TSG in der zweiten Halbzeit weit entfernt von einem Spitzenteam Der »letzte Gong«

Bielefeld  (WB). 28:27. Mit etwas Abstand fühlte sich das Ergebnis für Michael Boy tatsächlich wie ein Sieg an. »Das war letztlich eine positive Erfahrung, die der Mannschaft einen Schub geben wird«, kommentierte der Trainer des Handball-Oberligisten TSG A-H Bielefeld den schwer erkämpften Heimsieg über die SF Loxten (wir berichteten).

Von Jörg Manthey
Ehrliche Freude: Nach dem 28:27-Erfolg über Loxten war bei der TSG das traditionelle Schrottwichteln angesagt. Betreuer Helmut Seniuch bekam ein Mallorca-Outfit, hinten feixen Julius Hinz mit Sombrero und Felix Hendrich mit Deutschland-Perücke. Gustav Rydergård (rechts) ist um ein paar schwedische Leckereien reicher, Marius Kastening hat nun einen alten TuS 97-Pulli im Kleiderschrank hängen.
Ehrliche Freude: Nach dem 28:27-Erfolg über Loxten war bei der TSG das traditionelle Schrottwichteln angesagt. Betreuer Helmut Seniuch bekam ein Mallorca-Outfit, hinten feixen Julius Hinz mit Sombrero und Felix Hendrich mit Deutschland-Perücke. Gustav Rydergård (rechts) ist um ein paar schwedische Leckereien reicher, Marius Kastening hat nun einen alten TuS 97-Pulli im Kleiderschrank hängen.

Nuancen gaben am Ende des Krimis den Ausschlag für ein Happyend. So erzielte etwa Tobias Fröbel sein erst drittes Siebenmetertor seit 2009 zum 27:26. Mit Ansagen – er hatte vorher in einem Telefonat entsprechend mit »Spezi« Pascal Welge gefrozzelt.

Ortmann zur richtigen Zeit »da«

»Wenn es spitz auf Knopf steht, brauchst du Führungsspieler. Die gewinnen Spiele«, kommentierte Boy seinen gelungenen Schachzug, in der 50. Minute Henrik Ortmann auf die Platte zu bringen. Genau so einen Spielertyp benötigte der schwächelnde Primus zu diesem Zeitpunkt. Boy: »Ötti war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.« Der 38-Jährige tat exakt das, was ihn jahrzehntelang ausgezeichnet und bis in die 1. Bundesliga (TuS N-Lübbecke) gebracht hatte. »Ich kenne keinen Spieler, der so zweikampfstark ist wie Ötti«, würdigte Dr. Carl-Moritz Wagner das entscheidende Zutun seines langjährigen Mitstreiters, der dem Spiel »mit seiner Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit« (Geschäftsführer Christian Sprdlik) seinen Stempel aufdrückte und brachial einen Misserfolg abwendete.

»Haben immer dran geglaubt«

»Wir haben immer dran geglaubt, ob beim 20:12 oder beim 25:26«, sagte der verletzte Regisseur Marius Kastening, der »ein Spiel auf einem schlechten Niveau« sah. »Wir haben in der zweiten Hälfte unsere Qualitäten im Angriff in jeglicher Hinsicht vermissen lassen. Henrik Ortmann hat uns mit seinen Szenen am Leben gehalten.« Letztlich durfte die TSG dankbar sein, dass Loxten erst spät auf die offensive 4:2-Deckung umschaltete. Zu dem Zeitpunkt hatte sich der Spitzenreiter ein komfortables 20:12-Polster erarbeitet (35.), von dem er zehren sollte. Die restliche Spielzeit endete mit 8:15. »Ob 6:0-, 5:1- oder 4:2-Deckung – sowas muss raus aus den Köpfen«, verlangt Michael Boy. »Wenn wir das spielen, was wir können, sind wir besser. Hätten wir unsere Siebenmeter, Gegenstöße oder andere freie Dinger konsequent genutzt, wären wir gar nicht erst in die Bredouille gekommen.«

Zwei Comebacks am 12. Januar?

Christian Sprdlik wertete das 28:27 als Warnschuss, als »letzten Gong«. Dass sich die TSG sichtbar schwer tat, gegen Loxtens 4:2-Deckung gehaltvolle Lösungen zu erarbeiten und allzu oft auf Verzweiflungswürfe setzte, dürfte den Mitbewerbern nicht entgangen sein.

Marius Kastening (»Ich habe ein gutes Gefühl im Knie«) hofft, dass er seine Kreuzbandzerrung bis zum 12. Januar wieder auskuriert hat. Damit auch ja nichts schiefgeht, »habe ich meinen Skiurlaub abgesagt.« Auch Dr. Carl-Moritz Wagner hat sich den 12. Januar als Comeback ausgeguckt; nach Rücksprache mit Dr. Michael Dickob. »Das ist das Ziel, auf das ich hinarbeite. Ich habe am 9. Januar noch einen Termin. Wichtig ist, dass ich vom Kopf her frei bin.«

Erlösung per What’s App

Wagner litt am Freitag noch ein bisschen mehr als die Kulisse – der Apotheker hatte Notdienst und konnte nicht in der Seidensticker Halle sein. »Ich hing am Liveticker und bin im Minutentakt per What’sApp von Marius Kastening und Simon Dreier informiert worden. Mann, war ich erleichtert, als das erlösende SIEG kam.«

Die Spenger Delegation auf der Tribüne hoffte letztlich vergebens auf einen Ausrutscher des Spitzenreiters. »Hauptsache gewonnen. Das Glück des Tüchtigen gehört zu einem erfolgreichen Jahr und einem geplanten Aufstieg dazu«, dozierte Calle Wagner, derweil Christian Sprdlik den Charakter des Teams lobte und festhielt: »Auch das sind zwei Punkte. Am Ende der Saison fragt keiner mehr danach, wie wir die geholt haben.«

Schrottwichteln in der Kabine

Erstmals in dieser Saison stellte die Mannschaft nach dem traditionellen Schrottwichteln ein Kabinen-Selfie ins Soziale Netzwerk Facebook. Sprdlik hielt mit seiner Handykamera reine Freude und pure Erleichterung fest. »Das war komplett echt. Wir haben Ende 2017 und sind Spitzenreiter. Da haben es sich die Jungs verdient, mal so zu eskalieren«, grinste Trainer Michael Boy, der für die zweite Saisonhälfte »viel Arbeit« und in dann wieder voller Besetzung »eine andere TSG« ankündigte.

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