Handball-Verbandsliga: „Heimatloser“ TuS Brockhagen muss den Auftakt verschieben. Spvg. Steinhagen und HSG Werther/Borgholzhausen sind vorsichtig optimistisch.
Trainer Timo Schäfer verlängert bis 2023

Steinhagen/Werther (WB). TuS Brockhagen (Staffel 2) ist zurzeit heimatlos und hat wegen der Sporthallen-Sanierung Riesenprobleme. Dafür setzt der Verein langfristig auf Coach Timo Schäfer, der seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat. Für Spvg. Steinhagen (Staffel 2) und HSG Werther/Borgholzhausen (Staffel 1) geht es vom Anpfiff an um den Klassenerhalt: Nach einer Saisonvorbereitung der besonderen Art schweben vor dem ersten Spieltag der Handball-Verbandsliga nicht nur über den sportlichen Zielen viele Fragezeichen.

Mittwoch, 30.09.2020, 23:01 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 23:30 Uhr
Timo Schäfer möchte mit dem TuS Brockhagen im zweiten Verbandsliga-Jahr einen Schritt nach vorne machen und kann langfristig planen. Der Trainer hat vorzeitig bis 2023 verlängert. Foto: Sören Voss

Werther/Borgholzhausen

Die wichtigste Information zuerst: Nachdem die HSG-Mannschaft samt Trainer von Anfang bis Mitte September in Quarantäne beordert worden war, sind gesundheitlich alle wohlauf. Die Corona-Tests verliefen negativ - auch beim damaligen Testspiel-Gegner TuS Bielefeld-Jöllenbeck II, in dessen Reihen ein Spieler infiziert war. Aber die Zwangspause hat bei der HSG den Feinschliff erheblich gestört. „Uns sind die wichtigen Testspiele gegen Jöllenbeck I und Steinhagen verloren gegangen. Und in den zwei Wochen hätte ich mit der Mannschaft gerne noch einiges individuell und in Kleingruppen gemacht“, sagt Trainer Carsten Gahlmann.

So richtig weiß er nicht, wo seine Mannschaft steht: „Beim 18:24 gegen Jöllenbeck II lief es gar nicht. Aktuell gegen Hörste haben wir auch einen Schritt zurück gemacht – zu lethargisch und irgendwie stockten die Abläufe“, berichtet Gahlmann, nennt aber auch die Pluspunkte: „Dazwischen lagen Spiele gegen Harsewinkel und Melle-Eicken, wo vieles gut geklappt hat. Vor allem, weil sowohl die 3-2-1- als auch die 6-0-Deckung funktioniert haben.“ Die eingespielte Crew ist nahezu vollzählig fit, nur Routinier Marius Kruse (Muskelfaserriss) fehlt noch ein oder zwei Spiele. Der ursprünglich 19 Mann starke Kader wurde auf 16 reduziert: Fynn Schäperkötter (nach Kreuzband-OP wieder eingestiegen) siedelt zum Studium nach Bayreuth über, Torwart Matthias Welpinghus und Rückraumspieler Jonas Winski spielen „Zweite“.

Der erste Gegner: Die HSG hat das Pech, wegen des Spielplans und Problemen bei der Hallenbelegung mit drei Auswärtsspielen in Serie zu starten. Los geht es beim TSV Hahlen, einem etablierten Verbandsligisten. Beim Saisonabbruch nach 18 von 26 Spielen belegte Hahlen mit 17:19 Punkten einen gesicherten Mittelfeldplatz. Für die HSG folgen Auftritte beim starken Mitaufsteiger HB Bad Salzuflen und TuS Spenge II.

WB-Prognose: Nach der Einteilung in drei Staffeln trifft die HSG in ihrer Gruppe auf fünf Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte der vergangenen Saison plus den zweiten Wildcard-Aufsteiger Wehe. Wenn sich die junge, gut eingespielte Mannschaft weiter positiv entwickelt und von Verletzungen verschont bleibt, hat sie eine reelle Chance, drin zu bleiben. Aber es wird ein Kraftakt.

TuS Brockhagen

Das für kommenden Samstag terminierte erste Heimspiel gegen Ahlener SG II muss in den November verlegt werden: „Die eine Hälfte des Spielfelds ist dunkel, seit Montag ist die Halle erst mal für eine Woche gesperrt. Aber wir rechnen damit, dass es noch eine weitere dauern wird.“ Trainer Timo Schäfer ist genervt, weil neben der Dachsanierung nicht wenigstens die Probleme mit der Elektrik in der Brockhagener Spielstätte behoben werden konnten. Schließlich mussten die TuS-Handballer wegen der Sanierungsarbeiten schon in und nach den Ferien wochenlang auf die Halle verzichten. „Wir mussten auf Testspiele am Wochenende setzen und viel draußen machen. Wegen der Corona-Problematik konnten uns verständlicherweise auch befreundete Vereine kaum helfen“, klagt Timo Schäfer. Unter diesen Umständen verbieten sich aus seiner Sicht Zielsetzungen für die erste Saisonhälfte: „Vergangenen Samstag hatten wir endlich mal alle an Bord und haben im letzten Test gegen Oberligist Möllbergen ein 25:25 mit Chancen auf den Sieg erreicht. Da hat man gesehen, was möglich ist. Aber es gab auch einige schlechte Vorstellungen.“

Trainerfrage: Diese hat der TuS frühzeitig und langfristig geklärt. Timo Schäfer soll bis mindestens 2022/23 bleiben. Der Verein will laut Jörg Diestelkamp (Sportlicher Leiter) gerade in schwierigen Corona-Zeiten ein Zeichen setzen und Kontinuität sowie Verlässlichkeit groß schreiben: „Aktuelle Spieler und künftige Neuzugänge wissen, mit wem sie langfristig zusammenarbeiten werden.“ Timo Schäfer, der zuvor unter anderem einige Jahre bei TSG Harsewinkel als Co-Trainer tätig war, hat lange Zeit selbst für Brockhagen gespielt und 2019 bei „seinem“ TuS Aufstiegscoach Lokman Direk abgelöst. In der ersten (wegen Corona vorzeitig abgebrochenen) Verbandsliga-Saison wurde Brockhagen Siebter, deutete nach wackligem Start mit einem 14:2-Lauf sein Potenzial an.

WB-Prognose: Absage der Partie gegen Aufbau-Gegner Ahlener SG II (im März Zwölfter der Staffel 2), am 10. Oktober dann gleich der Derbykracher in Isselhorst: Wegen der vielen Unterbrechungen im Trainingsbetrieb ist das personell stark besetzt TuS-Team die Wundertüte der Liga. Die Mannschaft muss die Herbstferienpause nach dem Duell beim TVI intensiv nutzen, um auf Kurs zu kommen. Dann bleibt das Saisonziel „Platz zwei bis fünf“ realistisch.

Spvg. Steinhagen

Als Schlusslicht der fünfköpfigen Abstiegszone hat Steinhagen (nur 10:26 Punkte aus 18 Spielen) vom Saisonabbruch profitiert. Nach diversen Zitterpartien und personellen Umbrüchen wollen Christian Blankert und sein neuer Co-Trainer Steffen Thiede aus dem diesmal nahezu unveränderten Kader mehr herausholen. Erster Faktor soll dabei eine herausragende Kombination aus Athletik und Fitness sein. „Wir sind erst ab Mitte Juli in die Halle gekommen, haben aber vorher den Sportplatz voll ausgenutzt“, berichtet Thiede. Gemeinsam mit Spvg.-Urgestein Blankert will er mit der Mannschaft alte Steinhagener Tugenden zu neuer Blüte führen. Zum Beispiel mit der Festigung der 3-2-1- und der 4-2-Deckung: „Die erfolgreich zu spielen, heißt eben Zweikämpfe führen und gewinnen. Aber auch die 6-0 hat in der Vorbereitung sehr gut funktioniert“, urteilt Thiede.

Zweiter Schwerpunkt ist eine höhere Angriffseffektivität: „Durch Neuzugang Marc Bode sind wir auf beiden Außenpositionen doppelt stark besetzt. Auch im Rückraum müssen wir uns nicht mehr ‚klein‘ reden“, sagt Thiede: Leonhard Janzen und die Wagner-Brüder haben allesamt Gardemaß. Dieses Trio besser ins Spiel zu bringen, um gegnerische Abwehrreihen weiter herauszulocken und dann die Lücken anzugreifen, gehört ebenfalls zur Strategie. „Trotz der schwierigen Umstände haben sich die Jungs echt voll reingehauen und wir können auf eine gute mannschaftliche Geschlossenheit bauen.“ Deshalb ist Thiede mit Blick auf das Ziel Klassenerhalt zuversichtlich.

Der erste Gegner: Der Gast TV Emsdetten II (vergangene Saison 13:23 Punkte) ist bereits seit Jahren Spvg.-Kontrahent im Abstiegskampf. Dass die Spvg. gegen die Youngster des Zweitligisten traditionell das jeweilige Duell in eigener Halle gewonnen hat, soll sich Sonntag fortsetzen.

WB-Prognose: Dem Trainergespann mit echter Steinhagener Handball-DNA ist es zuzutrauen, aus der jungen Mannschaft mehr herauszukitzeln, als sie in den vergangenen zwei Jahren gezeigt hat. Immerhin ist diesmal kein erneuter Umbruch erforderlich. Doch die Konkurrenz in der Staffel 2 ist stark, deshalb wären höhere Erwartungen als „Klassenerhalt“ vermessen.

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