Christoph Hartmann aus Schloß Holte-Stukenbrock ist Einrad-Europameister Auf dem Rad für Superhelden

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). An der Weltspitze einer Randsportart: Christoph Hartmann aus Schloß Holte-Stukenbrock ist ein Ass auf nur einem Rad. Bei der Europameisterschaft im Einradfahren im niederländischen Sittard-Geleen hat er sich den Europameister-Titel über die Marathon-Distanz geholt. Silber gab es für seine Leistung im 10-Kilometer-Rennen.

Von Hendrik Fahrenwald
Zu Hause angekommen präsentiert Christoph Hartmann seine Goldmedaille.
Zu Hause angekommen präsentiert Christoph Hartmann seine Goldmedaille. Foto: Hendrik Fahrenwald

36 Zoll Bereifung, Felgenbremse unterhalb seines Sattels und ein Griff, der schon von dem einen oder anderen Sturz gezeichnet ist. Wenn ein Superheld Einrad fahren würde, dann würde er wohl dieses wählen. Es ist, zumindest für den Laien, ein ungewöhnlich anmutendes Rad für eine ungewöhnliche Leistung. Steht Hartmann neben seinem Gefährt, geht es ihm bis zur Brust. Sitzt er darauf, wirkt er beeindruckend. Filigran und doch kraftvoll bewegt er sich fort.

Christoph Hartmann in Aktion. Foto: Höhne/Bebst

»Größeres Rad, höhere Geschwindigkeit«, lautet eine von Hartmanns Erfolgsformeln. Mit einem Tempo-Durchschnitt von 30 Stundenkilometern rast der 28-jährige zum EM-Titel in der Marathon-Unlimited-Klasse. In der Spitze knackt er sogar die 40 Stundenkilometer. Knapp darunter fühlt sich Hartmann »noch wohl.« Bis 27 Stundenkilometern braucht er beim Absprung vom Rad nicht seine Knie- und Handgelenksschoner. »Ich springe ab und laufe aus.«

42,195 Kilometer in 1:24:37 Stunden

Die 42,195 Kilometer bei der EM in den Niederlanden spult er innerhalb von 1:24:37 Stunden ab. Mit dem Franzosen Simon Jan liefert sich Hartmann ein Duell, das der Deutsche dank der richtigen Taktik für sich entscheidet. »Ich weiß mittlerweile, worauf ich mich einlasse«, sagt Hartmann. Er ist in der Einrad-Szene seit Jahren ein Name und steht für Spitzenplatzierungen. Aus dem Jungen, dem sein Vater im Jahr 2000 ein selbstgeschweißtes Einrad schenkte, ist ein mehrfacher Deutscher Meister sowie Europa-, Weltmeister und Weltrekordler geworden.

Nach der ersten Teilnahme 2007 am Düsseldorfer Einrad-Marathon fuhr er Bestzeit um Bestzeit. »Ich habe gemerkt, dass es ein richtiger Sport ist und wollte direkt im nächsten Jahr deutscher Meister werden«, sagt Hartmann. Gesagt, getan: Er holte den Titel 2008 und verteidigte ihn Jahr für Jahr bis 2014.

Mit einem Einrad über die Alpen

Dazwischen überquerte er 2010 mit dem Einrad die Alpen und holte sich über die 10-Kilometer- und 100 Kilometer-Distanz bei der WM 2012 in Italien den Titel. Zwei Jahre später flog er nach Kanada. Die WM in Montreal war bisher sein größter Erfolg. »Ich war zu der Zeit auf meinem höchsten Fitnesslevel«, sagt Hartmann. Die höchste Trittfrequenz legt er über die 10 Kilometer hin.

Mit über 180 Drehungen pro Minute fährt er Weltrekordzeit. Mit dem Vize-Titel über die Marathondistanz und einem Rekordversuch auf der Formel-1-Strecke, auf der er innerhalb von einer Stunde 32,23 Kilometer absolvierte, im Gepäck kommt er zurück. 2015 zieht es Hartmann, der gebürtig aus Tietelsen kommt, als Weltmeister nach Schloß Holte-Stukenbrock. Beim RSV Schwalbe Augustdorf, mit dem er nun auch bei der EM teilnahm, fängt er den Teamsport Einradhockey an.

Trainingsfläche Wohnzimmer

Ein Jahr später werden er und die 24-jährige Liza Paulsen, die sich bei der Hockey-Mannschaft vorstellt, ein Team. Über das Einradfahren haben sie sich kennen und später lieben gelernt. Mit insgesamt sechs Einrädern fuhren die beiden zur EM. Denn jede Klasse erfordert ein anderes Gefährt. »Ich bin in der Szene versunken«, sagt Paulsen, die über die 10-Kilometer-Distanz teilnahm. Ganz so extrem wie ihr Freund betreibt sie den Sport jedoch nicht. Das Einradfahren in der Wohnung sowie das Marathonfahren um sechs Uhr morgens überlässt sie ihm.

Hartmann arbeitet hart für seine ungewöhnlichen Erfolge. »Beim Einradfahren gibt es keinen Zustand des Rollens«, sagt Paulsen. Auch deshalb bleibt manchmal nur wenig Zeit sich auszuruhen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.