Bastian Schünke will den Weltrekord im Zwölf-Stunden-Einzelbahnradfahren knacken »Wir schaffen das«

Bielefeld (WB). »Ich bin mega-gut drauf, habe das beste Material und das beste Team an meiner Seite. Wir schaffen das!« Extremsportler Bastian Schünke aus Bielefeld ist überzeugt davon, am kommenden Sonntag ein Stück Radsport-Geschichte zu schreiben. Der 34-Jährige will einen neuen Weltrekord im 12-Stunden-Einzelbahnradfahren aufstellen.

Von Arndt Wienböker
Am Sonntag um 3 Uhr beginnt die Rundenhatz für Bastian Schünke. Mindestens 1436 (!) Runden will der 34-Jährige auf der Bielefelder Radrennbahn zurücklegen, um einen neuen Weltrekord im Zwölf-Stunden-Bahnradfahren aufzustellen.
Am Sonntag um 3 Uhr beginnt die Rundenhatz für Bastian Schünke. Mindestens 1436 (!) Runden will der 34-Jährige auf der Bielefelder Radrennbahn zurücklegen, um einen neuen Weltrekord im Zwölf-Stunden-Bahnradfahren aufzustellen. Foto: Bernhard Pierel

Seit einem halben Jahr bereitet sich Bastian Schünke auf seinen großen Tag vor. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird es dann ernst. Um 3 Uhr soll der offizielle Weltrekordversuch auf der Bielefelder Radrennbahn gestartet werden. Von da an heißt es für den 2,02-Meter-Schlaks nur noch durchhalten und Runden drehen. »Ich habe vor, zwölf Stunden ohne Pause im Sattel sitzen, um am Ende den Weltrekord zu haben«, sagt Schünke im Brustton der Überzeugung.

Es gilt eine Marke aus dem Jahr 2002 zu knacken. Der Slowene Marko Baloh stellte damals den 12-Stunden-Weltrekord im Bahnfahren auf: 452,196 Kilometer gilt es zu schlagen. Um das zu schaffen, muss Bastian Schünke eine errechnete Durchschnittsgeschwindigkeit von 37,7 km/h fahren und insgesamt 1436 (!) Runden zurücklegen. Die Länge einer Runde in dem unteren Bereich der Radrennbahn, auf dem der Bielefelder fahren wird, beträgt 315,07 Meter. »Das ist die offiziell vermessene Zahl«, erklärt Michael Mertins vom Förderverein.

Anders ausgedrückt: Bastian Schünke muss eine Runde in 30,08 Sekunden zurücklegen. Um aber kein Risiko einzugehen, haben er und sein Team eine etwas höhere Durchschnittsgeschwindigkeit angesetzt. »Wir haben uns 38,5 km/h vorgenommen, um auf der sicheren Seite zu sein«, berichtet Jörg Skrodzki, der Mathematiker im Team des Weltrekord-Unternehmens. »Ohne das Team geht es nicht. Wir sind mittlerweile gut aufeinander eingespielt. Jeder weiß, was er zu tun hat. Wir wollen den Weltrekord brechen«, betont Bastian Schünke.

Zwischen 3 und 15 Uhr geht die Post ab

Einen Fehler dürfen sie sich am Sonntag zwischen 3 und 15 Uhr nicht erlauben. Das weiß auch Gernot Schulte, der während der zwölf Stunden für die Verpflegung zuständig ist. Alle 20 Minuten bekommt Schünke flüssige Eiweißdrinks (Energy-Gel) gereicht – während der Fahrt kann er sich von einem E-Bike nehmen, was er braucht. »Die Belastung ist physischer und psychischer Art. Er darf auch nicht zu sehr im Tunnel sein«, erklärt Teamleiter und Physiotherapeut Karsten Stolle, der seinen Kumpel durch die ganze Vorbereitung begleitet hat. »Karsten ist so etwas wie meine bessere Hälfte geworden. Ab Sonntagabend habe ich bei meiner Frau und meinen Kindern einiges gutzumachen«, schmunzelt der zweifache Familienvater Bastian Schünke, der im normalen Leben als Verbundzusteller bei der Deutschen Post arbeitet.

An ein normales Leben war im letzten halben Jahr kaum zu denken. Jetzt sollen sich die Strapazen, etwa 5000 Trainingskilometer hat der 34-Jährige zurückgelegt, auch lohnen. »Die Spannung steigt von Tag zu Tag. Einen Weltrekordversuch unternimmt man ja auch nicht jeden Tag«, betont Michael Mertins. Der verweist zudem darauf, dass es sich bei diesem Weltrekordversuch um eine Benefizaktion zum Erhalt der 1953 erbauten und denkmalgeschützten Radrennbahn handelt. »Alle Einnahmen des Tages kommen dem Erhalt der Radrennbahn, die sanierungsbedürftig ist, zu Gute«, verspricht Mertins. Unterstützt wird der Förderverein durch Studierende der Universität Bielefeld (Sportwissenschaft). »Wir kooperieren gerne mit der Radrennbahn. Der Weltrekordversuch ist eine spannende Sache, auf die wir viel positives Feedback bekommen haben«, berichtet Professor Dr. Christian Deutscher, Abteilungssprecher Sportwissenschaft an der Uni Bielefeld.

Am Sonntag um 2 Uhr in der Früh wird Bastian Schünke am Ort des Geschehens eintreffen. Karsten Stolle wird ihn tapen und massieren, danach geht’s ein bisschen auf die Rolle, um pünktlich um 3 Uhr mit dem 8000 Euro teuren Zeitfahrrad bereit zu stehen. Nur Regnen darf es nicht. »Dann müsste ich von der Bahn gehen«, weiß Schünke. Die Wetterprognosen sind aber recht günstig, der Weltrekord kann kommen...

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