 199 Spielen 727 Tore erzielt hatte, fiebert dem Duell mit seinem Ex-Verein entgegen: »Wir sind alle heiß und freuen uns auf die Seidensticker Halle. Wir sind zwar nicht der Favorit, aber mit den zuletzt gezeigten Leistungen sehe ich uns als Gegner auf Augenhöhe. Wir fahren da hin, um zu gewinnen.« Selbstbewusste Töne, denen die Jürmker am Freitagabend Taten folgen lassen wollen.

»Höchste Obacht«

Christian Sprdlik, in der Saison 1999/2000 selber mal Rechtsaußen in Jöllenbeck (einzig »Moppel« Lehmeier ist als Relikt von damals verblieben), stellt sich auf heftige Gegenwehr ein. »Höchste Obacht ist geboten. Die Jöllenbecker werden Messer zwischen den Zähnen haben und zeigen wollen, wer in Bielefeld der Platzhirsch ist. Aber auch wir werden heiß sein und wollen von Beginn an für klare Verhältnisse sorgen, um den 97-ern jede Euphorie zu nehmen.« Positive, weil nachhaltige Nachrichten aus dem TSG-Lager noch vor Freitag sollen dafür als Rückenwind dienen.

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