Besar Nimani setzt Schwerpunkte: Familie, Boxen und 2017 wieder Europameister werden Nur noch positive Schlagzeilen

Bielefeld  (WB). Den Namen Paata Varduashvili kannte Besar Nimani nicht wirklich. Der Georgier wird an diesem Samstag der Gegner des Bielefelders in Dortmund sein.

Von Oliver Kreth
Bereit für neue Taten im Ring: Der Bielefelder Besar Nimani (Foto) boxt an diesem Samstag als Vorkämpfer von Marco Huck in Dortmund.
Bereit für neue Taten im Ring: Der Bielefelder Besar Nimani (Foto) boxt an diesem Samstag als Vorkämpfer von Marco Huck in Dortmund. Foto: Phillip Gätz

Dort boxt der 31-Jährige im Vorprogramm des WM-Kampfes seines Jugendfreundes Marco Huck. Für den Superweltergewichtler soll der Sechs-Runden-Kampf aber nur eine Durchgangsstation sein. Die Ziele sind ehrgeizig: eine EM in diesem Jahr und schnellstmöglich eine WM. Weniger ist dem Ehrgeizigen zu wenig.

Vor allem aber will er weg von seinem Bad-Boy-Image. In den vergangenen Jahren standen Berichte über Besar Nimani nicht nur auf den Sportseiten der Tageszeitungen. Doch das soll der Vergangenheit angehören. Nimani: »Ich war mit falschen Menschen unterwegs.« Ein neuer, kleiner Mensch habe ihn zuletzt besonders beeinflusst: sein Sohn Leon. »Seit er da ist, seit ich sehe, wie er aufwächst, wie er Dinge dazulernt: Das hat mich menschlich sehr verändert. Ich habe jetzt eine ganz andere Verantwortung. Ich muss ihm im Leben die Türen aufmachen.« Dass viele Menschen nicht unbedingt Kontakt haben wollen, »das kann ich verstehen. Aber nehmen wir das Beispiel Jürgen Brähmer: Der saß im Knast, jetzt ist er Trainer, er war Weltmeister. Er ist ein gutes Vorbild für junge Boxer. Denn wenn er sagt: Macht keinen Scheiß, hat das eine ganz andere Wirkung. Er hat die Lebenserfahrung gemacht. Bei mir ist das nicht anders.«

Schwerpunkte: Familie und Boxen

Besar Nimani hat seine Schwerpunkte im Leben klar justiert: Familie und Boxen. Beides zu 100 Prozent. Seine Frau geht arbeiten, er passt auf den Sohn auf, und am Abend geht er malochen. Und er will ganz nach oben: auf den WM-Thron. »Ich mache es ganz oder gar nicht, ich habe keine Zeit und Lust für irgendwelche Spielchen. Sonst kann ich auch arbeiten gehen, um für meine Familie zu sorgen.«

Auf dem Weg nach ganz oben war Nimani schon einmal. Den Europameistergürtel der IBF im Halbmittelgewicht hatte er 2012 erkämpft, 2014 die Internationale Meisterschaft desselben Weltverbandes. Doch zu mehr reichte es nicht. Was wohl auch daran lag, dass Besar Nimani und sein Bruder und Trainer Berat als Einzelkämpfer im Big Business Boxen ihre Grenzen aufgezeigt bekamen. Besar Nimani rückblickend: »Grundsätzlich ist Sturheit nicht verkehrt – dann, wenn man konsequent auf ein Ziel zugeht und es nicht aus den Augen verliert. Zu denken, ich brauche niemanden, so wie ich es getan habe, ist aber auch der falsche Weg.«

»Ein langer Weg«

Auch deshalb hat er sich einen Manager gesucht. Shary Honarbakhsh weiß, dass der Weg zum gemeinsamen Ziel ein »langer Weg werden wird«. Auch für ihn sei die Vermarktung seines Schützlinges eine »gute Herausforderung«. Der Kampf in Dortmund ist der erste Schritt Richtung EM. Ob es danach noch einen vor einem EM-Kampf geben wird, macht der Boxer vom Ringaufenthalt abhängig. 2016 boxte Nimani nur ein Mal, 2017 schon ein Mal. Dieses besondere Gespür für Ring, Kampf und Gegner kann man nur im echten Duell bekommen. Nimani: »Wo befinde ich mich im Ring, wie komme ich aus der Ecke raus, die Schlag- und Abwehrmechanismen: Das kann man nur bedingt im Sparring lernen.« Maximal sechs Runden kann der Bielefelder gegen Paata Varduashvili sein Ringgefühl entwickeln. Wobei nicht davon auszugehen ist, dass Paata Varduashvili gegen Nimani (22 Kämpfe, 21 Siege, 18 durch K.o.) die 18 Minuten durchhalten wird. Als Schinderei hat Nimani die Vorbereitung auf einen Kampf noch nie empfunden. Aber eine Erinnerung lässt ihn die Trainingseinheiten noch leichter durchstehen. »Waren Sie schon einmal bei einer Geburt dabei?«, fragt er den Sportreporter: »Wenn man sieht, was Frauen da durchstehen, kommt man sich als Mann doch etwas wehleidig vor.«

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