Trauer um Karl-Heinz Tonn
Der Verein war seine Welt

Halle -

Vor einigen Tagen hat Ernst-August Stüssel noch mit Karl-Heinz Tonn telefoniert. Zum verabredeten Treffen wird es nicht mehr kommen. Tonn, über Jahrzehnte Motor des heimischen Mädchen- und Frauenhandballs, ist im Alter von 71 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben.

Mittwoch, 14.04.2021, 23:03 Uhr aktualisiert: 14.04.2021, 23:10 Uhr
Eine der vielen schönen Erinnerungen: Karl-Heinz Tonn mit dem Foto der Oberliga-Meistermannschaft 1987.

„Ohne Karl hätte es bei uns Handball auf diesem hohen Niveau nicht gegeben“, sagt Stüssel, der Tonn 2007 bei der HSG Union Halle als Sportlichen Leiter abgelöst hat. Unter dessen Regie traten die Haller bzw. zuvor Künsebecker Frauen nie in einer Spielklasse unterhalb der Oberliga an. Ihr „Manager“ verpflichtete Trainer und Neuzugänge, organisierte die Vorbereitung sowie das Trainingslager. „Das war seine Welt. Er hat alles für den Handball gegeben“, erinnert sich Stüssel an einen „ehrlichen Kerl“, der für seine Überzeugung keiner Diskussion aus dem Weg ging: beharrlich und gradlinig, bisweilen ganz schön stur - kein Wunder, dass man so auch manchmal aneckt. „Es herrschte sicherlich nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Aber die positiven Erlebnisse, die Erinnerung an drei Regionalliga-Aufstiege, der Kontakt zu Menschen, die man auch nach 25 Jahren gerne wiedertrifft - das überwiegt“, zog Tonn einst nach seinem Rücktritt Bilanz.

Bei den Spielen seiner Haller Frauen zitterte er fortan auf der Tribüne mit und organisierte zuletzt 2017 (30 Jahre nach dem Regionalliga-Aufstieg) ein Wiedersehen mit den Spielerinnen, die zwischen 1986 und 1992 für den TV Künsebeck am Ball waren - natürlich bei Jäckel im traditionellen Vereinslokal. Für die vielen Geschichten von einst lieferte Karl-Heinz Tonn einige Steilvorlagen, schließlich hatte er die Zeitungsartikel von einst und viele alte Fotos mitgebracht. Ernst-August Stüssel weiß vom unerschöpflichen Archiv des Verstorbenen mit Vereinszeitschriften aus den 70er Jahren. Er will versuchen, diesen Schatz und somit auch die Erinnerungen an Karl-Heinz Tonn am Leben zu halten - schließlich geht man niemals so ganz.

Lange ist es her, dass die Leidenschaft für den Handballsport Karl-Heinz Tonn packte. Sein Geburtshaus, in dem er bis zuletzt lebte, liegt an der Sportplatzstraße. Und diese Konstellation sollte sein ganzes Leben prägen: „Vom Balkon aus konnte man auf den alten Künsebecker Sportplatz schauen - dort, wo jetzt hinter dem Landhotel Jäckel die Tennisanlage ist. Schon als Kind war der Platz für mich mein zweites Zuhause.“ Dort spielten die Künsebecker Großfeld-Handballer zeitweise in der höchsten westfälischen Leistungsklasse, ein Magnet für die Jungs aus dem Dorf. Dass er selbst nicht mit dem größten Talent ausgestattet war, das nahm Karl-Heinz Tonn mit Humor: „Ich kann mich nur an ein einziges richtiges Spiel von mir erinnern.“

Trotzdem wurde Handball zu seinem großen Hobby, und der Verein seit Ende der 60er Jahre geradezu sein Leben, wie er es einmal selbst ausdrückte. Er wurde Schiedsrichter, und als Funktionär im Handballkreis sowie als Macher in seinem Verein hatte Tonn großen Anteil am Boom des Frauen- und Mädchenhandballs im Altkreis sowie an den Erfolgen des TV Künsebeck und der HSG Union Halle (nach der Fusion). Während seiner Ära wuchs die Zahl der weiblichen Mannschaften um ein Vielfaches: „Als ich anfing, spielten die Frauen meistens draußen auf Kleinfeld, in der Halle lief noch nicht viel.“

Dass Karl-Heinz Tonn schon in jungen Jahren selbst mit angepackt hat, das deckt sich mit seinem Lebensmotto: „Wer mir etwas Positives entgegenbringt, dem gebe ich gerne etwas zurück.“ Das kann auch seine langjährige Nachbarin Angelika Farth-mann nur unterstreichen: „Wir kannten uns seit 62 Jahren. Selbst wenn er eigentlich Hilfe brauchte, hat er sich immer auch um die Belange der anderen gekümmert. Er hat außerdem immer versucht, die Menschen zusammenzubringen. Wir haben in der Siedlung viele Feste gefeiert, die er organisiert hat.“

So sehr Karl-Heinz Tonn seinem Verein die Treue gehalten hat, so verbunden war er auch mit dem WESTFALEN-BLATT. 42 Jahre hat er im Verlag bis zum Ende seines Berufslebens 2009 in der Vertriebsabteilung gearbeitet. Danach hat er auch den Verfasser dieser Zeilen regelmäßig in der Redaktion besucht, sich über den Altkreissport und seine einstigen Kollegen informiert: „Mach es gut Karl.“

Auf einen Blick: Aufgaben und Auszeichnungen

 

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