Sport und Spaß bestimmen das Leben einer ungewöhnlich fröhlichen Familie Die Zanghis: »Wir sind schrill und laut«

Verl (WB). Meistens nervt es junge Sportler, wenn die Eltern ihnen bei Spielen zugucken, auf der Tribüne jubeln und nach Abpfiff vermeintlich gute Ratschläge geben wollen. Bei den Zanghis ist es jedoch umgekehrt. »Es macht uns stolz, wenn Mama und Papa uns zuschauen. Sie sind unser Rückhalt, wir haben sie nie als peinlich empfunden«, versichern die Zwillinge Chiara und Santino (22), die das Handball-Trikot des TV Verl tragen.

Von Uwe Caspar
Drei Zanghis in ihrem weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer: Papa Salvatore kickte einst für den SC Verl in der damals höchsten Amateurliga, Tochter Chiara und Sohn Santino haben eine andere Sportart gewählt – sie spielen Handball beim TV Verl.
Drei Zanghis in ihrem weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer: Papa Salvatore kickte einst für den SC Verl in der damals höchsten Amateurliga, Tochter Chiara und Sohn Santino haben eine andere Sportart gewählt – sie spielen Handball beim TV Verl. Foto: Uwe Caspar

»Wir analysieren zusammen, mischen uns aber nie ein«, stellt Papa Salvatore klar. Obwohl der heute 58-Jährige einst Fußballer war – er kickte von 1985 bis 1988 mit dem SC Verl in der Oberliga –, sei Handball für ihn der wahre Sport: »Denn hier gibt es keine Weicheier, hier wird noch richtig zur Sache gegangen.« So wie er früher selbst: Der Maschinenbauschlosser wurde als eisenharter Verteidiger gefürchtet. »Stimmt, doch ich habe immer fair gespielt. Die einzige Rote Karte sah ich auf der Bank, weil ich von dort aus gemeckert hatte«, erinnert sich der gebürtige Italiener.

In der fröhlichen Familie Zanghi steht es 3:2 für den Handball, denn auch Mutter Kerstin (53) betrieb diesen Sport und half noch als 50-Jährige im Senner Frauenteam aus. Der zweite Sohn, Massimo (26), trat in Vaters Fußstapfen. Er spielte zuletzt für den SC Wiedenbrück, bevor ein Kreuzbandriss seine Laufbahn früh beendete. Die gleiche Verletzung stoppte auch seinen heute noch drahtigen Daddy, den seine Kinder nur »Salli« nennen. Er wiederum spricht scherzhaft von »meinen Blagen«. Die familiäre Knie-Seuche hat auch Chiara nicht verschont: Sie kuriert derzeit ebenfalls einen Kreuzbandriss aus, während ihr 14 Minuten früher auf die Welt gekommene Bruder wegen einer langwierigen Schulterverletzung noch nicht voll angreifen kann.

Das hausinterne Verletzungspech betrübt keineswegs die Zanghis, die sich fast täglich bei den Eltern treffen – nur Chiara ist noch nicht ausgezogen. »In der Küche steht unser Stammtisch, an dem wir palavern und uns auch gerne foppen. Wir mögen es laut und schrill«, erzählt Santino schmunzelnd. Die RTL-Fernseh-Geissens sind eine »schrecklich glamouröse Familie« und die Zanghis eben eine schrecklich lustige. Ihr schmuckes Heim in Senne steht auch für Vereinskameraden und Freunde offen – rund zehn Partys jährlich werden hier gefeiert. Und alle zwei Jahre machen die Zanghis gemeinsam Urlaub auf Sizilien, stets begleitet von mindestens zehn »Fans«.

Papas größte Fans sind die Zwillinge. Er sei ein Vorbild für sie, sagen sie. Der Senior und seine Frau haben bei der Erziehung ihres Nachwuchses darauf geachtet, ihm die Grundtugenden zu vermitteln. »Werte wie Disziplin, Pünktlichkeit und Fairness sind für uns ganz wichtig – sowohl im Sport als auch im privaten Bereich«, unterstreicht das Familienoberhaupt. Disziplin erwartet Salvatore Zanghi auch bei der Sportabzeichen-Aktion, bei der er als Übungsleiter vorangeht. Klar, die Familie macht mit, wenn unter »unserem Richter Gnadenlos« die Prüfungen abgelegt werden.

Und der drückt nun Chiara die Daumen, dass sie bald wieder auf dem Spielfeld steht. Seine Tochter hat zweifelsohne Talent. Ihr einziger Nachteil: Die Studentin ist nur 1,58 Meter groß. Für die Bundesliga, so wurde mal behauptet, würden ihr 23 Zentimeter fehlen. Ihr Papa findet das nicht gravierend. »Weil sie so klein ist, kann sie ja unter den Armen der Gegnerinnen durchlaufen«, spaßt Salvatore. Da muss auch Chiara lachen. Die Zanghis: Eine ungewöhnlich fröhliche Sportler-Familie.

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