Handball-Oberliga: SF Loxtens Trainer Dirk Schmidtmeier zieht im Interview kritisch Bilanz
„Eine richtig große Erfahrung“

Versmold-Loxten (WB). Mit dem Abbruch der Handball-Saison endet auch die Amtszeit von Trainer Dirk Schmidtmeier bei SF Loxten. Im Interview spricht „Schmidti“ über seine persönlichen Highlights und seine neue Perspektive beim Blick auf den Trainerjob.

Freitag, 01.05.2020, 07:00 Uhr

Seitdem er denken kann, steht Dirk Schmidtmeier (47) auf dem Handballfeld. Bis zum Alter von 36 Jahren führte er als Mittelmann in der zweiten Bundesliga Regie bei der Ahlener SG. Als Trainer stieg „Schmidti“ in Versmold ein, absolvierte den B-Lizenz-Lehrgang, coachte eine Saison die Oberliga-A-Jugend in Ahlen und zwei Jahre SF Loxten. Er verabschiedet sich mit der Vizemeisterschaft und wechselt zum Oberliga-Meister ASV Hamm II.

Wie erleben Sie die Corona-Pause?

Dirk Schmidtmeier: Die ganze Freizeit kenne ich nicht, ich mache viel am Haus oder im Garten. Dass man sich mal keine oder nur wenige Gedanken um Handball machen muss, ist ungewöhnlich.

 

Im Vergleich zu Ihren anderen Stationen: Was war die größte Umstellung in Loxten?

Schmidtmeier: Ich musste mich daran gewöhnen, dass Spielzüge oder Auftakthandlungen schnell verstanden wurden und man dafür nicht zwei, drei Wochen braucht. In Loxten und Versmold war es sehr familiär. Leute von außen hatten es trotzdem leicht, in die eingeschworenen Truppen reinzukommen. Die Arena ist sehr gut besucht. Das Publikum ist aber, so habe ich es empfunden, schwer zu begeistern. Es sucht sich Kleinigkeiten, auch wenn man gut in der Tabelle steht. Entweder war der Gegner schwach oder bei engen Spielen waren wir schwach. Ich habe selten etwas Positives gehört. Aber das ist nicht schlimm. Mit Kritik muss man auch umgehen.

 

Was bleibt hängen?

Schmidtmeier: Ich habe hier eine sehr schöne Zeit gehabt, mit den Spielern, Physio und Betreuern. Es hat sehr viel Spaß gemacht und war eine richtig große Erfahrung.

 

Was haben Sie gelernt?

Schmidtmeier: Dass ich früher die Trainer einfach belächelt habe. Wenn man selbst spielt, hat man eine andere Sicht. Ein Physio, ein Sportlicher Leiter und andere Ansprechpartner kümmern sich um alles. Als Trainer bist du an allem Schuld und kannst dich weniger austauschen. Wir haben einfach keinen, was ich in Loxten extrem erfahren musste. Man muss sehr viel mit sich ausmachen, was eine große Herausforderung ist, die ich mit René (Mittelberg, Co.-Trainer; Anm. d. Redaktion) gut gemeistert habe.

 

Heißt das, dass Sie sich mehr Unterstützung vom Sportlichen Leiter Thomas Lay gewünscht hätten?

Schmidtmeier: Ja.

 

An welche Highlights erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Schmidtmeier: In Spielen gegen Harsewinkel haben mich die Jungs immer begeistert. Da musste ich nicht viel machen. Die Hallen waren ausverkauft, man hätte sie zwei- oder dreimal füllen können. Es war als Trainer toll, das mitzuerleben.

 

Mit Platz vier und zwei haben Sie in beiden Jahren Vereinsrekorde aufgestellt...

Schmidtmeier: Es waren sportlich zwei super Jahre. Ich klopfe mir zwar nicht sehr oft auf die Schulter, ich bin auch bestimmt nicht der beste Trainer – aber es muss doch Hand und Fuß gehabt haben. Ich habe es so hinbekommen, dass die Jungs Spaß am Sport hatten und dass sie es auf der Platte gezeigt haben – egal was und wie wir trainiert haben. Nachdem wir im ersten Jahr viele Neuzugängen und einen großen Kader hatten, haben wir es im zweiten Jahr nach Philipp Har­nackes Verletzung mit engem Personal gut hinbekommen.

 

Trotzdem hat Ihnen Andy Evers als Vereinsvorsitzender schon im Oktober mitgeteilt, dass der Vertrag nicht verlängert wird...

Schmidtmeier: Es war eine faire Sache. Den Zeitpunkt fand ich nicht so toll. Dass die Saison noch so gut wird, hätte ich nicht gedacht. Da haben sich die Jungs und das Trainerteam gut zusammengerissen.

 

Haben Sie daran gedacht, vorzeitig aufzuhören?

Schmidtmeier: Warum sollte ich aufhören? Die Mannschaft kann nichts dafür und ich habe einen Vertrag bis zum 30.6. zu erfüllen. Dann muss man nicht beleidigt sein.

 

Der feststehende Abgang schien Sie und die Mannschaft enger den je zusammengeschweißt zu haben...

Schmidtmeier: Das kann gut möglich sein. Man ist als Trainer immer eine Respektsperson. Ich habe nicht alles mitgemacht an Feierlichkeiten oder Veranstaltungen, habe mich in Gesprächen zurückgehalten, wenn es ins Private ging. Als der Abschied Fakt war, habe ich mich mehr geöffnet, war lockerer. Vielleicht haben sie gemerkt, mit Dirk kann man ordentlich sprechen, der beißt uns nicht. Dass wir näher zusammengerückt sind, lag aber auch am Erfolg. Mit dem läuft immer alles einfacher.

 

Rein hypothetisch: Welchen Spieler würden Sie nach Hamm mitnehmen?

Schmidtmeier: Ich könnte mehrere mitnehmen, aber der Weg ist zu weit (lacht).

 

Gibt es in der neuen Saison ein Aufeinandertreffen?

Schmidtmeier: Ich frage mich, weshalb man die dritte Liga mit zusätzlichen Mannschaften aus der Oberliga künstlich aufblähen sollte. Aber für Loxten würde ich mich natürlich freuen, die Liga mit Spielen gegen Spenge oder Lemgo wäre auch sehr interessant …

 

…aber auch eine gewaltige Umstellung...

Schmidtmeier: Ich habe der Loxtener Mannschaft am Freitag beim Videochat gesagt: Ihr habt zuletzt gut gespielt, aber kennt das Verlieren gar nicht mehr. Wir hatten schon Kniest, als wir im Pokal gegen Langenfeld rausgeflogen sind. Ich will nicht wissen, wie es wird, wenn ihr mal richtig einen bekommt. Das kann auch mehrfach passieren. Gerade weil der Loxtener Kader knapp gebaut ist.

 

Wie sieht denn der Kader im Hamm aus?

Schmidtmeier: Das ist auch schwer. Mehrere Leistungsträger sind nicht mehr dabei. Wir müssen noch ein, zwei Spieler besorgen, um eine ordentliche Saison hinzulegen. Wobei wir ja noch gar nicht wissen, wann es wieder losgeht.

 

Sie haben also noch Zeit, um am Kader zu basteln.

Schmidtmeier: Ich gehe davon aus, dass noch einige Mannschaften zurückziehen. Die meisten Verträge werden in den Vereinen neu geschrieben, weil sie es nicht mehr bezahlen können.

SF Loxten auf Platz sechs der Warteliste

Der Deutsche Handballbund hat festgelegt, dass die vier 3. Ligen in der neuen Saison mit der Maximalstärke von 72 Teams starten. Gleichzeitig veröffentlicht wurden Kriterien für die Rangfolge der Nachrücker aus den Oberligen, die sich Hoffnungen auf freie Plätze machen. Grundlage ist der Abstand des erzielten Quotienten (Punkte durch absolvierte Spiele mal 100) zum Aufsteiger in der betreffenden Klasse. Drittplatzierte werden mit eingeordnet. SF Loxten landet nach dieser Rechnung mit 6,7 Punkten auf Rang sechs, die in der Oberliga Westfalen drittplatzierte TSG AH Bielefeld ist mit 12,2 Zählern Siebter. Beide westfälischen Vertreter werden vom Verband gemeldet. Offen ist, wie viele Teams nachrücken. Definitiv frei ist ein Platz, weitere könnten folgen (ungeklärte Lizenzfrage Krefeld, Insolvenz Leichlingen). Drittliga-Kandidaten müssen bis zum 15. Mai melden und können noch folgenlos bis 31. Mai zurückziehen. Die Tabelle der möglichen Nachrücker: 1. Delitzsch (Mitteldeutschland/0) und Cloppenburg (Nordsee/0), 3. Bayreuth (Bayern/2,9), 4. Usedom (Ostsee/3,2), 5. Neuhausen (Baden-W./4,3), 6. Loxten (Westfalen/6,7), 7. Altenhagen-H. (Westfalen/12,2).

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