Boxer Besar Nimani und seine neue Einstellung zum Leben Späte Einsichten

Bielefeld (WB). Boxen ist ein raues Geschäft. Im Ring und auch außerhalb. Das Training ist hart bis brutal. Der Umgangston eher hart als herzlich. Und dann ist da noch die Nähe zum nicht so ganz Legalen.

Von Oliver Kreth
Besar Nimani: »Es hat Geld, Nerven und Substanz gekostet. Und was genauso schlimm ist: Es macht unglücklich.«
Besar Nimani: »Es hat Geld, Nerven und Substanz gekostet. Und was genauso schlimm ist: Es macht unglücklich.« Foto: Oliver Schwabe

Diese Nähe macht einen Teil der Faszination des Faustkampfes aus. Am Ring tummeln sich deshalb neben den Sportinteressierten auch gerne die Reichen, die Superreichen, die Schönen, die wieder Schönen, Dichter und Denker, Zocker und Abgezockte, die Halbseidenen mit ihren dürftig bekleideten Damen und natürlich die, die immer da sind, die Promis, eher Z als A. Sie huldigen dem idealisierten Bild des Boxers. Der hat zumindest eins zu sein: ein Mann. Und dabei bevorzugen viele die antiquierte Definition dieses Begriffes.

Seine wichtigsten Bezugspersonen: seine Frau Annika und Sohn Leon. Foto: Schwabe

Besar Nimani hat lange auch diese Definition bedient. Doch der 32-Jährige hat sich gewandelt. Sagt er. Und wirkt dabei glaubhaft. Die Momente des Erwachsenwerdens kann er klar benennen: Es war der Tag, als sein Sohn geboren wurde, es war die Zeit, »als ich fast meine Familie verloren habe.« Es war die Zeit, als er häufiger im Gericht als im Ring stand und die Schlagzeilen keine sportlichen waren. Nimani sagt rückblickend: »Früher war ich ein Anderer. Und mit dieser Art habe ich mir viel verbaut. Es hat Geld, Nerven und Substanz gekostet. Und was genauso schlimm ist: Es macht unglücklich.«

Den Grund für sein früheres Verhalten sieht er in seiner Erziehung, seinem Stolz, der Mentalität des Boxers, der nicht gerne zurückweicht, der Mentalität eines albanisch-deutschen Mannes.

Der junge Vater hat sein Leben nach seiner Einsicht total umgestellt , privat wie sportlich. »Mittlerweile bin ich jeden Tag für den Kleinen da. Da hat sich eine ganz andere Verbundenheit entwickelt.« Nicht wie zu der Zeit, als er zwei Mal am Tag in Detmold trainierte und Leon nur eine Stunde gesehen hat. Mittlerweile verbringt er mehr Zeit mit seinem Sohn als Mutter Annika. Die muss morgens früh raus, geht arbeiten. Wickelexperte Nimani sagt mit einem Lächeln im Gesicht: »Ich habe nicht nur Vater- sondern auch Muttergefühle.«

Sportlich neu orientiert

Auch sportlich hat er sich neu orientiert. Mit Shary Honarbakhsh hat er einen Manager an seiner Seit, der den Ehrgeiz des Halbmittelgewichtlers teilt. Gemeinsam wollten sie die fünf Jahre nutzen, die Nimani glaubt noch im Ring für Furore sorgen zu können. »Ich hatte nie was mit Alkohol und Drogen am Hut, ich war nie ein Partytyp.«

Die erste Veranstaltung in Eigenregie war auf den 31. Oktober terminiert . Es sollte im Bielefelder Lenkwerk um den vakanten Titel der GBU im Halb-Mittelgewicht gehen. Doch dann der nächste heftige Rückschlag für Besar Nimani. Am 21. September zog er sich im Training einen Teilriss der Bizepssehne zu. Wieder aus der Traum vom WM-Titel. Stattdessen sportliche Untätigkeit, Reha, Warten auf Genesung. Positiv lediglich: Er konnte sich um seine Familie kümmern, nach dem Hauskauf den Umbau beaufsichtigen. Durch Eigeninitiative und der Hilfe Anderer konnte Nimani kräftig sparen.

Nach der Absage musste alles rund um die Veranstaltung rückabgewickelt werden. Karten, Sponsorengelder etc. Beim Boxer flossen in der Zeit Tränen – und er entschuldigte sich bei seinem Manager für seine Verletzung. Das hat Shary Honarbakhsh beeindruckt.

Aufgegeben wird deshalb nicht. Ende Dezember kann Besar Nimani wieder in den Trainingsaufbau einsteigen, Ende Januar will er dann wieder Vollgas geben. Und am 17. März endlich in Bielefeld in den Ring steigen. Gegner wird dann der aktuelle Titelträger Rafael Chiruta sein. Der 37-Jährige stammt aus Rumänien, lebt mittlerweile in Spanien. Ein Gegner, vor dem sich Nimani nicht fürchten muss. Denn er hat ja schon seinen härtesten Gegner bezwungen – sich selbst.

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