Der Neuanfang: Bulldogs-Quarterback Niklas Gorny (21) wird als »Chef« voll akzeptiert Die nächste Stufe im Reifeprozess

Bielefeld  (WB). Die Feuertaufe hätte sicher einfacher ausfallen können. Ausgerechnet gegen die Marburg Mercenaries, Geheimfavorit auf die Meisterschaft in der GFL 1 Süd, führt Quarterback Niklas Gorny den neuen Jahrgang der Bielefeld Bulldogs erstmals an. Der 21-Jährige möchte Samstag (17 Uhr, Rußheide) im Testspiel nachweisen, dass es eine gute Entscheidung von Headcoach Willie J. Robinson war, auf ihn als »Chef« zu setzen.

Von Jörg Manthey
Quarterback-Coach Felix Gorny (Mitte) mit seinen jungen Spielmachern David Wagner (links) und Niklas Gorny.
Quarterback-Coach Felix Gorny (Mitte) mit seinen jungen Spielmachern David Wagner (links) und Niklas Gorny. Foto: Jörg Manthey

Niklas Gorny ist zu einem selbstbewussten jungen Mann gereift und bereit für den nächsten Schritt. »Auf diesen Moment habe ich immer hingearbeitet«, sagt er und gibt als persönliches Ziel aus: »Ich möchte mithelfen, dass es uns als Team gelingt, attraktiven Football zu spielen.«

Neue Wertschätzung und Perspektive

Das glückte in der Vergangenheit vor allem zwei seiner Vorgänger: Michael Proulx und Chase Vogler. Spielmacher-Charaktere, die in Bielefeld mit akkuraten Pässen und Läufen Spuren hinterlassen haben. Seither waren alle anderen US-Boys auf dieser Schlüsselposition austauschbar; ob Shavodrick Beaver, Isiah Grimes oder Hank Kujak. Diese zentralen Irrtümer stehen mit Pate für den Niedergang der Bulldogs. Mit solch unheilvollem Karussell soll jetzt Schluss sein. Willie J. Robinson hatte frühzeitig signalisiert, einen deutschen Quarterback aufbauen zu wollen. Eine ganz neue Wertschätzung und Perspektive für Niklas Gorny, der als »Backup« hinter den Amis im zweiten oder dritten Glied sein unbestrittenes Talent nur ganz sporadisch zeigen durfte. So wich er phasenweise auf die Position des Receivers aus. »Ich wollte unbedingt spielen.«

Bruder Felix Gorny gibt wertvolle Tipps

In seinem älteren Bruder Felix, selber gelernter Quarterback (U19 und Seniors), hat Niklas Gorny eine wichtige Bezugsperson, eine Art Mentor. »Es hat ein paar Jahre gedauert, bis es Niklas in die erste Reihe geschafft hat«, lächelt Felix Gorny und raunt etwas von verschenkter Zeit. »Er hat einen Riesensprung gemacht, was seine Führungsqualität angeht.« Mehr »Feuer« und »Ernsthaftigkeit« sei nun erkennbar. Sein Schützling dankt es ihm. »Felix erklärt mir alles in Ruhe und nimmt Druck von mir.« Niklas Gorny orientiert sich in seiner Entwicklung an Joao Krapohl (22). Den jungen Quarterback, der die Cologne Crocodiles zum Aufstieg in die GFL 1 geführt hat, kennt er aus gemeinsamen Tagen in der Jugend-Nationalmannschaft. »Joaos Leistung verdient absoluten Respekt.«

»Niklas genießt unser volles Vertrauen«

Niklas Gorny steht sinnbildlich für den Neuanfang, für den eingeschlagenen Bielefelder Weg. 500 bis 600 Pässe wirft er in einer normalen Trainingswoche. Im Trainingslager in der Rommel-Kaserne zwickte seine rechte Wurfschulter kurz; Eis sorgte für Linderung. Die Spielzüge, die Robinson auch schon bei den Lübeck Cougars hoffähig machte, kann der Angriffsführer an seinem Handgelenk ablesen. Branchenüblich spielen dabei Farben und Zahlen eine Rolle. Gibt er »Green 19«, »White 9« oder »Yello 29 Warrior Warrior« als Kommando vor, wissen die Kollegen genau, wie sie sich zu verhalten haben. Gorny hat durchaus das Gefühl, »dass die Jungs auf mich hören.« Und freut sich auf Marburgs Starensemble. »Das ist doch mal eine nette Erfahrung, um zu sehen, wo man steht. Eine Lernmöglichkeit.« Leif-Jannis Knauer spricht ihm Mut zu. »Niklas wird seine Rolle finden und erkennen. Er genießt unser volles Vertrauen. Das beinhaltet auch, Fehler machen zu dürfen.«

Auf dem Weg zu seinem Gesellenstück darf der Sport- und Mathematikstudent (auf Lehramt) an der Uni Bielefeld nicht zu ruhig, nicht zu bescheiden auftreten. Wird die Lage mal brenzlig, ist er als Kern der Offense gefordert, cool zu bleiben, Willenskraft auszustrahlen. Damit sich das Team an ihm aufrichten kann. Mit David Wagner (21) entstammt sein Quarterback-Konkurrent ebenfalls der eigenen Jugend. Und mit Vinzenz Wiemer aus der U19 scharrt der nächste Youngster mit den Hufen.

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