Handball-Oberliga: SF Loxten verliert Topspiel in Hamm nach kurzer Schwächephase 28:29 Kleine Fehler – große Wirkung

Versmold-Loxten (WB). Das Gipfeltreffen in der Handball-Oberliga erinnert an einen Schwergewichtskampf, in dem sich beide Boxer bis zum Schlussgong belauern, aber niemand zu Boden geht und schließlich die Kampfrichter nach Punkten über Sieg und Niederlage entscheiden. ASV Hamm II hat die besseren Wirkungstreffer gelandet und schlägt SF Loxten 29:28 (13:13).

Von Sören Voss
Durchgetankt: Max Schäper trifft beim 28:29 gegen ASV Hamm - im Spitzenspiel müssen sich die Frösche jedes Tor hart erarbeiten.
Durchgetankt: Max Schäper trifft beim 28:29 gegen ASV Hamm - im Spitzenspiel müssen sich die Frösche jedes Tor hart erarbeiten. Foto: Sören Voss

Alle Hammer Spieler sammeln sich nach dem Sieg zum Mannschaftsfoto und jubeln in die Kameras der Fotografen. Sie wissen, dass dieser Abend vor 638 Zuschauern ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Meisterschaft gewesen sein kann. Akustisch aber haben die 250 Gästefans die Halle am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium übernommen und feiern ihr Team mit „Lox-ten“-Rufen. Zu Recht, wie SFL-Trainer Dirk Schmidtmeier findet: „Jeder hat richtig reingekeult und wir haben uns super verkauft. Ein Spiel auf ganz hohem Oberliganiveau. Nuancen haben entschieden.“

Deutlich vorne liegt Loxten in der ersten Halbzeit im Duell der Torhüter. Pascal Welge ragt mit elf parierten Bällen aus einer geschlossen starken Teamleistung heraus, SFL lässt sich vom 0:2-Fehlstart nicht verunsichern und führt nach 20 Minuten 10:8. Der am Ende neunfache Torschütze Simon Schulz brilliert fehlerfrei von der Siebenmetermarke, die Quoten von außen und vom Kreis passen, außerdem überzeugt der früh eingewechselte Max Schäper auf halbrechts in Abwehr und Angriff.

Beim 13:13 zur Pause liegt der größte Unterschied darin, dass sich Loxten seine Tore härter erkämpfen muss, während Hamm dank der starken Individualisten wie Julian Krieg oder David Spiekermann zu einfacheren Treffern kommt. Paradox: Gerade als Krieg in der Startphase der zweiten Hälfte mit blutendem Cut über dem Auge (in Folge eines Zusammenpralls mit Timo Menger) behandelt werden muss, kassiert Loxten die entscheidenden Schläge. Die SFL-Abwehr ist unkonzentriert und hängt wie ein angeschlagener Boxer in den Seilen, Hamm trifft zum 20:16 (42.).

Den taumelnden Gästen droht der Knock-out, aber anstatt zu Boden zu gehen, berappelt sich SFL noch einmal. Beim 20:18 und 25:23 (52.) sind die Frösche zurück in Schlagdistanz, letztendlich gelingt ihnen aber kein Lucky Punch, weil sich viele kleine Fehler summieren. Marlon Meyer beispielsweise, zuletzt gegen Hamm bärenstark, verpasst aus machbarer Distanz das leere Tor (48.), genauso wie Keeper Welge vom eigenen Kreis. Als Hamm auf 28:24 enteilt und ASV-Torwart Wesemann Welges Gegenstoßpass fast auf Höhe der Mittellinie (!) abfängt, ist klar, dass SFL auf den Zetteln der Punktrichter nicht mehr vorbeiziehen kann.

Ebenso klar, und das gehört zu großen Boxkämpfen dazu, ist aber auch, dass der Rückkampf schon terminiert ist und im März in Versmold steigt. Der ehemalige SFL-Obmann Horst Grube ist sich sicher: „Da schlagen wir sie.“

Daten & Fakten

ASV Hamm II: Wesemann, Krömer; Pretzewofsky (4), Krieg (7/3), Sorg (2), Runkel, Krause (1), Gudat, Rubino (3), Kölsch, Zyska (6), Spiekermann (6), Bihler.

SF Loxten: Welge (1.-42., 54.-60.); Possehl (42.-54.); Schulz (9/7), N. Patzelt (4), Harnacke (4), J. Patzelt (3), Schröder (3), Schäper (2), Menger (2), Stockmann (1), Harting, Meyer, Weigel (n.e.), Steinlechner (n.e.).

Stationen: 2:0 (1.), 4:3, 5:5 (11.), 8:6, 8:10 (20.), 10:10, 13:13 (HZ), 18:15 (40.), 20:16 (42.), 20:18, 22:18 (45.), 25:23, 28:24 (55.), 29:28.

Zeitstrafen: 4:3 (Zyska/2, Krieg und Spiekermann auf Hammer Seite, Schäper, N. Patzelt und Stockmann auf Loxtener Seite).

Siebenmeter: Hamm 5/9, Loxten 7:7.

Zuschauer: 638.

Schiedsrichter: Schallenberg/Scholz (Spenge), dazu als Spielaufsicht Andreas Wunder (Dele­gierter des HV Westfalen).

So geht’s weiter: Sa., 7. Dezember, 18 Uhr TuS Ferndorf II (H).

Stimmen zum Spiel

Dirk Schmidtmeier (Trainer SF Loxten): „Hamm ist individuell besser, wir kommen über Kampf und Leidenschaft. Insgesamt hat es aber keine großen Unterschiede gegeben. Wenn wir in der zweiten Halbzeit einmal in Führung gegangen wären, hätte es vielleicht kippen können. Aber Hamm hat gegen jede Abwehr von uns Lösungen gefunden. Dass der technische Delegierte in der Schlussphase eingreifen muss und mir eine Gelbe Karte zeigen lässt, mit dem Hamms Zeitspiel aufgehoben ist, finde ich sehr fragwürdig. Ich soll zu wild gestikuliert haben, aber Emotionen gehören doch dazu.“

Julian Krieg (Rückraumspieler ASV Hamm II): „Ich habe uns heute deutlicher als nur mit einem Tor vorne gesehen. Wenn wir in der ersten Halbzeit weniger verwerfen, liegen wir schon da mit zwei, drei Toren in Führung. Man hat gemerkt, dass beide Mannschaften den Vorteil haben, dass sie eingespielt sind. Aber wir waren in der entscheidenden Phase konstanter. Altenhagen muss aufsteigen, der Rest will. Und wir wollen es natürlich auch. Ich gehe fest davon aus, dass wir den Aufstieg dann auch wahrnehmen.“

Simon Schulz (mit neun Toren Loxtens bester Torschütze): „Das war ein echtes Spitzenspiel. Wir haben gut gespielt, aber haben besonders in der zweiten Halbzeit ein, zwei dämliche falsche Entscheidungen zu viel getroffen und sind zu spät zu einfachen Toren gekommen. Unsere Ausgangsposition ist trotzdem nicht schlecht. Und Hamm muss ja noch zu uns kommen.“

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