Flüchtling Mohammad Jaddoua aus Syrien will über Arminia in die Bundesliga Fußball als Lebenshilfe

Bielefeld (WB). Millionen Flüchtlinge aus Syrien haben ihrer Heimat bereits den Rücken gekehrt. Sie sind geflohen vor Krieg, Hunger und Terror – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Europa. So auch Fußballer Mohammad »Mo« Jaddoua (18). Über Umwege landete das Talent nun beim DSC Arminia – und träumt von einer Zukunft in der Bundesliga.

Von Philipp Bülter
Neu-Armine Mohammad Jaddoua (liegend) wird von einem Teil seiner Mitspieler getragen. Mohammad fühlt sich wohl inmitten seiner neuen Teamkollegen. Arminias U19-Trainer Carsten Rump (3. von links) sieht beim Syrer noch sehr viel Potenzial.
Neu-Armine Mohammad Jaddoua (liegend) wird von einem Teil seiner Mitspieler getragen. Mohammad fühlt sich wohl inmitten seiner neuen Teamkollegen. Arminias U19-Trainer Carsten Rump (3. von links) sieht beim Syrer noch sehr viel Potenzial. Foto: Philipp Bülter

Rein äußerlich erinnert »Mo«, wie Jaddoua gerufen wird, bereits an sein Idol. Der Fußballer stylt seine Frisur so wie Weltfußballer Christiano Ronaldo, die Haare lässig zur Seite gegelt. »Ich möchte irgendwann so gut sein wie er. Mein Traum ist es, eines Tages für Real Madrid zu spielen«, sagt Mohammad Jaddoua im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Dass er solche Sätze sagen kann, an einem kalten Mittwochnachmittag unweit des Trainingsgeländes des DSC Armina, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn Mohammad Jaddoua ist Syrer und den Kriegswirren seines Heimatlandes nach eigener Aussage nur mit viel Glück entronnen. Familie Jaddoua hatte alles auf eine Karte gesetzt, das eigene Haus in Latakia verkauft, um dem Sohn die Flucht nach Europa zu ermöglichen.

Viele Probetrainings – viele Absagen

Nach seiner Reise, die Mohammad zu Fuß, per Bus, Zug und auf einem Boot gemeinsam mit seinem Vater Bilal (44) und Onkel Zakaria (42) absolviert hat, erreichte er vor etwa zehn Monaten Deutschland. In der Heimat war »Mo« Kapitän der syrischen U17-Nationalmannschaft und eines der größten Talente seines Landes. In Deutschland absolvierte der offensive Mittelfeldspieler viele Probetrainings – und erhielt ebenso viele Absagen. »Das war nicht einfach für mich«, gibt Mohammad zu.

Seit etwa drei Monaten trainiert das Talent nun beim DSC Arminia. Als Gastspieler kam der 18-Jährige bislang dreimal bei der U19 in der A-Junioren-Westfalenliga zum Einsatz – und erzielte zuletzt beim 3:1 in Rheine seine ersten beiden Treffer. »Mo ist ein Rohdiamant. Er hat unglaubliche Qualitäten am Ball und schlägt tolle Haken. Er wird jede Woche besser. Wenn er so weitermacht, sehe ich für ihn eine große Chance«, sagt U19-Trainer Carsten Rump. »Ich konnte in Syrien ein Jahr lang nicht trainieren. Momentan bin ich erst bei 50 Prozent«, betont Mohammad.

Der Rest der Familie soll nachkommen

Der Verein vermittelte dem 18-Jährigen und Vater Bilal eine Wohnung in der Nähe des Stadions Rußheide. FSJ-lerin Laura bringt »Mo« nach Vermittlung des DSC mehrmals die Woche die deutsche Sprache näher. »Die Stadt gefällt mir, ich fühle mich hier sehr wohl. Am besten ist es für mich, wenn ich Fußball spielen kann. Dann vergesse ich alles, was geschehen ist«, erklärt Mohammad Jaddoua. Der Fußball ist für ihn Leidenschaft und Lebenshilfe.

Mutter Latifa (38) und die Brüder Abdullah (15) und Omar (10) leben noch in Syrien. »Sie fehlen mir. Ich hoffe, dass sie im Februar nachkommen dürfen«, sagt Mohammad. Bei der Arminia will sich der 18-Jährige über die Junioren für höhere Aufgaben empfehlen. Sein Traum: die Bundesliga. »Dafür arbeite ich hart.«

Für das syrische Nationalteam wolle er indes nicht mehr spielen, sagt er. Zu groß sei seine Angst. »Sie lassen mich nicht wieder zurück«, erklärt Jaddoua. Zurück in seine neue Heimat Ostwestfalen.

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