Handballderby: TSG gegen TuS Spenge sieht Nils und Leon Prüßner als Gegner Ein »heißes« Bruderduell

Bielefeld  (WB). Das immergrüne Nachbarschaftsderby der Handball-Oberliga zwischen der TSG A-H Bielefeld und dem TuS Spenge am Freitagabend schreibt zahlreiche Geschichten. Zum Beispiel diese: Zum ersten Mal in ihrer Laufbahn treffen die Brüder Nils Prüßner (TSG) und Leon Prüßner (Spenge) als Gegner aufeinander.

Von Jörg Manthey
Leon und Nils Prüßner, hier in ihrer Lieblingspizzeria »Vesuvio« im Lemgo, freuen sich auf einen Handball-Leckerbissen.
Leon und Nils Prüßner, hier in ihrer Lieblingspizzeria »Vesuvio« im Lemgo, freuen sich auf einen Handball-Leckerbissen. Foto: Jörg Manthey

Die familieninternen Sticheleien nehmen zu. Der verbale Konkurrenzkampf prickelt wie ein schmackhafter Aperitif. »Das wird ein komisches Gefühl sein«, glaubt Leon Prüßner. »Aber ich werde normal zupacken!« In der vorigen Saison spielten beide noch gemeinsam im Bielefelder Dress. Nach vier Jahren mit 96 Spielen und 374/54 Toren für die TSG (»Das war eine wunderschöne Zeit, auf dem Feld und auch außerhalb. Ich habe viel gelernt.«) entschied sich Leon Prüßner, ob seiner oft spektakulären Aktionen inzwischen ein Publikumsliebling, für einen Tapetenwechsel.

»Spenge ist komplett anders«

Sein Glück gefunden hat er in Spenge aber (noch) nicht. Der 23-Jährige, mit einem Einjahresvertrag ausgestattet, ist im harten Konkurrenzkampf auf Linksaußen eindeutig die Zweitbesetzung hinter Sebastian Reinsch. »Spenge ist komplett anders. Umfeld, Trainer, Management, Geschäftsführung«, sagt Leon Prüßner. »Das ist keinesfalls negativ gemeint. Es sind einfach andere Persönlichkeiten, andere Charaktere, an die ich mich erstmal gewöhnen musste.«

Eine Lektion, die der Kaufmann für Büromanagement am Verinnerlichen ist: »Das eigene Ego hinter das der Mannschaft stellen, das ist eine Voraussetzung für Erfolg.« Prüßner spürt wohl, dass er mit großem Talent gesegnet ist, aber genauso, dass er noch Luft nach oben hat. »Die letzten zehn Prozent habe ich noch nicht ausgeschöpft.«

Der Spaß ist wieder da

Nils Prüßner (27) war in seinem ersten Jahr als Senior aus Lemgo zum TuS Spenge gewechselt. Sein Trainer damals: Heiko Holtmann. »Das war nach der A-Jugend ein richtiger Schritt«, erinnert er sich an den mitunter schmerzhaften Reifungsprozess zwischen den Grotes, Dessins, Mathews’ oder Kolios’. »Ich habe im Training deren Härte zu spüren gekriegt, aber nicht mit der Wimper gezuckt.« Nach seiner Rückkehr nach Lemgo schaffte Nils Prüßner mit den Youngsters den Aufstieg in die 3. Liga, bekam später auch im Oberhaus Spielanteile und erzielte sein erstes Bundesligator im Gerry-Weber-Stadion gegen den HSV Hamburg. 2014 heuerte der Linkshänder bei der TSG an und strebt nun den nächsten Sprung in die 3. Liga an. Dabei war auch er im Frühjahr eigentlich bereit, seine Zelte in der Teuto-Metropole abzubrechen. »Einiges passte nicht. Die Lust war verloren gegangen. Und es ist der Spaß am Handball, der bei mir an erster Stelle steht.« Erst spät wurde dem Team die neue Ausrichtung der TSG kommuniziert. Mit der Inthronisierung von Christian Sprdlik als hauptamtlichem Geschäftsführer stellte sich bei Nils Prüßner mit Macht der verschollene Spaßfaktor wieder ein. Sprdliks frische Visionen erinnerten den Linkshänder an die gute alte Zeit bei den Lemgo Youngsters. »Ein geiles Feeling. Ich traue Spriddi alles zu!« Der eingeschlagene Weg stimme. »Wir haben einen Riesenspaß in der Mannschaft und ziehen das durch in die 3. Liga. Es macht richtig Bock.«

Kampf und Willen

Einher mit der neuen sportlichen Perspektive ging eine neue berufliche Ausrichtung. Nils Prüßner wagte die Wende zum Vermögensberater. »Ich bin ein Sparmotivator«, sagt er und vergleicht sein Wirken mit dem eines Fitnesscoaches, der Klienten anleitet, ihre Körper zu stählen – und dies halt auf monetärer Ebene.

Die TSG gegen Spenge. Das wird – auf Augenhöhe – nicht nur eine Sache der Tagesform, des Willens, des Kampfes, der Erfahrung, der Abgezocktheit, der Nerven. Diese 60 Minuten vereinen zugleich »die individuell stärksten Spieler der Liga«, findet Nils Prüßner. Sein Siegesrezept für Freitagabend: »Kühlen Kopf bewahren und in der Abwehr sicher stehen!«

Vor dem Spiel leben die Brüder ihre Rituale. Leon hört Musik, um sich zu pushen, »zum Beispiel ein Thema aus König der Löwen.« Geht dann aufs Feld und »schaltet den Kopf aus. Ich bin nicht nervös.« Nils, sowieso tiefenentspannt, zählt immer dreimal bis Elf. »Das ist meine Glückszahl.«

TBV-Nudeln und zwei Tipps

Beide Spieler bestellen sich in ihrer Lemgoer Lieblingspizzeria »Vesuvio« Pasta, TBV-Nudeln. Doch spätestens beim Ergebnistipp ist es vorbei mit Gemeinsamkeiten. »Wir werden keine Körner für den Pokal am Samstag aufsparen und gewinnen mit 28:27«, sagt Leon Prüßner. »32:28 für uns«, entgegnet Nils Prüßner und schickt ein Argument hinterher. »Ich habe in der Seidensticker Halle noch nie verloren.« Der freche Konter des Bruders: »Kevin Becker weiß, wo Nils hinwirft.«

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