Tumulte und Schläge nach dem B-Liga-Spiel zwischen SC Bosporus und Solbad II Gegenseitige Anklagen

Bielefeld (WB). Der SC Bosporus hat in der Fußball-Kreisliga B durch den 1:0-Heimsieg gegen Solbad Ravensberg II wichtige Zähler im Kampf um den Klassenerhalt geholt. Weitaus brisanter ist, was sich nach dem Schlusspfiff in den Heeper Fichten abgespielt hat.

Von Stephan Arend
Symbolbild.
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Schiedsrichter Peter Pöhlker behauptet, in der Kabine der Gastgeber geschlagen und gewürgt worden zu sein. Bosporus-Coach Abdullah Yilmaz hingegen sagt: »Der Schiedsrichter hat mich geschubst und mit beiden Fäusten geschlagen. Auslöser soll eine Rote Karte gegen Bosporus-Spieler und Trainersohn Baris Yilmaz nach Spielschluss gewesen sein. Was danach passiert ist, darüber gibt es völlig unterschiedliche Aussagen. Der Ruf und die Glaubwürdigkeit der Beteiligten stehen auf dem Spiel. Denn eines ist sicher: Eine Partei lügt.

»Ich hatte Todesangst«, sagt Schiedsrichter Pöhlker und schildert seine Sicht der Dinge. Der Bosporus-Spieler habe ihn nach dem Schlusspfiff aufs Übelste beleidigt. Erst vor der Kabine habe er ihm die Rote Karte zeigen können. Danach habe er seine Sporttasche aus der Bosporus-Kabine holen wollen (an diesem Tag sei ihm kein eigener Raum zur Verfügung gestellt worden). »In der Kabine bin ich vom Bosporus-Trainer vor die Brust geboxt worden. Andere Spieler haben mir in die Rippen und die Brille vom Kopf geschlagen. Ich bin festgehalten und vom Trainersohn gewürgt worden.«

Pöhlker hat bei der hinzugerufenen Polizei Anzeige gegen Abdullah und Baris Yilmaz erstattet und glaubt bei einer Gegenüberstellung auch andere Beteiligte wiederzuerkennen. Zudem spricht er von einer geplatzten Ader im Hals, von Prellungen und Hämatomen, die später im Krankenhaus festgestellt worden seien.

»Die Tatsachen komplett verdreht«

»Der Schiedsrichter hat die Tatsachen komplett verdreht«, empört sich Abdullah Yilmaz und spricht von einer Show des Schiedsrichters, der so seinen Ruf retten will. Der Trainer beschreibt die Situation in der Kabine ganz anders: Er habe dem Schiedsrichter gesagt, dass er zwar einen Sonderbericht verfassen, aber keine Rote Karte außerhalb des Spielfeldes zeigen kann. »Dann hat er mich wegstoßen, mit beiden Fäusten geschlagen und beleidigt. Meine Spieler haben ihn von mir weggezogen und aus der Kabine geschubst.«

Dass Schiedsrichter Pöhlker danach im Tumult vor der Kabine getobt hat, das streitet er gar nicht ab: »Ich stand schließlich unter Schock.« Auch Solbad-Coach Robin Escher bestätigt die verbalen Attacken des Referees sowie dessen Rufe: »Ich wurde gewürgt.« Was in der Kabine passiert ist, hat Escher nicht mitbekommen. Er kann lediglich von einem Kellerduell berichten, das »absolut im Rahmen« abgelaufen ist: »Beide Teams haben hart gekämpft, aber es gab keine bösen Fouls.«

Für Hektik habe der Unparteiische auch mit provokanten Sprüchen in Richtung der Spieler gesorgt. Escher: »Der Schiedsrichter war der Hauptdarsteller.« Dass es abseits der zivilgerichtlichen Auseinandersetzung zu einer Spruchkammer-Verhandlung kommen wird, das steht außer Frage. Einen Verlierer gibt es für Philip Dräger, Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses Bielefeld, auf jeden Fall: »Die Sportgerichtsbarkeit ist nun gefragt. Doch egal, was entschieden wird. Diese Geschichte schadet dem Fußball.«

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