Tour Transalp: Lukas Buske und Peter Spieth fahren als Neulinge auf Platz 112 unter mehr als 250 Zweierteams.
Glücksgefühl am gefürchteten Mortirolo

Steinhagen (WB). Im Val di Sole, dem Tal der Sonne, dampft der frisch verlegte Asphalt und scheint an den Rädern zu kleben: In der heißesten Woche des Jahres verlangt die Tour Transalp den Radsportlern alles ab. »Natürlich hast du dich zeitweise gequält und im Tagesziel gedacht: Das durfte heute aber nicht zehn Kilometer länger sein«, bekennt Peter Spieth (33). Aber die intensive Vorbereitung zahlt sich aus: »Nie hätte ich gedacht, dass wir den Mortirolo so extremst gut hochkommen. Die fünfte Etappe war unser bester Tag«, ist sich Spieth mit Teamkollege Lukas Buske (31) einig.

Donnerstag, 04.07.2019, 09:06 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 09:10 Uhr
Grandiose Aus- und Augenblicke: Peter Spieth (links) und Lukas Buske im Hochgebirge, angefeuert von Lukas’ Ehefrau Angela. Foto: David Buske

Im Steinhagener Unternehmen Plasmatreat sind sie Arbeitskollegen, in den steilsten Rampen der Alpen ziehen sie ebenfalls an einem Strang: »Es ist sensationell, wie harmonisch die beiden sich unterstützen und gemeinsam diese harte Woche gemeistert haben«, lobt Lukas’ Bruder David Buske. Er agiert als Teamchef und betreut die gesamte Equipe, die in der vergangenen Woche fünf Zweier-Gespanne in das härteste Jedermann-Rennen Europas geschickt hat.

Lukas Buske hat 2014 beim Ötztaler Radmarathon schon Hochgebirgserfahrung gesammelt, Peter Spieth ist Alpen-Neuling. Seit Jahresbeginn haben sie jeweils rund 3500 Kilometer trainiert. »Den einen oder anderen Hünenburg-Intervall auch im Dunkeln mit Stirnlampe«, erinnert sich Spieth an den Vorbereitungsalltag neben Beruf und Familie mit zwei kleinen Kindern.

Die Disziplin zahlt sich aus: Auf dem Weg von Innsbruck zum Gardasee klettern die beiden Hobby-Radsportler auf fast 800 Rad-Kilometern in sieben Tagen gut 18.000 Höhenmeter bergan. Über 19 steile Alpenpässe führt der Weg. Das »Dach der Tour«, der 2600 Meter hohe Gavia-Pass, der nach Erdrutschen gesperrt ist, wird kurzerhand durch eine weitere Auffahrt über den Mortirolo ersetzt. Der ist zwar »nur« 1852 Meter hoch, aber mit einer Durchschnittssteigung von mehr als 10 Prozent und bis zu 18 Prozent steilen Rampen selbst von den Profis beim Giro d’Italia als Scharfrichter gefürchtet. »Insgesamt dreimal mussten wir im Lauf der Woche rüber, von drei verschiedenen Seiten.« Die »Teuto-Tiroler« haben bald ihre eigenen Tricks, um sich die endlosen Anstiege schönzureden: »Nur noch dreimal Luisenturm« oder »zweimal Hünenburg, dann sind wir oben« machen sie sich gegenseitig Mut, rufen gedanklich das Gefühl der Teuto-Anstiege ab, die sie im Training oft sechs-, siebenmal während einer Einheit bezwungen haben.

»Nur noch zweimal Hünenburg, dann sind wir oben...«

Durchhalteparole während der endlosen Anstiege

Im Gegensatz zu einigen Teamkollegen bleibt das Steinhagener Duo von Stürzen verschont. Zitterpartien bei Unwetter wie in manchem Jahr zuvor müssen die mehr als 800 Transalp-Renner diesmal nicht fürchten. Auch das Material hält: »Wir hatten nicht mal einen Plattfuß.« Dafür ist die Hitze gnadenlos: »Mehr als 40 Grad im Kessel von Livigno«, nennt Angela Buske als Beispiel. Lukas’ Ehefrau hat mit David Buske und zwei weiteren Begleiterinnen für die optimale Betreuung der vier Zweier-Teams gesorgt: »Um die Unterstützung mit dem zusätzlichen Wasser-Support haben uns viele beneidet. Wir haben geschätzt acht Liter am Tag getrunken und zusätzlich jede Menge zum Kühlen und Erfrischen verbraucht«, sagt Lukas Buske.

Dass der Mannschaftsgedanke beim gesamten Team Plasmatreat vornean steht, muss sich am zweiten Tag beweisen: Als einem Mitglied wegen Magenproblemen die Kräfte schwinden, bleiben alle zusammen, helfen dem Kollegen aufs 2211 Meter hohe Penser Joch. Aufmunterung und Beistand sind ex­trem wichtig: »Das Mentale spielt eine entscheidende Rolle. Auch ich hatte mal einen Punkt, wo ich dachte: Es ist unmöglich, die heutige Etappe zu überstehen. Aber auf der anderen Seite des Tales lief es auf einmal wieder – als wenn mir jemand einen neuen Körper geschenkt hätte«, sagt Peter Spieth.

Nicht zuletzt dank der Trainingssteuerung von Angela Buske ist er aber auch physisch topfit ins Rennen gegangen und erzielt mit seinem Teamkollegen Lukas ein super Ergebnis: Platz 112 unter mehr als 250 Zweier-Teams aller Altersklassen, das kann sich für die Newcomer sehen lassen. Im Plasmatreat-Dress fahren die Österreicher Anna Entleitner und Andreas Holaus sogar auf Rang fünf der Mixed-Wertung.

Auch das Hilfsprojekt, für das die Teammitglieder in die Pedale getreten haben, profitiert von der Anerkennung der sportlichen Leistung: 3681 Euro zeigte bis gestern Nachmittag der Stand des Spendenkontos - unter dem Motto »Der Weg nach Hause« wird die Betreuung von Familien mit lebensbedrohlich erkrankten Kindern effektiv unterstützt ( www.dwnh-bethel.de/index.php). Noch mehr als Applaus wünschen sich die Sportler weitere Spendengelder.

 

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