Fußball-Westfalenliga: Aufsteiger überwintert auf einem Abstiegsplatz Ermisch will eine Entwicklung sehen

Bielefeld (WB). Dieser verflixte Schnee! Eigentlich sollte sich dem VfB Fichte am letzten Spieltag des Jahres in der Fußball-Westfalenliga die große Chance auf das Überwintern oberhalb der Abstiegsplätze bieten. Es kam anders!

Von Henrik Wittenborn
Wohin geht der Blick des VfB Fichte? Gegen Spitzenteams verkauften sich Mario Ermischs (2. von rechts) Hüpker meist äußerst teuer, ließen aber gegen die direkte Konkurrenz im Abstiegskampf immer wieder Punkte liegen. Das Resultat: Zur Winterpause steht der VfB auf dem ersten Abstiegsplatz.
Wohin geht der Blick des VfB Fichte? Gegen Spitzenteams verkauften sich Mario Ermischs (2. von rechts) Hüpker meist äußerst teuer, ließen aber gegen die direkte Konkurrenz im Abstiegskampf immer wieder Punkte liegen. Das Resultat: Zur Winterpause steht der VfB auf dem ersten Abstiegsplatz. Foto: Peter Unger

Die Partie gegen die SpVg. Beckum fiel dem Wintereinbruch zum Opfer, ein paar Stunden später rang der SC Herford das Spitzenteam von Preußen Münster II mit 2:0 nieder und beförderte die Hüpker im letzten Moment in die gefährliche Zone. Trainer Mario Ermisch ist trotzdem ohne mulmiges Gefühl in die rund zweimonatige Winterpause gegangen: »Der Abstiegsplatz ist nur eine Momentaufnahme. Am Ende der Saison zählt es und dann werden wir da nicht stehen.«

Ermischs Kampfansage darf dabei allerdings nicht nur als Zweckoptimismus verstanden werden. Denn dass sein VfB das Zeug für den Klassenerhalt in der »stärksten Westfalenliga seit vielen Jahren« hat, stellte Fichte schon mehrfach unter Beweis – bloß gegen die falschen Mannschaften: Gegen die obere Hälfte der Tabelle gab es elf Zähler. Deutlich gravierendere Probleme hatten die Bielefelder da schon mit der direkten Konkurrenz im Abstiegskampf. Aus den Spielen gegen die untere Hälfte der Liga holte Fichte nur noch fünf Zähler, einzig gegen den SC Herford (5:1) gelang ein Sieg – zu wenig für eine sorgenfreie Saison.

Mario Ermisch hat für das kuriose Ungleichgewicht allerdings eine plausible Erklärung gefunden. »Man hat deutlich gesehen, dass wir uns zu schwer damit tun, ein Spiel selbst zu machen.« Seine Beobachtung habe sich dementsprechend auch taktisch ausgewirkt: Nach vier Pleiten in Folge stellte Ermisch vom eigentlich eingeplanten 4-3-3-System auf ein einfacheres 4-4-2 um. Ermisch will die Formation aber nur zu einem Provisorium machen. Langfristig soll es auf der Rußheide wieder offensiver zugehen.

»Wir schießen zu wenig Tore«

Mit Blick auf die Torausbeute (22) würde dem VfB etwas mehr Offensivgeist unübersehbar gut tun. »Wir schießen zu wenig Tore und machen aus unseren Möglichkeiten zu wenig«, betonte Ermisch im Hinrundenverlauf immer wieder. Dem VfB fehlt ein klassischer Torjäger. Clemens Bachmann ist mit fünf Treffern schon treffsicherster Fichte-Angreifer. Geht es nach Ermisch, nutzt der VfB die Winterpause nicht nur für die sportliche, sondern auch personelle Weiterentwicklung – zum Beispiel durch Transfers. »Aber es wird schwierig, der Markt ist sehr rar in der Region.« Immerhin darf Fichte im neuen Jahr auf die Rückkehr der langzeitverletzten Baris Orhan (Kreuzbandriss) und Furkan Ars (Knie) hoffen.

Für Ermisch ist die sportliche Weiterentwicklung das eine, die des Vereins als solches das andere große Thema. »Hier muss sich im Klub und seinem Umfeld noch eine Menge tun. Das ist zu wenig, um mal in einen semiprofessionellen Bereich vorzustoßen.«

Einen Denkzettel zur Winterpause gab’s allerdings auch für sein Team. »Den ein oder anderen muss man immer wieder anschieben. Das bin ich nicht gewohnt.« Gewissermaßen ist auch seine persönliche Zukunft an die geforderte Entwicklung geknüpft. Für den regionalligaerfahrenen Coach ist klar: Der VfB muss auf und neben dem Platz einen Schritt nach vorne machen.

VfB-Torschützen

Clemens Bachmann (5 Tore), Patrick Ruske, Jannik Welkener (beide 3), Volkan Ünal, Kayhan Kaya, Niklas Szeleschus, Furkan Ars (alle 2), Maximilian Helf, David Schwesig, Oguz Peker (je 1).

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