Handball: Carsten Gahlmann, Trainer der HSG Werther/Borgholzhausen, sieht realistische Chancen, das Saisonziel zu erreichen
Draußen schwitzen für den Klassenerhalt

Werther (WB). Das gibt es nur in Corona-Zeiten. Sportlich hat TV Werther vom Saisonabbruch profitiert und ist per Wild Card durch die Hintertür in die Handball-Verbandsliga aufgestiegen. Einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte hat das Team in einer Video-Konferenz beschließen „dürfen“. Und das Virus hält die Sportler auch weiterhin ganz schön auf Trab: „Ich stelle gerade zum dritten Mal einen neuen Vorbereitungsplan auf“, eröffnet Trainer Carsten Gahlmann das Gespräch über Rück- und Ausblick.

Freitag, 03.07.2020, 23:15 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 23:20 Uhr
Nach dem Verbandsliga-Aufstieg wollen die Handballer der künftigen HSG Werther/Borgholzhausen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt bejubeln. Foto: Gunnar Feicht

Die aktuelle Situation: „Wir sind noch gar nicht in der Halle gewesen. Bei einer Abstandsregel ‚ein Mann auf zehn Quadratmetern‘ hätte das handballerisch gar nichts gebracht.“ Carsten Gahlmann setzt in der ersten Vorbereitungsphase auf Kondition und Athletik, lässt die künftige HSG Werther/Borgholzhausen deshalb vorerst draußen schwitzen und registriert bisher ein „sehr gutes Feedback“: „Die Jungs haben verinnerlicht, dass sie für die höhere Spielklasse mehr tun müssen, sind top motiviert und haben deshalb auch für sich viel gearbeitet.“

Gahlmann hofft, dass der einzige externe Neuzugang Kilian Nagel (A-Jugend Lenzinghausen/Spenge - er war umgeknickt) bald wieder topfit ist. Zwei-Meter-Mann Levin Kaps gehört künftig fest zum Kader, aus dem bisherigen Kreisliga-Aufgebot des TuS Borgholzhausen machen Matthias Welpinghus und Jonas Winski die Vorbereitung mit. Eine enge Verzahnung mit der „Zweiten“ um Coach Christian Bunkenburg ist – auch im Trainingsbetrieb – geplant.

Die abgebrochene Saison: Mit 28:10 Punkten und Platz zwei bis zum vorzeitigen Ende war der Vorjahresaufsteiger die positive Überraschung der Liga. Mit der eindrucksvollen Steigerung gegenüber 21:31 Zählern im ersten Landesliga-Jahr verdiente sich der TVW als inoffizieller Vizemeister den Aufstieg per Wild Card. Schon vor dem Spitzenspiel gegen Liga-Souverän TV Verl hatte Carsten Gahlmann die junge Truppe gelobt: „Wir haben viele spielintelligente Jungs im Kader, die in der Lage sind, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Weil der Kern seit Jahren eingespielt ist und in der Jugend auf hohem Niveau gefordert wurde, waren die auffallend vielen Siege in Partien, die Spitz auf Knopf standen, letztlich gar nicht so unerwartet. Und sie fanden ihre Krönung im 23:21-Triumph nach dramatischer Schlussphase gegen Spitzenreiter Verl.

Weitere Erfolgskomponenten: die Fleißarbeit in der offensiven, aggressiven Deckung (nur 446 Gegentore in 19 Spielen) und die präzise taktische Vorbereitung des Trainers auf den jeweiligen Gegner.

Der Ausblick: Bei der Einteilung der diesmal drei Verbandsliga-Staffeln wird Aufsteiger HSG Werther/Borgholzhausen als einziges „Nordlicht“ im Kreis Gütersloh von den Nachbarklubs Steinhagen und Brockhagen getrennt. Was an der Heimspiel-Kasse sicher ein Nachteil ist, könnte sich sportlich auszahlen. Gegen die Konkurrenz aus den Handballkreisen Minden-Lübbecke und Bielefeld-Herford erscheint der Klassenerhalt bei drei Absteigern unter elf Teams eher in Reichweite als in der Staffel 2 mit Kalibern wie Isselhorst, Brockhagen und Altenbeken-Buke.

Spradow, Hüllhorst und Spenge II balancierten bis Saisonabbruch am Rand des Abgrunds, auch Hahlen hatte einige Probleme. Und die Wildcard-Mitaufsteiger SW Wehe (27:9 Punkte) und Eintracht Oberlübbe (29:9) boten in der Landesliga-Staffel 1 ein ähnliches Niveau wie der TVW. Carsten Gahlmann: „Legt man die letzte Saison zugrunde, ist die Gruppe vermeintlich etwas leichter als die der Verler. Die Chance, es zu schaffen, ist definitiv realistisch. Aber für mich gilt wie im Vorjahr: Bisher kenne ich noch keinen unserer Gegner.“

Steckbrief der Aufsteiger

Hannes Köhne (20/TW): Steigerte sich von Spiel zu Spiel und avancierte zum Derbyhelden. Solch’ eine Entwicklung wäre unserem Modellathleten auch beim Beintraining zu wünschen. Dennoch erstaunlich, mit welcher Wucht er die Bälle beim Kicken gegen die ums Tor liegenden Wände ballert.

Silas Bartling (19/TW)): Keiner geht so schön in den Spagat wie Silas. Mit seinen langen Beinen holt er dann sogar Bälle von der Eckfahne. Länger als er ist meist nur seine Rechnung im Café Europa.

Nick Borgstedt (20/LA): Unser Gegenstoßspezialist. Keiner lässt so gekonnt die einfachen Tore liegen wie Nick. Wirft von Außen nur, wenn er mindestens bis zum Siebenmeter-Strich Platz hat. Hat als Abwehrspezialist nochmal zugelegt und ist mittlerweile so breit wie hoch: 1,25 qcm.

Daniel Dulige (24/LA): Eigentlich Spieler der Zweiten, aber ein wichtiger Bestandteil der ersten Mannschaft. Sei es um Nick zu zeigen, wie man von außen wirft – oder um Trainer und Torwart nach dem Training mit Kippen zu versorgen. Nur zu stoppen von der niedrigen Decke bei Mobilo.

Leon Reiß (21/RL): Gehört mit seinen 21 Jahren schon fast zum Ältestenrat und hat somit das Glück „Team alt“ anzugehören. Wird sich zur neuen Saison wohl den Rat Donald Trumps annehmen und die obligatorische Dose Redbull vor jedem Spiel intravenös zuführen.

Finn Karklis (22/RL): Die Kreativität, die unser Steine­schmeißer oft auf dem Spielfeld vermissen lässt, lebt er dafür auf dem Instagram-Account aus. Würde Finn soviel Energie und Anstrengung auch beim Handball zeigen, wäre der erneute Aufstieg nur Formsache.

Levin Kaps (18/RL): Der mit Abstand beste „Jüngste“ seit Jahren. Vergisst leider noch oft, dass er gefühlt vier Meter groß ist und zum Werfen nicht bis auf sechs Meter ran muss.

Fynn Huxohl (20/RM): ADHS hoch 10. Würde man Fynn medikamentös einstellen, dürften sich sämtliche Ritalinhersteller freudig die Hände reiben. Bringt diese Energie aber auch immer auf den Platz. Mit ihm steht und fällt oft das Spiel.

Maurice Dingwerth (19/RM): Macht mit einem Weg zum Training mehr Kilometer als Finka in der gesamten Vorbereitung. Maurice ist der ruhende Pol in der Mannschaft, dreht dann aber auf dem Feld auf und agiert zwischen Genie und Wahnsinn.

Julian Hoffmann (20/RR): „Ist das hier das WM Finale?“ Der Knockout-König mit dem Stemmwurf macht diesen gerne auch mal gegen Zwei-Meter-Riesen fünf Sekunden vor Spielende zum Siegtor. Lieblingsturnier: der Volksbankcup.

Sven Hendrik „Henne“ Janson (28/RR): Als Kassenwart mit Leib und Seele versteht es keiner so gut wie Henne, alle zu nerven. Weiß teilweise selbst nicht, ob er gerade Trainer oder Spieler ist. Übernimmt gerne in den letzten Minuten Verantwortung, was den Mitspielern schon einige Nerven gekostet hat.

Jakob Schröder (20/RA): Harzfreie Hallen und ein Sieg von Schalke. Mehr braucht es nicht, um Jakob ein schönes Wochenende zu bereiten. Man sagt, Uwe Gensheimer nimmt bei ihm Nachhilfeunterricht im Bereich Trickwürfe und Handgelenkstraining.

Marius Kruse (31/RA): Scherzt oft, seine Grundschüler seien schlauer als die Hälfte der Mannschaft. Problem dabei: Das ist kein Scherz.

Colin Hoffmann (20/KL): Erfreut mit seinem Auge und seinen Pässen im Tempospiel jeden Gegner. Größtes Opfer des Saisonabbruchs: Er stand kurz vor seinem ersten Saisontor beim Kicken. Pumpt seine Arme täglich mit Shisharauch auf.

Moritz Topp (20/KL): Übersteiger, Okocha, Slamdunk, Fadeaway! Moritz feilt bei jeder Einheit fleißig an seinen Techniken. Wenn nebenbei noch Zeit ist, macht er sogar beim Handballtraining mit. Sowohl im Angriff als auch in der Abwehr zuverlässig.

Eric Sommer (20/KL): Verpasst mit seinen harten Würfen den Torhütern gerne eine Gehirnerschütterung. Leider nur den eigenen. Gefürchtet sind seine Schleuderbälle beim Siebenmeter.

Carsten Gahlmann (Trainer/110kg): Könnte einen Reiseführer über die Sporthallen OWL‘s schreiben. Akribisch in der Vorbereitung auf den nächsten Gegner opfert Carsten oft sein ganzes Wochenende. Kann in der Vorbesprechung die Schuhgröße der Gegenspieler nennen, wenn diese denn dann auch mitspielen. Man munkelt, er legt die grüne Karte nur, wenn er eine Zigarillopause braucht.

Christian Bunkenburg (Co-Trainer): Eines der sieben Weltwunder. Denn er hat es echt geschafft, unsere Torhüter von Außen etwas besser zu machen.

Silke Hoffmann (Betreuerin): Als Carstens ostdeutsche Hand behält Silke oft als Einzige den Überblick. Auf Sohnemann Julian wird dabei ein Extraauge geworfen.

 

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