Tennis: Nach seinem erstem Sieg auf der ATP-Tour will Top-Talent Louis Weßels mehr Dickes Lob vom Davis-Cup-Teamchef

Bielefeld (WB). Er ist 17 Jahre alt, genau zwei Meter groß und hat ein echtes Ausrufezeichen gesetzt: Louis Weßels. Nach seinem Premieren-Sieg auf der ATP-Tour beim Traditionsturnier am Hamburger Rothenbaum rückt das Bielefelder Tennistalent unter die besten 600 Spieler der Welt.

Von Adrian Rehling
Louis Weßels in Aktion bei seinem Erstrundenspiel gegen Steven Diez. Trotz Verlust des ersten Satzes setzte er sich durch.
Louis Weßels in Aktion bei seinem Erstrundenspiel gegen Steven Diez. Trotz Verlust des ersten Satzes setzte er sich durch. Foto: Adrian Rehling

Weßels, der für den Bielefelder TTC in der zweiten Bundesliga an den Start geht, hatte in der vergangenen Woche noch in der Juniorenkonkurrenz in Wimbledon gespielt. Dort schied er im Einzel in der ersten Runde aus, in der Doppelkonkurrenz war indes erst im Halbfinale Schluss.

Michael Stich will Weßels im Herren-Hauptfeld

Am Freitag dann ereilte ihn die überraschende Nachricht, dass German-Open-Turnierdirektor und Ex-Wimbledon-Sieger Michael Stich den Jungspund bei »seinem« Event aufschlagen sehen wollte. Überbracht wurde die Neuigkeit von Junioren-Bundestrainer Peter Pfannkoch, der Louis seit zwei Jahren als ständiger Coach begleitet. »Ich habe damit nicht gerechnet, umso größer war die Freude«, erklärte Weßels. Den Jubel über die Wildcard setzte der Blondschopf bei seinem ersten Einsatz bei einem 500er-Turnier der ATP World Tour direkt in positive Energie um.

Gegen den kanadischen Qualifikanten Steven Diez – immerhin die Nummer 200 der Weltrangliste – spielte Weßels am Dienstag groß auf. Nach verlorenem ersten Satz (5:7) kam er besser ins Spiel und gewann Satz Nummer zwei mit 6:2. Im entscheidenden dritten Durchgang war der BTTC-Spieler dann gar nicht mehr zu bremsen. Selbst eine längere Behandlungspause seines Gegners beim Stande von 4:1 aus Weßels’ Sicht brachte ihn nicht aus der Ruhe. »Da habe ich vor allem durchgeatmet, viel Luft geholt und die Nervosität einfach mal liegen gelassen«, sagte er. Wenig später war die Sensation schließlich perfekt. Auch zur Verwunderung von Louis selbst: »Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin so happy!«

Die Analyse übernahm im Anschluss lieber ein anderer Tennis-Fachmann – und zwar kein Geringerer als Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann. »Louis hat mich extrem überrascht. Das war ein Auftritt, der noch auf viel mehr hoffen lässt. Das war, vor allem im zweiten und dritten Satz, richtig gut heruntergespielt. Wenn er diese Leistungen konstant abrufen kann, ist nach oben noch einiges möglich«, lobte Kohlmann.

Sprung unter die besten 600 der Welt

In der Junioren-Weltrangliste spielte sich Louis Weßels in diesem Jahr bereits von Rang 40 bis auf Position 18 nach vorne. Nun verfügt er dank seines Erstrundensieges auch über ein Ranking auf der großen ATP-Tour, und hat seinen Einstieg bei den Herren gemeistert. Durch den Erfolg werden ihm 45 Punkte gutgeschrieben. Insgesamt 18 760 Euro an Preisgeld hat Weßels bereits sicher. Michael Kohlmann: »Er wird in der nächsten Woche unter den besten 600 Spielern der Welt stehen.« Ein völlig neues Gefühl für den Bielefelder Senkrechtstarter, der sich davon aber nicht verunsichern lässt. Fröhlich lächelnd sieht man Weßels dieser Tage über die Anlage am Rothenbaum schlendern. Freundlich und zuvorkommend beantwortet er die Autogrammwünsche der Fans.

Die Aufmerksamkeit ist größer geworden, das merkt Louis. »Ich hatte nach meinem Sieg schnell viele Nachrichten auf Facebook, bei Whatsapp waren es bestimmt 200, und auf Instagram habe ich 150 neue Follower. Das ist echt unglaublich«, erklärte Weßels.

Erlebnis Centre Court

Der sportliche Lohn: Neben dem topgesetzten Philipp Kohlschreiber ist Weßels letzter verbliebener Deutscher im Turnier. Sein Achtelfinale bei den German Open spielt er heute auf dem Centre Court. »Ich will genauso ruhig bleiben wie am Dienstag und es einfach genießen«, betont Weßels.

Erneut gilt der gebürtige Detmolder als krasser Außenseiter. Gegner Martin Klizan (27) aus der Slowakei ist die Nummer 47 der Welt. Vielleicht ist aber gerade dieser Nimbus ein gutes Omen.

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