Von wegen B-Elf: SC Verl setzt trotz Rotation vor 581 Zuschauern seine Serie fort Der Höhenflug geht weiter

Verl (WB). Die Meinung in Fankreisen des SC Verl ist am Samstag vor dem Anpfiff einhellig. »Haeder, Maier, Hecker, Kurzen – alle auf der Bank. Na, dann können wir ja gleich einpacken«, ist zu hören. Am Ende ist Augenreiben angesagt: Trotz umfangreichster Rotation gelingt vor 581 Zuschauern mit dem 2:0 (1:0) über Borussia Mönchengladbachs U23 ein ziemlich beeindruckender zehnter Saisonsieg sowie der Sprung auf Tabellenplatz sieben.

Von Christian Bröder
Cinar Sansar (links) und der SC Verl bleiben in der Sportclub-Arena auch nach der Partie gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag weiter ohne Niederlage. Das 2:0 (1:0) vor 581 Zuschauern ist das elfte Spiel hintereinander ohne Niederlage.
Cinar Sansar (links) und der SC Verl bleiben in der Sportclub-Arena auch nach der Partie gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag weiter ohne Niederlage. Das 2:0 (1:0) vor 581 Zuschauern ist das elfte Spiel hintereinander ohne Niederlage. Foto: Henrik Martinschledde

Damit nicht genug: Die Verler bleiben zudem in ihrer Sportclub-Arena genauso unbesiegt wie seit nunmehr elf Spielen in Folge in der Fußball-Regionalliga West. Starke Serie! »Dass Wiedenbrück dann auch noch in letzter Sekunde das 2:2 in Wuppertal kassiert hat...«, ist für den SCV-Vorsitzenden Raimund Bertels am Samstag das I-Tüpfelchen.

Traum vom DFB-Pokal: SC Verl sitzt Kreisrivalen Wiedenbrück im Nacken

Denn: Im Kampf um den Platz als bester westfälischer Regionalligist, der am 31. Mai gegen den Oberligameister um den Einzug in den DFB-Pokal kämpft, sitzen die Verler (46 Punkte) dem fünftplatzierten Kreisrivalen (49) drei Spieltage vor Saisonende dicht im Nacken. Der 50-Jährige strahlt aber vor allem über die eigene Performance: »Was die Jungs trotz der vielen Wechsel geleistet haben, ist phänomenal.«

Capretti und Nergiz mutig: Fünf Umstellungen in der Startelf

In der Tat! Trainer Guerino Capretti und sein »Co« Maniyel Nergiz verändern gleich auf fünf Positionen ihre Startelf vom vergangenen Mittwoch gegen Wuppertal (1:1). Sie beweisen erneut, dass sie es bestens verstehen, innerhalb des Kaders passend zu lenken und aus seiner Breite alles herauszukitzeln.

Unter anderem spielen Gianluca Marzullo, Benjamin Kolodzig oder Ex-Gladbacher Fabian Großeschallau, die zuletzt oft nur zweite Wahl gewesen sind. Die eingangs erwähnten Leistungsträger werden auch hinsichtlich des schon am Mittwoch (19.30 Uhr) folgenden Spiels bei Borussia Dortmunds U23 geschont, zudem sagt Julian Stöckner mit Leistenzwicken kurzfristig ab.

U19-Akteur Fabian Brosowski vergibt beim Debüt zwei »Hundertprozentige«

Dafür rücken mit Jan Schöppner und Fabian Brosowski zwei U19-Spieler in den Kader, von denen Letzterer bei seinem Debüt zwei »Hundertprozentige« (86./89.) vergibt. »Das hat er vielleicht extra gemacht, sonst wäre es teuer für ihn geworden«, feixt Capretti.

Während der 90 Minuten übersteht seine Elf eine heikle Anfangsphase, ehe mit Zlatko Muhovic der »Man of the match« beim 1:0 (34.) zum richtigen Zeitpunkt Vollstrecker-Qualitäten beweist. Beim 2:0 (53.) von Gianluca Marzullo glänzt der Bosnier dann ebenso wie Patrick Choroba als Vorbereiter. Das Chancenverhältnis von 11:4 spiegelt die zum Ende hin immer stärker werdende Einseitigkeit wider.

Der Verler Höhenflug hält an. Einzige Schönheitsflecken: Julian Schmidt und Bastian Müller sehen die zehnte Gelbe Karte und sind in Dortmund gesperrt, dafür kehren wohl Stöckner und Mikic zurück. Zum Fremdschämen sind außerdem ein paar ältere Herren auf der Westtribüne, die in einer Szene beim Ballbesitz des dunkelhäutigen Mandela Egbo Affenlaute von sich geben. Einfach widerwärtig!

Statistik: SC Verl - Borussia Mönchengladbach U23       2:0 (1:0)

SC Verl: Brüseke - Choroba, Schmidt, Sansar, Kolodzig - Müller (71. Hecker/81. Brosowski), Kurt - Großeschallau (60. Kurzen), Muhovic, Liehr - Marzullo.

Mönchengladbach: Nicolas - Egbo, Lieder, Meyer, Hofmanns (71. Feigenspan) - Makridis, Ferlings (71. Komenda), Mustafic (54. Simakala), Herzog - Pisano, Kraus.

Schiedsrichter: Robin Delfs (26), Oberhausen-Bottrop. Gelbe Karten: Kolodzig (51.), Müller (63./ die zehnte, ein Spiel gesperrt), Schmidt (70. / die zehnte, ein Spiel gesperrt) – Pisano (63.), Ferlings (66.), Makridis (78.). Chancen: 11:4 (3:2). Ecken: 8:5 (3:4). Zuschauer: 581.

Die Tore

• 1:0 Zlatko Muhovic (34.). Acht Meter hinter der Mittellinie auf der linken Angriffseite sieht Benjamin Kolodzig, dass Muhovic im Zentrum in gute Position gelaufen ist. Ein hoher Ball, Gladbachs Hofmanns und Mayer schauen nur zu, wie der Bosnier in einer Bewegung mit der Brust annimmt und mit links an Keeper Nicolas vorbei legt.

• 2:0 Gianluca Marzullo (53.). Der Assist als Augenweide: Patrick Choroba holt sich am eigenen Strafraum den Ball, pflügt im Vollsprint über die rechte Seite und bedient Muhovic mit einem Traumpass in den freien Raum. »Zladdi« blickt hoch, spielt quer und Marzullo legt das Leder vor Borussias Lieder ins linke Eck.

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