Handball-Verbandsliga: Warum Spvg. Steinhagens Torwart Philip Joswig für den Abstiegskampf zuversichtlich ist
Den Fortschritt buchstäblich vor Augen

Steinhagen (WB). Das war ein perfektes Wochenende für Philip Joswig: Am Freitag schnürte er erstmals nach langer Pause wieder die Eishockey-Schlittschuhe – erster Saisoneinsatz für TSVE Bielefeld, gleich ein Treffer zum 3:1, am Ende ein 4:2-Sieg in Hamm. Und tags darauf trug er als Torwart mit starken Paraden zum wichtigen 25:21-Erfolg für Spvg. Steinhagens Handballer gegen Spradow bei. Den Abstiegskampf in der Verbandsliga erfolgreich zu bestehen – dieses Ziel genießt in der laufenden Saison absolute Priorität für den 28-jährigen Multi-Sportler.

Samstag, 08.02.2020, 00:55 Uhr aktualisiert: 08.02.2020, 05:03 Uhr
Möglichst oft zum unüberwindlichen Hindernis wachsen: Auch für das Heimspiel am Sonntag gegen LIT II hat sich Steinhagens Torwart Philip Joswig viel vorgenommen. Foto: Sören Voss

Aus den ersten zwölf Saisonspielen holten die Steinhagener ganze fünf Pluszähler. Seit dem Jahreswechsel sind es vier weitere aus nur vier Partien. Wobei auch das knappe 26:28 gegen den Tabellenzweiten Altenbeken/Buke um ein Haar Beute gebracht hätte. Deshalb ist Philip Joswig auch zuversichtlich, dass seine Mannschaft das kommende Heimspiel nutzt, um zu einer Positiv-Serie anzusetzen: Sonntag, 18 Uhr geht es in eigener Halle gegen den Tabellenachten LIT Tribe Germania II.

„Wenn wir da weitermachen, wo wir Samstag aufgehört haben, dann habe ich keine Bedenken, dass wir es schaffen“, verbreitet Joswig Zuversicht. Diese Prognose hat Gewicht, denn der 1,93-Meter-Hüne ist keiner, der große Töne spuckt. Er hält verbal lieber den Ball flach. „Natürlich ist viel von der Tagesform abhängig, aber in unserer Klasse ist ab Platz zwei wirklich jeder Gegner schlagbar“, findet Joswig.

Als Torwart kann er vor allem dann glänzen, wenn auch vor ihm konsequent gearbeitet wird. Und das klappt seit einigen Wochen zunehmend besser, den Fortschritt hat Joswig buchstäblich unmittelbar vor Augen. „Zuletzt war es noch mal ein großer Sprung nach vorne“, stellt der Keeper fest und erläutert: „Früher waren wir im Abwehrverband oft nicht beweglich genug, jetzt ist die Beinarbeit besser, werden auch öfter Würfe geblockt. Und weil mehr miteinander geredet wird, müssen wir in der Abwehr nicht so viele Wege machen.“ Joswig hofft, dass mit der wachsenden Stabilität auch das Spiel nach vorne an Präzision gewinnt, damit die schnellen Außen ihre Kontergefährlichkeit noch besser ausspielen können.

Als Flügelstürmer betreibt Philip Joswig seine zweite sportliche Leidenschaft: Jahrelang ging er erfolgreich für die Eishockey-Cracks der SV Brackwede auf Torejagd: „Rasant und körperbetont, das fasziniert mich. Außerdem habe ich immer viele Tore geschossen.“ Nach der Jugendzeit hatte für den Handball-Torwart mit Einsätzen bis zur Westdeutschen Auswahl die Kufen-Karriere sogar Vorrang. 2017 stieg er dennoch mit der Steinhagener „Zweiten“ in die Handball-Landesliga auf – mit erfolgreichen Gastspielen, wenn es der Eishockey-Spielplan zuließ.

Jetzt ist es umgekehrt. „Die TSVE-Verantwortlichen haben gefragt, ob ich nicht öfter spielen kann. Aber das sage ich nur für Termine zu, wenn es nicht mit Handball kollidiert.“ Denn nachdem er im Juli 2019 von einem einjährigen Trip nach Kanada zurückgekehrt war, hatte sich der Keeper entschieden, als Rückhalt beim personellen Umbruch der ersten Handballmannschaft zu helfen: „Nachdem es jahrelang nebenher lief, wollte ich mit 28 sehen, ob ich in der Verbandsliga mit der Ersten wirklich mithalten kann.“

Auch wenn es in der Hinserie manchen Rückschlag gab, hat er es nicht bereut: „Wir sind ein super Team, das zusammenhält. Und Christian Blankert hat uns mit seiner emotionalen Art noch mal zusätzliche Impulse gegeben.“ Der Keeper ist optimistisch, dass mit dem Gespann Bohnemeier/Blankert die „Versetzung“ gelingt. Sonntag soll der nächste Schritt folgen.

Ein Jahr Kanada: Traumhafte Natur und minus 40 Grad im Eishockey-Paradies

Handball und Eishockey - zur ungewöhnlichen Kombination von Philip Joswigs Spezialdisziplinen passte auch seine Entscheidung, im besten Sportler-Alter ein ganzes Jahr lang auszusteigen und Kanada zu entdecken: Kurz nach seinem 27. Geburtstag ging es im Juli 2018 los, Vancouver war die erste Station, Calgary, das eiskalte Winnipeg mit bis zu minus 40 Grad im Winter und die atemberaubende Natur der Rocky Mountains zählten zu den Highlights. Das nötige Geld verdiente der gelernte Tischler mit Jobs, die er sich über Zeitarbeitsfirmen vermitteln ließ. „Ich wollte in einem fremden Land ganz auf eigenen Beinen stehen. Und habe wirklich nur gute Erfahrungen gemacht. Die Menschen dort sind super nett und offener und aufgeschlossener als viele bei uns in Deutschland“, berichtet Philip Joswig.

Als leidenschaftlicher Eishockeyspieler und -fan hatte er natürlich im Mutterland der schnellsten Mannschaftssportart der Welt stets Gesprächsstoff: „Eishockey spielt dort eine ähnliche Rolle wie hierzulande Fußball. Gefühlt an jeder Ecke gibt es eine Eishalle.“ Bei den Vancouver Canucks und den Calgary Flames verfolgte Joswig auch insgesamt drei Partien der weltbesten Profiliga NHL – in Arenen mit fast 20.000 Zuschauern Fassungsvermögen. „Da wird Eishockey natürlich zelebriert, die Atmosphäre ist eindrucksvoll“, schildert Joswig das Live-Erlebnis. Ebenso unvergesslich bleiben die Eindrücke aus Kanadas unberührter Natur. Nur sein eigenes Können am Puck, das konnte er nicht demonstrieren: „Ich hatte die Schlittschuhe dabei. Aber es wäre zu umständlich gewesen, sich eine komplette Ausrüstung zu leihen.“

 

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