Jöllenbecker Kugelstoßer Tilman Northoff krönt in Lyon seine Masters-WM-Premiere mit dem Titelgewinn Weltmeister hadert mit der »Rübe«

Bielefeld (WB/jm). Tilman Northoff vom TuS Jöllenbeck hat in seiner langen Karriere schon einige internationale Weihen errungen. Doch dieser neue Titel sticht  hervor: Weltmeister! Bei seiner ersten Masters-WM in Lyon hat sich der M 45-Kugelstoßer, wie berichtet,  auf Anhieb die Krone aufsetzen können.

Starke Typen bei der Siegerehrung in Lyon: Mit 16,41 Metern verwies Kugelstoßer Tilman Northoff (Mitte) den Briten Mark Wisemann (links/14,09 m) und Gerald Scandella (Frankreich/13,63 m) auf die Plätze.
Starke Typen bei der Siegerehrung in Lyon: Mit 16,41 Metern verwies Kugelstoßer Tilman Northoff (Mitte) den Briten Mark Wisemann (links/14,09 m) und Gerald Scandella (Frankreich/13,63 m) auf die Plätze.

»Das ist schon toll. Ein schönes Gefühl. Und es war auch ein schönes Erlebnis«, blickt WM-Debütant Northoff auf eine spannende Zeit in der Stadt des Lichtes zurück.

Die Qualifikation  fürs Finale ging  flott vonstatten. Keine Kunst. Der Jöllenbecker Leichtathletikwart benötigte lediglich  einen Versuch, um mit der 7,26 kg schweren Kugel die geforderte 13-Meter-Marke zu übertreffen und die Konkurrenz damit anzuführen. Mit  15,59 Meter  distanzierte er den Briten Mark Wiseman (13,51 m)  um nahezu zwei Meter und wurde mit Erfüllung der Norm, so das Reglement,  aus dem Wettkampf genommen. »Schade. Das war ein bisschen blöd. Ich hätte mich gerne länger mit der Anlage vertraut gemacht«, bedauert er.
Organistorisch stießen die Franzosen bei diesem  Mega-Event mit mehr als 8000 Teilnehmern an ihre Grenzen. Es gab eine Vielzahl von Pannen. Auch die Kugelstoßer waren betroffen.  Als die zehn qualifizierten Finalisten  aus dem Callroom zur Ringanlage auf dem Vorplatz des Stade du Rhone marschierten, mussten sie dort mehr oder weniger amüsiert feststellen, dass die Eisenkugeln fehlten. Grand malheur.  Und  das eine halbe Stunde vor Wettkampfbeginn.

Northoffs  Saisonbestmarke liegt aktuell bei  16,77 Metern. Noch immer zählt der OWL-Rekordhalter (19,02 m)  zu den besten 25 Kugelstoßern Deutschlands. Erstaunt muss der Drehstoßtechniker immer wieder zur Kenntnis nehmen, dass bei ihm zwischen Trainings- und Wettkampfleistungen  »Welten« liegen. »Das ist eine Sache der Rübe. Eigentlich bin ich ein Wettkampftyp. Da stehe ich voll unter Strom. Doch das Adrenalin wirkt sich  wohl im Kopf kontraproduktiv aus«, sucht Northoff nach einer nachvollziehbaren Erklärung, warum er im Training die Kraft aus der Rotation heraus  explosiv hinter die Kugel bringen kann und seine Stöße ganz locker auch jenseits   der  17-Meter-Marke einschlagen. Warum die Kugel da fliegt, und warum sich die Abläufe  oft nicht richtig rund anfühlen, wenn es um etwas geht.  »Ich will dann unbedingt«, glaubt er an eine Blockade.

Die biologische Uhr tickt; auch bei dem 46-jährigen Modellathleten.  Doch das Kraftpaket macht in seiner Konditionierung noch genügend Qualität aus.   »Ich trainiere aus Spaß und Freude.  Und wenn ich gesund bleibe, sind 19-Meter-Stöße immer noch drin«, beteuert Tilman Northoff. Und ist in diesem Zusammenhang durchaus überrascht, dass die WM für ihn angesichts von Zipperlein in den Knien oder im Rücken so reibungslos  lief.

Insofern konnte er sich nach einigem Brummen auch mit seiner Goldweite von 16,41 Metern (im vierten Versuch) anfreunden. »Ja, ich bin zufrieden«, lächelt der selbstkritische Mann, der in seiner Sehnsucht nach dem perfekten Bewegungsablauf eigentlich nie zufrieden scheint mit seiner komplexen Kunst. Silber ging an Mark Wiseman (GB/14,09 m), Bronze an den Franzosen Gerald Scandella (13,63 m).  Northoffs 16,41 Meter   reihen sich stimmig  ein in sein internationales Titel-Intermezzo aus vergangenen Tagen. Bei der Europameisterschaft 2008 in Ljubljana war er mit 16,73 Metern »Vize« der Altersklasse M 35 geworden. Bei  der EM 2012 in Zittau, inzwischen M 40, hatte er  mit 16,56 Metern den Titel erkämpft.

Am 6. September werden im Lüdenscheider Nattenbergstadion die Offenen Westfälischen Seniorenmeisterschaften ausgetragen. Tilman Northoff wollte dort  ursprünglich im Kugelstoßen und Diskuswurf antreten. »Die beiden Wettkämpfe liegen sieben Stunden auseinander. Total dämlich«, überlegt er, ob er überhaupt antritt. Auf jeden Fall sollen ein paar Sportfeste in der Region noch weltmeisterlichen Glanz verliehen bekommen.

Die nächste Generation ist bereit. Der Name  Northoff wird die Kugelstoß-Szene noch lange bereichern. Dafür wird Filius Timo schon sorgen. Der Teenager stößt die 5-kg-Kugel in seiner Altersklasse schon 17,20 Meter weit und ist damit in der Deutschen Bestenliste schon eine ganz große Nummer.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.