Fußball: Der Steinhagener Luca Maurer (21) startet als Schiedsrichter durch
Vier Aufstiege in fünf Jahren

Steinhagen. (WB). Vier Aufstiege innerhalb von fünf Jahren. Wovon viele Sportler nur träumen können, das ist Schiedsrichter Luca Maurer gelungen. Der 21-Jährige wird in der kommenden Saison Spiele in der Fußball-Landesliga leiten. So viel Talent ist auch dem DFB nicht verborgen geblieben. Am Freitag wurde der Steinhagener in den Kader der Assistenten für die A- und B-Junioren-Bundesliga berufen. WB-Mitarbeiter Klaus Münstermann hat mit dem Shootingstar unter den Unparteiischen des Kreises Bielefeld gesprochen und ihn gefragt, ob sein Weg sogar bis in den Profifußball führen könnte.

Sonntag, 28.06.2020, 23:58 Uhr aktualisiert: 29.06.2020, 05:03 Uhr
Der Steinhagener Luca Maurer ist nun sogar vom DFB nominiert worden. Sein Vorbild ist Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich.

Herr Maurer, erst der Aufstieg in die Landesliga und nun die Nominierung durch den DFB. Wie haben Sie die vergangenen zehn Tage erlebt?

Luca Maurer: Es war angekündigt, dass der FLVW am 19. Juni um 22 Uhr seine Entscheidungen bekannt geben wird. Ich war den ganzen Tag über sehr nervös und habe es als Erstes durch unseren KSA-Vorsitzenden Philip Dräger per WhatsApp erfahren, dass ich in die Landesliga aufsteige. Weil ich es kaum glauben konnte, habe ich dann den Post auf der Facebook-Seite des Verbandes gesucht und auch noch auf der Homepage nachgesehen. Erst dann habe ich es wirklich realisiert. Mir haben sehr, sehr viele Leute gratuliert. Darunter auch solche, von denen ich schon länger nichts mehr gehört hatte. Das hat mich sehr gefreut. Seitdem ich am Freitag die Mail des DFB erhalten und mehrmals gelesen habe, komme ich aus dem Grinsen kaum noch heraus.

 

Sie sind vom DFB nominiert worden. Was heißt das konkret?

Maurer: Ich bin in eine bundesweite Liste mit 160 Assistenten für die Spiele in der A- und B-Junioren-Bundesliga aufgenommen worden. Als ich vor einigen Jahren bei einem Westfalenpokalspiel zwischen den A-Junioren-Bundesligisten FC Schalke und DSC Arminia Bielefeld assistiert habe, dachte ich, wie cool wäre es, auf diesem Niveau dauerhaft zum Einsatz zu kommen. Dieser kleine Traum ist in Erfüllung gegangen. Im September geht’s zum Lehrgang am DFB-Stützpunkt in Hennef und vorher ist ein sportärztliches Attest beizubringen.

Ihr 22-jähriger Kollege Jonas Niemeyer vom TuS Solbad Ravensberg ist ebenfalls der Sprung in die Landesliga geglückt. Und das nach nur einem Jahr. Warum haben Sie zwei Spielzeiten benötigt?

Maurer: In meiner ersten Bezirksliga-Saison 2018/19 habe ich leider in meinem ersten Beobachtungsspiel die gesamten Umstände vielleicht etwas unterschätzt. Mir war in der zweiten Halbzeit entgangen, dass ein Trainer von der falschen Spielfeldseite seine Anweisungen gab. Hinzu kamen damals läuferische Defizite. Die entsprechenden Punktabzüge in dieser einen Beobachtung haben mich am Ende der Serie knapp den Aufstieg gekostet.

Warum hat es jetzt geklappt?

Maurer: Unser KSA-Vorsitzender Philip Dräger hat mit mir damals ein sehr ernstes Wort gesprochen. Das hat gewirkt. Ich habe mein Laufspiel erheblich verbessert und lege strengere Maßstäbe an, wer auf der Ersatzbank Platz nehmen darf und wenn ein Trainer seine Coachingzone verlässt.

Sie sprechen Philip Dräger an. Bei ihm sind Sie als Assistent in der Oberliga schon mehrfach eingesetzt worden. Können Sie von ihm noch etwas lernen oder bleibt dafür während der 90 Minuten keine Zeit, weil man sich auf seine Aufgabe mit der Fahne konzentrieren muss?

Maurer: Die richtigen Laufwege sind bei mir immer noch ein Thema, sodass ich mir bei Philip Dräger mit seiner langen Erfahrung einiges abschauen kann. Auch wie man sich bei welchen Standardsituationen am besten positioniert. Ich besuche zusammen mit Schiedsrichterfreunden in meiner Freizeit höherklassige Spiele, um dort vor allem das Verhalten des Referee-Teams zu beobachten.

In der kommenden Saison sind Sie erstmals selbst als Gespannführer im Einsatz. Was wird dadurch anders?

Maurer: Ab der Landesliga steht der Teamgedanke im Vordergrund. Wenn man mehrfach zusammen im Einsatz ist, stellen sich Automatismen ein, sodass Blickkontakte und vereinbarte Zeichen zwischen Schiedsrichter und Assistent genügen, um eine gemeinsame Entscheidung zu treffen. Dieses Zusammenwirken macht sehr viel Spaß.

Nach Ihrem Aufstieg in die Bezirksliga 2018 hatten Sie das Ziel formuliert, innerhalb der nächsten zwei Jahre in die Landesliga zu wollen. Das ist ihnen gelungen. Wie sehen Ihre nächsten Ambitionen aus?

Maurer: Sowohl als Schiri in der Landesliga als auch als Assistent in den Jugend-Bundesligen möchte ich eine sehr gute Saison abliefern. Ich habe die Ansprüche höher zu kommen und bin im Team C beim Verband gemeldet. Ein neuerlicher Aufstieg wäre schön. Denn als Schiri würde ich es gerne zumindest bis in die Oberliga schaffen. Über den Profifußball denke ich noch nicht nach. Als Assistent habe ich mir die Regionalliga zum langfristigen Ziel gesetzt. Auch wenn es bis dahin sicherlich ein langer und harter Weg sein wird.

Sie sind bekennender Anhänger von Borussia Mönchengladbach. Als Unparteiischer greifen Sie seit einigen Jahren für den DSC Arminia zur Pfeife. Auf welcher Seite stehen Sie, wenn die beiden Teams demnächst in der Bundesliga aufeinander treffen?

Maurer: Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Weil ich tendenziell immer dem kleineren Verein die Daumen drücke, würde ich zu Arminia halten. Es sei denn für Gladbach geht es um den Meistertitel oder um die Qualifikation für die Champions League. Dann sollen die Borussen gewinnen.

Corona bremst den Amateurfußball seit mehr als drei Monaten aus. Wie sehr fehlt es Ihnen, selbst auf dem Platz zu stehen?

Maurer: Ich vermisse es immens. Obwohl ich hoch konzentriert während des Spiels agieren muss, ist es für mich eine gute Abwechslung zu meinem Job als Rettungssanitäter. Man muss sich selbst viel bewegen und kann dabei prima Stress abbauen. Am meisten fehlt mir aber, dass man mit Freunden in der Freizeit nicht über aktuellen Fußball sprechen kann, denn es passiert ja nichts Neues.

Sie haben ihr Amt als dritter Lehrwart des Kreisschiedsrichter-Ausschusses jüngst abgegeben, bleiben der Aus- und Weiterbildung der Neu- und Jungschiedsrichter aber gemeinsam mit Niklas Pankoke erhalten. Was vermitteln Sie dem noch jüngeren Nachwuchs?

Maurer: Wir sind selbst noch sehr jung und haben deshalb vielleicht einen besseren Draht zu den Neulingen als erfahrene Kollegen, bei denen der erste Einsatz schon viel länger zurückliegt. Es geht darum, vom ersten Spiel an Selbstvertrauen zu entwickeln und um die Bewältigung bestimmter Spielsituationen. Wenn man eine Entscheidung getroffen hat, muss man zu ihr stehen.

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