Der Gejagte und die Jäger: Oberligaprimus A-H mit dem Glück des Tüchtigen TSG ist auf der Suche nach alter Lockerheit

Bielefeld (WB). 24:27 gegen Spenge verloren, danach zwei echt glückliche Siege über die SF Loxten (28:27) und den Soester TV (24:22): »Es fällt schwer, sich darüber zu freuen. Die Tendenz ist nicht unbedingt aufsteigend«, fasst Marius Kastening die zurückliegenden drei Heimspiele des Handball-Oberligisten TSG A-H Bielefeld zusammen.

Von Jörg Manthey
Redebedarf: TSG-Trainer Michael Boy nutzt hier eine Auszeit, um Feinjustierungen vorzunehmen.
Redebedarf: TSG-Trainer Michael Boy nutzt hier eine Auszeit, um Feinjustierungen vorzunehmen. Foto: Bernhard Pierel

Der Mittelmann macht eine gewisse Verkrampfung aus, die Topleistungen im Wege steht. »Wir sind nicht mehr so locker wie zu Beginn der Serie. Ein paar Prozent fehlen.«

Druck ist da und sichtbar

Phasenweise war gegen Soest sogar so etwas wie Angsthasenhandball sichtbar. Kastening: »Der Druck ist da, und wir haben einen anderen Anspruch an uns. Wir müssen die Situation jetzt begutachten und gemeinsam den Bock umstoßen.« Gleichwohl lügt die Tabelle nicht. Nach zwölf Spieltagen ist die TSG immer noch Erster, mit dem durchschlagskräftigsten Angriff und seit Samstag auch mit dem besten Liga-Torschützen: Julius Hinz (82/25). »Wir wollen die Gejagten bleiben. Dieses Privileg haben wir uns hart erkämpft. Es macht Spaß, von oben zu grüßen«, erzählt Kastening.

Trainer Michael Boy kennt ein erprobtes Rezept, wie sich an frühere Stärken anknüpfen lässt. »Hart arbeiten. Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Jeden Tag.« Abläufe blind einstudieren, die Stärken stärken, aufgetretene Schwächen ansprechen und ausmerzen. Auch das 24:22 gegen die Bördestädter soll so aufgearbeitet werden. »Soest ist keine Laufkundschaft. Die sind mit ihrer Qualität und viel Disziplin immer dafür gut, Mannschaften zu ärgern.«

Soest vertut »eine Riesenchance«

Diese unangenehme Erfahrung hatte ja auch schon der TuS Spenge beim 29:29 gemacht. Boy: »Wir brauchen nicht immer zu dominieren. Wichtig ist, dass wir nach 60 Minuten ein Tor mehr geworfen haben als der Gegner und zwei Punkte behalten. Das ist uns Freitagabend gelungen, weil wir entscheidende Situationen gut gelöst haben. Und wenn wir uns disziplinierter an die Absprachen gehalten hätten, wäre es gar nicht so eng geworden.«

Nachdem der Bielefelder Rückraum lange regelrecht neutralisiert war, gaben am Ende vor gut 800 Zuschauern zwei, drei Aktionen den Ausschlag zugunsten des Gastgebers. Soests Trainer Dirk Lohse resümierte entsprechend geknickt: »Wir haben eine Riesenchance vertan, hier etwas mitzunehmen. Der Ärger sitzt sehr tief bei uns.«

Das erlösende 24. Tor glückte dem clever eingelaufenen Linksaußen Julius Hinz; es war sein siebter Treffer an diesem Abend. Tim Schuwerack räumte erleichtert einen »glücklichen Sieg« ein. »Wir haben als Mannschaft gut gekämpft.« Seine Freitag-Lektion: »Wir müssen lernen, bei einer offenen Abwehr Ruhe zu bewahren.«

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