Frauenfußball im Altkreis: Tanja Beckmann und Matthias Nowak erinnern sich an den Start beim BV Werther
Der Stratege gibt auch Fläschchen

Werther (WB). Gleich beim ersten Treffen herrschte großer Andrang: „Zu unserer Info-Versammlung im Café-Restaurant Obermann waren gleich mehr als 20 Mädels da“, erinnert sich Matthias Nowak. Die Lust auf Vereinssport war also groß bei Werthers fußballbegeisterten Frauen. „Einigen wurde aber doch etwas mulmig, als Heinz Krüger gleich hoch gesteckte Ziele formuliert hat“, sagt Tanja Beckmann schmunzelnd. Der bunt zusammengewürfelte Haufen aus Anfängerinnen, Wiedereinsteigerinnen und Spielerinnen anderer Vereine fand den richtigen Einstieg: Heute stellt der BV Werther die erfolgreichste Frauen- und Mädchenfußballabteilung im Altkreis.

Montag, 09.11.2020, 23:06 Uhr aktualisiert: 09.11.2020, 23:10 Uhr
Beinahe weltmeisterlich: Mit originellem WM-Outfit passend zum Sommermärchen 2006 freuen sich BV Werthers Fußball-Frauen nach dem Verbandsliga-Aufstieg über ihren größten Triumph - hintere Reihe von links: Betreuer Burkhard Maistrak, Sportlicher Leiter Matthias Nowak, Claudia Lorig, Heike Luhmeyer, Hanna Riedinger, Sarah Gerber, Melanie Johst, Leonie Kroll, Tanja Beckmann, Trainer Ralph Struck; vordere Reihe: Stephanie Luhmeyer, Stephanie Weinand, Marika Böker, Katharina Johst, Svenja Steinert, Katrin Danke, Ricarda Nolting, Margarete Austmann, Trainerin Larissa Struck; liegend: Sabina Schlüter. Foto: Thomas Kiso

Beckmann und Nowak waren 1998 maßgeblich am erfolgreichen Start ins Abenteuer beteiligt: Die heute 44-Jährige stammt aus einer Wertheraner Fußballfamilie, ihr Vater Horst engagierte sich in der Jugendabteilung, organisierte maßgeblich die alljährlichen Reisen zum weltweit renommierten Gothia-Cup-Turnier in Göteborg mit. „Ich habe schon als Dreijährige mit den Jungs gekickt“, erinnert sich Tanja Beckmann. TSV Amshausen war für sie zunächst die erste Vereinsadresse mit einer Mädchenmannschaft. Auch im Damenteam fasste sie dort schnell Fuß, stieg in ihrer letzten TSV-Saison in die Bezirksliga auf. Aber gemeinsam mit den Teamkolleginnen Daniela Köhler und Agnes Nadachewicz stand ihr der Sinn nach Veränderung.

Werbezettel helfen

In Beckmanns Heimatstadt erwies sich der BV Werther als die richtige Adresse: „Ich kannte Matthias Nowak schon sehr lange. Der gute Kontakt zu Heinz Krüger, dessen Tochter Christina ja auf dem Weg zur Junioren-Nationalspielerin war, hat sich ebenfalls ausgezahlt. Da war schnell klar, dass sich beim BV etwas aufbauen lässt“, sagt Tanja Beckmann.

Akquiriert über Mund-zu-Mund-Propaganda und Werbezettel-Aktionen, wuchs aus den Teilnehmerinnen der Gründungsversammlung schnell ein schlagkräftiger Kader. Der vakante Trainerposten war mit sanfter Überredungskunst bald besetzt: „Ich wollte eigentlich nur organisatorisch tätig sein, doch dann habe ich es für drei Jahre gemacht. Das war manchmal abenteuerlich, aber eine tolle Zeit“, sagt Matthias Nowak, der beim Start von Heinz Krüger und Betreuer Frank Tilker unterstützt wurde.

Von den Männern am Rand waren nicht nur Motivationskunst und Strategiegespür verlangt, sondern auch alltagspraktische Fähigkeiten. Tanja Beckmann: „Wenn die jungen Mamas ihren Nachwuchs zum Spiel mitgebracht hatten, musste Matze auch schon mal das Fläschchen geben oder die Kleinen am Spielfeldrand füttern.“ Gerade diese Anekdoten machen die Pionierzeit unvergesslich: „Wir hatten absolute Anfängerinnen, die man während des Spiels manchmal noch etwas steuern musste, und erfahrene Fußballerinnen in einer Mannschaft. Daraus ergaben sich witzige Situationen, dadurch hat sich aber auch ein toller Teamgeist entwickelt“, sagt Tanja Beckmann. In die Fußballfamilie des BV fühlte sich die Elf schnell integriert, auch wenn die sportliche Wertschätzung unterschiedlich war: „Es gab viele, die es super fanden, und wir hatten eine ganz gute Zuschauerresonanz. Aber auch die andere Fraktion hat sich zu Wort gemeldet. Mir war das immer egal, denn Fußball muss in erster Linie Spaß machen und den hatten wir.“

Witzige Anekdoten

Kein Wunder, dass aus dieser Zeit noch immer Kontakt zu Mitstreiterinnen wie Nadine und Simona Solfrian, Sarah Johanning, Melanie und Katharina Johst, Hanna Riedinger oder Nina Schalles besteht. Zumal auch die Leistungen immer besser wurden. Die BVW-Frauen kletterten in die Bezirks- und die Landesliga. 2006 gelang im Entscheidungsspiel gegen FC Finnentrop mit dem 3:2 durch ein Elfmetertor in der Nachspielzeit sogar der Aufstieg in die Verbandsliga. Mit einem Kader, in dem Heike und Stephanie Luhmeyer sogar ein Mutter/Tochter-Gespann bildeten. Dass die Mannschaft nach Meinungsverschiedenheiten dann noch während der folgenden Saison auseinanderbrach, zählt zu den wenigen Rückschlägen. „Das war schon ein Stich ins BVW-Herz“, bekennt Matthias Nowak.

Eine feste Größe im Club

Auf der Basis einer starken zweiten Mannschaft und der guten Nachwuchsarbeit stieg die „Erste“ 2011 mit dem Trainer-Trio Tobias Solfrian, Henning Niebuhr und Robin Kiel wieder in die Landesliga auf, wo sie mit Fachfrau Jennifer Damkröger am Regiepult bis heute guten Sport bietet. Tanja Beckmann freut sich, dass gut 20 Jahre nach ihrem „Anstoß“ von damals im BVW der Frauenfußball eine feste Größe ist. Filius Joshua kickt jetzt ebenfalls schon im Verein, nur sein Papa hat mit Fußball nichts am Hut: „Da haben wir irgendwie die Rollen getauscht: Während ich Samstag, 18 Uhr vor der Sportschau sitze, versteht mein Mann wirklich null komma nix vom Fußball“, lacht Tanja Beckmann.

Pioniere Matthias Nowak und Heinz Krüger – der Beginn der Erfolgsstory

Stop – an alle fußballbegeisterten Mädels von 12 bis 16 Jahren!!!!“ Mit diesem Aushang warb der BV Werther Anfang der 2000er-Jahre für die Gründung seiner ersten Mädchen-Fußballmannschaft. Damit der Frauenfußball eben nicht nur ein Intermezzo bleiben sollte wie nach der Gründung der ersten Damenmannschaft im Verein, die nur von 1977 bis 1980 durchhielt.

Was Matthias Nowak und Heinz Krüger damals in die Hand nahmen, hat sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Und gipfelte im Frühjahr 2019 im Aufstieg der B-Juniorinnen in die Westfalenliga. Das ist Westfalens höchste Spielklasse.

„Durch die kontinuierliche Nachwuchsarbeit und qualifizierte Trainerinnen und Trainer wie Anne Horstmann und Isabel Bormann sichern wir das Niveau der Damenmannschaften, wo ja auch die Zweite in der Bezirksliga eine gute Rolle spielt“, sagt Matthias Nowak. Mit Blick auf die vielen Altkreispokalsiege und Kreispokal-Endspielteilnahmen ist Nowak stolz auf die Bilanz der vergangenen Jahre.

 

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