SC Wiedenbrück spielt tatsächlich attraktiven Offensivfußball Fußball der Marke Mehnert

Rheda-Wiedenbrück (WB). Die Stimmung ist gereizt an diesem frühlingshaften März-Samstag. Burckhard Kramer und sein Vorstandskollege Alexander Brentrup sind gerade dabei, beinahe fluchtartig das Leimbachstadion in Siegen zu verlassen. Das 1:1 ihres SC Wiedenbrück hatte beiden ordentlich auf den Magen geschlagen.

Von Dirk Heidemann
»Mit Vollgas in die Liga!« titelt die Stadionzeitung des SC Wiedenbrück vor dem ersten Anstoß der Saison 2017/18. Anschließend braust der SCW mit Vollgas durch die Liga und belegt am Jahresende einen überraschenden dritten Tabellenplatz.
»Mit Vollgas in die Liga!« titelt die Stadionzeitung des SC Wiedenbrück vor dem ersten Anstoß der Saison 2017/18. Anschließend braust der SCW mit Vollgas durch die Liga und belegt am Jahresende einen überraschenden dritten Tabellenplatz. Foto: Wolfgang Wotke

Auf der obersten Treppenstufe angekommen, macht das Duo Halt, kehrt um und lässt seiner Enttäuschung über die desolate Vorstellung des Fußball-Regionalligisten freien Lauf. Kramer kündigt zudem an, dass sich in der kommenden Saison unter dem neuen Trainer Björn Mehnert »einiges ändern« werde. »Wir werden, vor allem zu Hause, attraktiveren und offensiveren Fußball sehen«, verspricht Kramer.

Was zu diesem Zeitpunkt klingt wie ein einsames Rufen in der Wüste, wird indes Realität. Björn Mehnert, der Westfalia Rhynern mit dem Aufstieg in die Regionalliga verlässt, sorgt für neuen Schwung in Wiedenbrück. Schon während der gelungenen Sommer-Vorbereitung, in der sechs von sieben Testspielen gewonnen werden, ist die Handschrift des neuen Coaches klar erkennbar. Das schnelle Umschaltspiel nach Balleroberung wird zum Wiedenbrücker Markenzeichen, Mehnert holt sich dafür aber auch die passenden Spieler an die Ems.

In der Offensive schlagen Aygün Yildirim sowie Viktor Maier voll ein, beide erzielen im ersten Saisonteil jeweils sieben Tore. Im Mittelfeld ist die spielerische Klasse von Necirwan Khalil, kurz »Neco«, Mohammad ein echter Gewinn. Yannick Geisler, vom SC Verl gekommen, sichert im defensiven Bereich ab. Neben ihm erlebt Routinier Oliver Zech einen weiteren Fußball-Frühling. Mit Kresimir Matovina und Antonyos Celik stehen Björn Mehnert zudem zwei vielseitig einsetzbare Kräfte zur Verfügung. Rückkehrer Marcel Leeneman zeigt nach anfänglichen Schwierigkeiten auf der Innenverteidiger-Position zuletzt gegen die U21 des 1. FC Köln, dass auf ihn immer noch Verlass ist, wenn er gebraucht wird.

Zusammen mit den verbliebenen Spielern aus der Ära Beckstedde formt Björn Mehnert eine schlagkräftige Truppe, die nur zweimal richtig enttäuscht. Nach dem 1:4 in Bonn und dem 0:3 in Wegberg-Beeck ist der Coach zu Recht mächtig angefressen. Doch die Mannschaft lernt aus diesen Tiefschlägen und zieht vermehrt ihre Vorteile aus der Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode des Trainers. Nach Siegen gibt Mehnert pauschal zwei Tage frei, das kommt an. Vor dem Auswärtsspiel in Mönchengladbach Ende Oktober macht der 41-Jährige folgendes Angebot: Bis zum Jahresende sollen noch zehn Punkte her, für jeden weiteren Zähler gibt es einen zusätzlichen freien Tag und die Winterpause verlängert sich entsprechend. Das vorgegebene Ziel erreicht die Mannschaft bereits vier Spieltage vor Jahresfrist. Ihr Pech: Drei der noch angesetzten Partien fallen aus...

Dennoch geht der SC Wiedenbrück als Tabellendritter ins neue Jahr, eine überragende Leistung. Nur Viktoria Köln und der KFC Uerdingen, beide machen die Meisterschaft unter sich aus, sind vor dem SCW platziert. Der steht im ersten Saisonteil der Serie 2017/18 für attraktiven Offensivfußball. Genau so, wie es der im März von vielen nur müde belächelte Burckhard Kramer im März vorhergesagt hatte.

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