170. Langdistanz: Für Lars Schläger ist der Wappenweg-Ultralauf ein kleines Jubiläum »Einstiegsdroge« Hermannslauf

Bielefeld (WB). Lars Schläger ist Ultraläufer aus Leidenschaft. »Man läuft für das Gefühl hinterher«, schmunzelt der 31-Jährige und strahlt. Für ein erhabenes Gefühl, das die deutsche Sprache kaum in fassbare Ausdrücke zu kleiden vermag. Am Samstag gehört er zu den mutigen 41 Männern und acht Frauen, die die Premiere des Wappenweg-Ultralaufs bestreiten.

Von Jörg Manthey
Lars Schläger muss am Samstag früh aufstehen: Morgens um 5 Uhr beginnt der Wappenweg-Ultralauf über 100 km.
Lars Schläger muss am Samstag früh aufstehen: Morgens um 5 Uhr beginnt der Wappenweg-Ultralauf über 100 km. Foto: Bernhard Pierel

Seine »Einstiegsdroge« (Schläger) war der Hermannslauf. Damals war er 20. Seither hat sich die Distanz peu à peu vervielfacht. Auf den Systemadministrator der Firma Oetker warten 100 Kilometer mit 1100 Höhenmetern. »Jede Strecke ist eine neue Herausforderung, ein nicht alltägliches Erlebnis. Klasse, dass es solch einen Lauf jetzt vor der Haustür gibt.

Ich war sofort Feuer und Flamme, als ich das mitgekriegt habe«, schwärmt Lars Schläger. Der Hoberger begeht Samstag ein kleines Jubiläum. Es wird sein 170. Lauf im Ultrabereich (Marathon und länger) sein. »Aber ich gehöre nicht zu den Sammlern«, erklärt er. »Ich liebe es einfach, in der Natur zu laufen. Du lernst schöne Gegenden in Deutschland kennen.«

Zeiten sind eher zweitrangig

100 Kilometer sind für ihn nichts Neues. Ob Chiemgauer Bergultralauf (17:39:14 Std.), Thüringen Ultra (12:23:13), Bödefelder Hollenlauf (12:02:20) oder den Ultra Trail Serra de Tramuntana in Spanien (112 km/20:41:56); Schläger hat schon zahlreiche Endorphin-Ausschüttungen erlebt. Zeiten sind für ihn dabei eher zweitrangig.

Der frühere Handballer der HSG Spradow hat auch mal Triathlon für sich ausprobiert. Kurzdistanz. »Doch Schwimmen ist nicht so meins. Und mit dem Neoprenanzug war es mir auch zu nervig. Dazu das Fahrrad, das eine Rennmaschine sein muss; für mich eine zu große Materialschlacht. Laufen macht einfach am meisten Spaß.«

Musik zur Bewältigung mentaler Tiefs

Zweieinhalb Liter Flüssigkeit wird er Samstag vom Start weg am Körper tragen. Iso-Getränke. Plus Becher. »Ich finde es gut, Müll zu reduzieren. Man kennt ja die Bilder von den Marathons mit den Bergen an Plastikbechern.« Magnesium zur Vorbeugung von Krämpfen sei Pflicht. Alle zwei bis drei Stunden wird er eine Pille schlucken.

Zur Verarbeitung mentaler Tiefs, die sich immer wieder mal einschleichen können, hat er Musik als hilfreiches Mittel schätzen gelernt. »Harte Sachen, aber auch Balladen. Es läuft nicht immer rund«, weiß Schläger. Eine »persönliche Niederlage« fühlt sich nicht gut an. 2012, beim 100 km-Lauf um die Zugspitze, musste er diese bittere Erfahrung machen. »Ich war den Lauf zu blauäugig rangegangen. Ohne Stöcke. Habe mich bestimmt zehnmal langgelegt, weil die Wegbedingungen mit Schnee und Matsch so schlecht waren.

Nach 56 Kilometern Schliddern hatte ich die Schnauze voll.« Ein Ausstieg mit angenehmen Nachwehen. »Hinterher habe ich’s bereut und zwei Wochen gebraucht, das zu verarbeiten.« Ein Ultralauf beinhaltet auch gigantische Naturschauspiele. Als Höhepunkt fällt Lars Schläger seine Teilnahme am Mont-Blanc-Ultratrail in Frankreich ein. Auf den Tag genau vor sechs Jahren.

Der Biorhythmus protestiert schon mal

168 Kilometer, die er in 41:50:36 Stunden bewältigte. »Ich bin zwei Nächte durchgelaufen. Am Morgen der zweiten Nacht durfte ich auf 2000 Metern Höhe einen gigantischen Sonnenaufgang erleben. Blauer Himmel, eine wunderbare Fernsicht. Ich hab mich zehn Minuten hingesetzt und dieses Erlebnis einfach nur genossen.« Nachts durchlaufen, da protestiert der Biorhythmus schon mal.

Lars Schläger kennt dieses irritierende Gefühl, wenn ihm sein Ich einen Streich spielt. »Einmal war ich nur noch müde und habe mir eine Bank zum Drauflegen gewünscht. Plötzlich habe ich überall Bänke gesehen.« Es folgte ein Nickerchen auf einem Baumstumpf. Lars Schlägers Traum vom Grand Raid auf La Reunion lebt weiter. Die 164 Inselkilometer dort haben den einprägsamen Titel: »Diagonale der Verrückten.«

Vorfreude auf den Wappenweglauf

Aber erst mal freut er sich »total auf den Wappenweglauf. Mein Highlight in diesem Jahr.« Schon deshalb, weil 2015 bislang nicht ganz so gut lief. Im April musste der Modellathlet einen geplanten Ultratrail auf Mallorca absagen. Im Juli zwickte zum ersten Mal überhaupt seine Achillessehne.

Schläger freut sich aufs Wiedersehen mit Gleichgesinnten. »Die Hälfte kennt man. Es ist wie eine große Familie.« Am Freitag wird der Schalke-Fan (»Der Verein sucht sich einen. Nicht umgekehrt«) zusammen mit Freundin Anja eine schöne Mahlzeit zubereiten. »Wahrscheinlich Pizza. Eher deftig. Mit Thunfisch, Salami und Schinken.« Und nach dem Lauf gibt’s zur Belohnung das ein oder andere Bierchen.

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