Handball: Der Versmolder Julian Possehl will mit Bundesligist HSG Nordhorn-Lingen diesmal alles besser machen
Im zweiten Anlauf erstklassig auftrumpfen

Versmold-Loxten (WB). „Genehmigte Zuschauerzahl erhöht sich auf 952“, verkündet die HSG Nordhorn-Lingen erleichtert auf ihrer Homepage: Nachdem zum Bundesliga-Auftakt gegen die Füchse Berlin zunächst nur 500 Fans zugelassen sein sollten, raubt Corona dem Handball-Profiklub nun doch nicht ganz so viele der wichtigen Heimspiel-Einnahmen wie zunächst befürchtet.

Samstag, 03.10.2020, 03:30 Uhr
Julian Possehl und HSG Nordhorn-Lingen wollen es im zweiten Erstliga-Jahr besser machen. Vergangene Saison verhindert nach 4:50 Punkten allein der Abbruch wegen Corona den Abstieg. Foto: Nico Seifert

 Auch Julian Possehl freut sich über kleine Erfolgsmeldungen dieser Art. Gerade weil die erste Bundesliga-Saison für die HSG sportlich so ernüchternd verlief und die Pandemie zusätzliche Hürden auftürmt, geht der Versmolder in Nordhorner Diensten hoch motiviert in sein zweites komplettes Erstliga-Jahr.

Vor gut einem Jahr sind Sie voller Vorfreude in die Eliteklasse gestartet. Mit nur zwei Siegen aus 27 Spielen wurde die HSG dann unsanft ausgebremst, Corona sorgt für zusätzliche Verunsicherung. Mit welchen Empfindungen gehen Sie in die neue Saison?

Julian Possehl: Trotz der schwierigen Umstände freue ich mich vor allem sehr, dass wir endlich wieder Spiele im Wettkampfmodus bestreiten. Das haben wir in den vielen Monaten ohne Handball am meisten vermisst. In der Mannschaft haben alle richtig Bock auf die neue Saison und wollen es deutlich besser machen. In der Spielzeit nach dem Aufstieg ist unheimlich viel gegen uns gelaufen, angefangen vom krankheitsbedingten Ausfall unseres Trainers Heiner Bültmann, sodass wir nicht unsere gewohnte Leistung gebracht haben. Er ist inzwischen genesen, jetzt in anderer Funktion nah bei der Mannschaft und wieder ein wichtiger Faktor. Außerdem wurde an einigen Stellschrauben gedreht.

 

Die HSG ist nach 4:50 Punkten nur wegen des Saisonabbruchs ohne Absteiger erstklassig geblieben. Im zweiten Anlauf wird die Mannschaft beweisen wollen, dass sie sportlich doch auf dieses Niveau gehört. Was stimmt Sie außerdem zuversichtlich?

Possehl: Unser neuer Cheftrainer Daniel Kubes macht einen extrem starken Eindruck und reißt die gesamte Mannschaft mit. Er war selbst ein Topspieler, unter anderem beim THW Kiel, arbeitet parallel als tschechischer Nationaltrainer und bringt sein großes taktisches Fachwissen gut rüber. Außerdem haben wir uns mit dem schwedischen Neuzugang Markus Stegefelt im linken Rückraum verstärkt, sind durch ihn flexibler und bekommen einen weiteren wurfgewaltigen Spieler dazu.

 

Sie selbst hatten Pech und konnten die letzten Vorbereitungsspiele nicht mitmachen. Wie sind die Aussichten für einen Einsatz am 3. Oktober gegen Berlin?

Possehl: Ich bin in einer unglücklichen Situation im Training auf dem Rücken gelandet und habe mir das Kreuzbein angebrochen. Deshalb musste ich bis zum vergangenen Wochenende vier Wochen aussetzen, konnte in dieser Zeit nur den Oberkörper trainieren. Jetzt hoffe ich aber, dass es bis Samstag reicht, weil ich erfahrungsgemäß nicht lange brauche, um den Anschluss herzustellen.

 

Die Handball-Bundesligisten sind stark von Zuschauereinnahmen abhängig. Jetzt muss – mit hohem zusätzlichen Aufwand für den Corona-Schutz – eine Saison mit 20 Teams durchgepeitscht werden. Wie erleben Sie den zusätzlichen Stress rund um ihren sportlichen Beruf?

Possehl: Man versucht sich auf die sportlichen Aufgaben zu konzentrieren, deshalb kenne ich nicht alle Details. Aber es gibt ein dickes Handbuch von der Handball-Bundesliga, das den Vereinen einen riesigen Organisationsaufwand abverlangt. Problematisch sind natürlich auch die unterschiedlichen Regelungen für Zuschauer an den einzelnen Standorten, weil es je nach Region ja auch unterschiedliche Fallzahlen gibt. Wir Spieler werden häufig getestet: mindestens einmal pro Woche, manchmal zweimal und künftig auch immer spätestens 48 Stunden vor den Spielen.

 

Ihr Klub muss in einer ländlichen Region auf eine Vielzahl eher kleinerer Sponsoren setzen. Wie meistert die HSG die Corona-Krise wirtschaftlich, was tragen die Spieler dazu bei?

Possehl: Für Geschäftsführung und Management ist die Situation seit Monaten extrem anstrengend. Gerade jetzt ist es wichtig, engen Kontakt zu den Sponsoren zu halten. Da ist der Zusammenhalt zum Glück aber enorm. Auch wir leisten unseren Beitrag und nehmen Einschränkungen in Kauf, weil wir weiterhin in Nordhorn und Lingen Profi-Handball spielen wollen.

 

Sie haben im Winter Ihren Vertrag bis 2022 verlängert, erwarten mit Ihrer Frau Anfang des Jahres Nachwuchs und fühlen sich in Nordhorn wohl. Parallel sind Sie inzwischen an der FH Osnabrück als Student für BWL und Management eingeschrieben. Ist ein zweites Standbein gerade in der jetzigen Situation wichtig?

Possehl: Mit 27 möchte ich vor allem erst mal noch einige Jahre erfolgreich Leistungshandball spielen. Leider lag das Studium wegen Corona im Frühjahr ziemlich auf Eis, weil da vor Ort wenig angeboten wurde. Jetzt freue ich mich erst mal, dass es sportlich wieder los geht. Und da haben wir gegen Berlin, in Flensburg und dann gegen den Bergischen HC gleich schwere Brocken vor uns.

 

Was erwarten Sie von Ihrem Stammverein SF Loxten in der neuen Oberliga-Saison?

Possehl: Die Mannschaft ist stark genug, wieder vorne anzugreifen, und sollte optimistisch das Ziel angehen, ganz oben mitzumischen. Die Vorrunde in zwei Gruppen ist aber eine neue Situation für die Liga. Wenn die Loxtener Staffel tatsächlich etwas schwächer ist, kann es nur heißen, sich mit Blick auf die spätere Meisterrunde keine Ausrutscher und unnötigen Punktverluste zu leisten.

 

Sie haben auch als Profi weiterhin den Spielbetrieb der Amateure im Blick: Was wünschen sie den Vereinen an der Basis für diese schwierige Saison?

Possehl: Dass die Vereine trotz der vielen zusätzlichen Anforderungen organisatorisch stabil bleiben und weiterhin den Nachwuchs begeistern können. Das zeichnet ja gerade die vielen gut geführten Vereine im Altkreis aus. Auch im Sinne der vielen Ehrenamtlichen hoffe ich, dass die WM und Olympia 2021 stattfinden können. Denn gute Leistungen der Nationalmannschaft sind für den Stellenwert des Handballs bei Kindern und Jugendlichen unheimlich wichtig.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7614233?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F4029443%2F
Hakenkreuz-Christbaumkugel in Chat-Gruppe der Polizei
Im Dritten Reich gab es Christbaumkugeln mit Hakenkreuz. Dieses Bild entstand in einer Ausstellung über historischen Weihnachtsschmuck. Das Gesetz erlaubt das Zeigen eines solchen Fotos in Berichten über zeitgeschichtliche Vorgänge. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker