Mareike Sobania kämpft beim ASV für eine Frauenabteilung Atlas Ringerin, 23, sucht Trainingspartner

Bielefeld (WB). Dass sich Mareike Sobania mit dem Ringen ein eher ungewöhnliches Hobby ausgesucht hat, weiß die 23-Jährige selbst. »Wenn ich meinen Freunden davon erzähle, denken alle immer an Sumoringer«, scherzt Sobania. Solche Missverständnisse sind für die Frau vom ASV Atlas allerdings ein vergleichsweise kleines Problem. Das deutlich größere: Mareike Sobania fehlen die Trainingspartner.

Von Henrik Wittenborn
Einzelkämpferin: Beim Training in der Volkeningschule muss Ringerin Mareike Sobania zumeist noch mit einer Puppe als Kontrahent vorlieb nehmen. Die 23-Jährige kämpft derzeit für den Aufbau einer Frauenabteilung beim ASV Atlas.
Einzelkämpferin: Beim Training in der Volkeningschule muss Ringerin Mareike Sobania zumeist noch mit einer Puppe als Kontrahent vorlieb nehmen. Die 23-Jährige kämpft derzeit für den Aufbau einer Frauenabteilung beim ASV Atlas. Foto: Mike-Dennis Müller

Denn als Bielefelderin steht die Studentin für Wirtschaftsrecht derzeit buchstäblich auf verlorenem Posten. Außer Sobania selbst scheint in der Stadt und Region niemand anderes Gefallen am Ringen zu finden. Ein Grund aufzugeben und die Kampfmatte hinter sich zu lassen? Von wegen! Sobania macht aus ihrer Not viel lieber eine Tugend und sucht seit einiger Zeit gleichgesinnte Frauen.

Erst vor wenigen Wochen wurde ihr ASV Atlas vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zum Stützpunkt des Projekts »Integration durch Sport« ernannt. Atlas-Vorsitzender Jürgen Zilke erklärte seinerzeit, dass die Prämie von 5000 Euro vor allem auf die Gründung einer eigenen Frauenabteilung innerhalb des ASV aufgewendet werden soll – mit Mareike Sobania an der Spitze. Die nötige Übungsleiterlizenz hat die 23-Jährige schon in der Tasche. Fehlen eigentlich nur noch die Mitstreiter.

Startschwierigkeiten

Sobania kämpft dabei mit den Tücken und Problemen einer Pionierin: »Es ist immer schwierig, jemanden für eine Sache zu motivieren, wenn man ihm sagen muss ›Du bist die Erste!‹«, weiß sie um die Schwierigkeit ihrer Mission. »Die Sache wird ein bisschen Zeit brauchen.« An Eifer fehlt es dem ASV keinesfalls. In den vergangenen Wochen hat Mareike Sobania in den sozialen Netzwerken immer wieder für ihren Sport getrommelt und sich um erste Mitglieder der neuen Abteilung bemüht.

»Ich hoffe, dass sich mit der Zeit die ein oder andere Frau überwinden kann.« Und ein Anfang ist gemacht: Mit Sabriye Cift hat sich eine erste Mutige aus Sobanias Freundeskreis zum Training in die Volkeningschule gebtraut. »Es ist zwar ein sehr körperlicher Sport, aber ich mag, dass es vor allem um Technik geht«, sagt die 26-Jährige. Ob sie künftig öfter auf der Matte steht? »Ich weiß es noch nicht, aber ich tendiere dazu...«

Gleichgewicht und Flexibilität gefragt

Beim letzten Heimkampf der Landesliga-Mannschaft gab es Ende letzten Jahres außerdem eine Einweisung in die mitunter nicht ganz unkomplizierten Regeln einer der ältesten olympischen Sportarten überhaupt.

Sobania muss in Bielefeld vor allem erst einmal Überzeugungsarbeit leisten. Ringen sei in den Köpfen vieler einer klarer Männersport der Arbeiterklasse. »Aber das trifft eigentlich überhaupt nicht so deutlich zu. Ringer müssen flexibel sein und einen guten Gleichgewichtssinn haben – das sind doch eigentlich zwei typische Eigenschaften für Frauen«, sagt Sobania.

Zudem lasse sich das Ringen auch gar nicht so ohne Weiteres in die große Kampfsport-Schublade stecken. »Es geht dabei schließlich nie darum, seinem Gegner weh zu tun oder ihn zu verletzen.«

Training im Mädchentreff

Interessierte Frauen und Mädchen müssten zudem keinerlei Berührungsängste haben. »Das ist ganz normal. Die haben Männer auch am Anfang«, frotzelt sie. Ab Februar will der ASV Atlas unter Sobanias Führung ein Training beim Mädchentreff e.V. in der Alsenstraße anbieten.

Von dem ein oder anderen Trainingspartner könnte auch sie selbst profitieren. Ende Februar steht für sie die Landesmeisterschaft auf NRW-Ebene an. »Das ist im Moment meine einzige Wettkampfmöglichkeit im ganzen Jahr.« Und wer weiß, vielleicht muss Mareike Sobania die Reise zu ihren Wettkämpfen schon bald nicht mehr alleine antreten.

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