Handball-Oberliga: Jan Patzelts sportlicher Leitsatz soll SF Loxten im Gipfeltreffen bei ASV Hamm II zum Erfolg führen »Immer das Maximale rausholen«

Versmold-Loxten (WB). Schon sein Vater Harald, von Handballern nur »Hacky« gerufen, rackerte bei den Sportfreunden Loxten am Kreis. Jan Patzelt selbst rückte bereits als 17-Jähriger in die erste Mannschaft auf, hat in den vergangenen zwölf Jahren den Aufstieg seines Vereins vom Verbandsliga-Abstiegskandidaten zum Oberliga-Spitzenteam mitgeprägt. Vor dem Topspiel am kommenden Samstag bei Tabellenführer ASV Hamm II beleuchtet SF Loxtens Kapitän im Gespräch mit WB-Redakteur Gunnar Feicht die Chancen im Gipfeltreffen und im Aufstiegskampf, aber auch die Perspektiven über die Saison hinaus.

Mit vorbildlicher Einstellung seit zwölf Jahren ein wichtiger Faktor in der ersten Mannschaft: Jan Patzelt hofft, dass SF Loxten auch Samstag in Hamm jubeln kann.
Mit vorbildlicher Einstellung seit zwölf Jahren ein wichtiger Faktor in der ersten Mannschaft: Jan Patzelt hofft, dass SF Loxten auch Samstag in Hamm jubeln kann. Foto: Sören Voss

Trainer Willi Möhle hat Jan Patzelt und Kim Harting 2007 als A-Jugendliche in die erste Mannschaft eingebaut. Mit der Bilanz seitdem können Sie sehr zufrieden sein - richtig?

Jan Patzelt: In den ersten Jahren haben wir noch gegen den Verbandsliga-Abstieg gespielt, aber dann ist es stetig aufwärts gegangen. Und wenn uns 2014 beim Aufstieg in die Oberliga jemand gesagt hätte, dass wir da mal ganz vorne mitspielen, hätten wir das kaum für möglich gehalten. Wir waren damals eine eingeschworene Truppe, fast nur Versmolder. Auch wenn es jetzt professioneller zugeht, ist es ganz gut gelungen, das Familiäre zu bewahren. Auch weil die Neuzugänge aus der näheren Umgebung kommen, weil sie bei uns sportlich weiterkommen wollen und es ihnen etwas bedeutet, wenn über ihre Leistungen in der klassenhöchsten Mannschaft vor Ort berichtet wird.

Mittelfristig strebt der Verein die 3. Liga an. Was würde Ihnen persönlich ein Aufstieg bedeuten?

Patzelt: Ich bin als Loxtener groß geworden, das wäre natürlich eine Krönung. Zwei, drei gute Jahre traue ich mir auf jeden Fall noch zu und das wäre eine neue Herausforderung, die zusätzlich motiviert. Den erhöhten Aufwand – zum Beispiel noch mal vier Punktspiele mehr pro Saison – muss man aber auch erst mal mit Beruf und Familie in Einklang bringen. Sportlich gilt für mich: Man will immer das Maximale rausholen.

Wie groß wäre aus Ihrer Sicht der Sprung für den Verein?

Patzelt: Da darf man sich nichts vormachen: Um in einer Liga, wo vielfach halbprofessionell gearbeitet wird, mitzuhalten, muss man sich strecken. Das hat Harsewinkel eine Stufe tiefer in der vergangenen Saison als Oberliga-Aufsteiger gesehen. Und unsere Zuschauer - ein wichtiger Faktor bei den Heimspielen - müssten sich erst wieder daran gewöhnen, dass man mehr Spiele verliert.

Beide Mannschaften, die im Spitzenspiel aufeinander treffen, haben noch keinen Punkt abgegeben. Was zeichnet Tabellenführer ASV Hamm II aus?

Patzelt: Uns erwartet eine spielerisch starke Mannschaft, die einerseits viele sehr gut ausgebildete Spieler aus dem Jugendleistungszentrum Ahlen aufbietet, aber auch ehemalige Zweitliga-Akteure dabei hat. Zum Beispiel die zwei bärenstarken Linkshänder Lars Gudat und Julian Krieg. Außerdem können sie ohne Qualitätsverlust wechseln und überlaufen die Gegner oft mit ihrem hervorragenden Tempospiel. Diese einfachen Tore dürfen wir ihnen nicht gestatten. Hamm steht sicher zu Recht da oben, aber wir machen uns nicht in die Hose. Wenn zwei Mannschaften mit null Minuspunkten aufeinandertreffen, ist jeder top motiviert, das spürt man schon in der Trainingswoche. Solche Spiele sind es ja, die besonders Bock machen und auf die man sich wochenlang freut.

Sie haben vergangenen Samstag beim Westfalenpokal-Sieg in der Endrunde aus zeitlichen Gründen gefehlt. Was erwarten Sie von den Spielen im bundesweiten Wettbewerb, für die sich die Sportfreunde Loxten ja zum ersten Mal qualifiziert haben?

Patzelt: Natürlich geistert das Ziel »Amateurpokal-Finale in Hamburg« durch den Hinterkopf, weil man das Beispiel Spenge vor Augen hat. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg und man muss auch ganz nüchtern damit rechnen, dass sich die zusätzlichen Spiele vielleicht in der entscheidenden Phase der Meisterschaft negativ auswirken.

Die Sportliche Leitung hat schon Ende Oktober verkündet, dass Dirk Schmidtmeier zum Saisonende als Trainer von Michael Boy abgelöst wird. Wie kommentieren Sie mit etwas Abstand diese Entscheidung?

Patzelt: Der Zeitpunkt vor dem wichtigen Heimspiel gegen Haltern war natürlich nicht so günstig und die Entscheidung hat auch die Mannschaft überrascht. »Schmidti« ist menschlich ein Supertyp und über seine Arbeitsweise hat sich bei mir nie ein Mitspieler beschwert. Deswegen haben wir ihm auch den Rücken gestärkt. Die Sportliche Leitung will den Schritt in Richtung 3. Liga gehen und dieses ab 2020 mit dem neuen Trainer Michael Boy realisieren. Das müssen wir akzeptieren.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsperspektive der Sportfreunde Loxten?

Patzelt: Der Generationswechsel innerhalb der Mannschaft geht in den nächsten Jahren weiter und es wird in Zukunft nicht einfacher, sondern eher schwieriger, aus der Oberliga aufzusteigen. Denn mehrere Drittligisten aus Westfalen sind diese Saison abstiegsbedroht, da droht in der Oberliga noch mehr Konkurrenz. Es wird sicher eine Herkules-Aufgabe, die Mannschaft weiterhin mit leistungsstarken Spielern zu ergänzen, an denen die Zuschauer so nah dran sind wie an der jetzigen Besetzung. Es ist zum Beispiel ein Glücksfall, wenn man einen Spieler wie Marlon Meyer bekommen kann, der in Greffen wohnt und im Jugendleistungszentrum Ahlen gefördert worden ist. Aber es muss weiterhin der Weg sein, Talente aus der Umgebung zu verpflichten, damit die Identifikation mit den Zuschauern nicht verloren geht.

Zunächst gilt die Konzentration dem Spiel in Hamm. Auf welches Ergebnis tippen Sie für kommenden Samstag?

Patzelt: Vergangene Saison haben wir das Heimspiel gegen Hamm mit einem Tor Unterschied gewonnen. Ich hoffe diesmal auswärts auf eine Wiederholung und erwarte wegen der Hammer Spielweise, dass viele Tore fallen. Der Tipp: 33:32 für uns.

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