Große Umfrage: Mitglieder-Entwicklung in den Sportvereinen - Teil 2
Massive Einbrüche hier, Wachstum dort

Altkreis -

Für das Jahr 2020 hat Martin Schumacher, Vorsitzender des SV Halle, eine ganz normale Fluktuation festgestellt. Die Mitgliederzahl im Schwimmverein ist von 417 auf 396 zurückgegangen. Das ist auf fehlende Neueintritte zurückzuführen, weil Schwimmbäder geschlossen sind und keine Schwimmkurse angeboten werden konnten

Dienstag, 02.03.2021, 17:30 Uhr
Auch Schwimmvereine leiden unter fehlenden Neueintritten, weil keine Schwimmkurse mehr stattfinden. Außerdem lässt der Elan der Aktiven nach langer Zwangspause nach. Foto: Oliver Werner

„Wir sind finanziell dennoch gut ausgekommen, weil wir auch weniger Ausgaben hatten“, sagt Schumacher. Die vielen Austritte in den vergangenen zwei Monaten (31) machen den Verantwortlichen des Schwimmvereins aber Sorgen. „Wenn man das hochrechnet, dann befürchte ich, dass wir Ende 2021 bis zu 50 Prozent unserer Mitglieder verlieren könnten“, so Schumacher. Dass der Nachwuchs wegen fehlender Schwimmkurse fehlt, das sei eine Sache. Außerdem lasse aber nach so langer Pause der Elan der Aktiven nach, so dass auch die vielen Aktionen wie zum Beispiel Onlinetraining, QR-Code-Rallye, Fotowettbewerbe oder Newsletter mit Bewegungsangeboten nicht mehr helfen. „Trainer, Übungsleiter und Helfer haben sehr gut zur Stange gehalten. Aber einige Mitglieder haben sich einen neuen Sport gesucht, gehen zum Beispiel regelmäßig Joggen oder fahren Mountainbike. Andere haben sich an Streamingdienste gewöhnt.“ Wenn die Bäder wieder öffnen, komme auf die Schwimmvereine eine weitere Herausforderung zu: „Es wird schwierig, die dann große Nachfrage nach Kursen zu befriedigen, da Personal und Zeiten begrenzt sind.“

In Steinhagen stellt sich die Situation ähnlich dar. „Bis zum Herbst hielten sich die Kündigungen im normalen Rahmen und es gab auch noch ein paar Neuanmeldungen im Nachwuchsbereich“, berichtet Axel Brinkmann aus dem Vorstandsteam des Schwimmclubs Steinhagen-Amshausen: „Mit dem Lockdown im Oktober und der monatelangen Fortsetzung ohne Ausblick änderte sich dieses aber ganz massiv.“ Zwar steht am Cronsbach bisher lediglich ein Minus von 25 Mitgliedern zu Buche (436 nach zuvor 461), aber Brinkmann befürchtet, dass sich die Corona-Krise hinsichtlich der Mitgliederentwicklung erst im Jahresabschluss dann gravierender niederschlagen wird.

So traut auch Eckhard Lohmann den Zahlen noch nicht. Der Sportliche Leiter des TuS Langenheide (bisher minus 36 Mitglieder) will erst einmal abwarten, ob die Nachwuchskicker auch wirklich alle zurückkommen, wenn nach monatelanger Pause wieder Training angeboten wird. Auch in vielen anderen Vereinen wird erst die nächste Mitglieder-Erhebung diese Frage beantworten. Zudem ist oft der Einzug des Jahresbeitrags ein Impuls, seine Mitgliedschaft zu kündigen.

Bei den Mitgliedern von TuS Solbad Ravensberg (minus 20) ist eine Aktion des Vereins, die vom Landessportbund unterstützt wurde, gut angekommen. Die Jugend-Trainer hatten vor Weihnachten ihre Schützlinge (mit Abstand) besucht und ihnen Sportbeutel mit Bewegungsanregungen wie Frisbee-Scheiben, aber auch Federmappen überreicht. Solche Kontakte würden die Identifikation mit dem Verein fördern, ist der 1. Vorsitzende Ralf Heidmann sicher.

Es gibt auch positive Entwicklungen. Union Halle hat es in der kurzen Öffnungszeit im Sommer geschafft, eine neue Handball-Mädchenmannschaft und ein drittes Damenteam zu gründen und verzeichnet einen Zuwachs von 450 auf 480 Mitglieder. Christian Fröhlich und sein junges Vorstandsteam sind optimistisch, den Trend bestätigen zu können: „Der Bedarf an sozialen Kontakten wird weiterhin da sein.“

Markus Bohnemeier, Vorsitzender der Spvg. Hesselteich, begründet, warum sein Verein um zehn Mitglieder gewachsen ist: „Wir hatten nicht mehr Austritte als in anderen Jahren. Die Hesselteicher sind sehr treu. Für passive Mitglieder, die mit ihren Jahresbeiträgen neben den Sponsoren ein wichtiger Finanzfaktor für jeden Verein sind, ändert sich durch das Sportverbot ja ohnehin nichts. Unsere Darts-Abteilung hat 2020 mächtig getrommelt und einige neue Spieler aufgenommen.“

Auf stabile Zahlen kann auch der TSV Amshausen stolz sein, der sich um ein Mitglied auf 848 vergrößert hat. „Dass wir in den vergangenen sechs Jahren immer einen Zuwachs zwischen drei und sieben Prozent hatten, liegt an unserer Vereinstreue und der guten Jugendarbeit“, lobt der Vorsitzende Friedrich Böckhaus. Beim TSV sind mehr als die Hälfte der Mitglieder jünger als 18 Jahre. Böckhaus, der seit 37 Jahren als Jiu Jitsu-Übungsleiter tätig ist, hat aber noch eine weitere Begründung, weshalb viele der heimischen Vereine sich weniger Sorgen machen müssen als ihre Leidensgenossen in anderen Regionen: Nämlich die sehr gute finanzielle Unterstützung durch die Kommunen und die damit verbundenen moderaten Jahresbeiträge. „Wenn wir Wettkämpfe in Dortmund oder Leverkusen haben, hören wir von anderen Vereinen von hohen Kostenhohe und auch, dass sie Hallenmiete zahlen müssen. Da merken wir, dass wir im Schlaraffenland leben. Die Unterstützung der Gemeinde Steinhagen ist vorbildhaft und große Klasse.“

Als familiärer Ein-Sparten-Verein hat der reine Fußballklub BV Werther im Corona-Jahr gepunktet und seine Mitgliederzahl um neun auf 572 gesteigert. Vorsitzender Joachim Twelmeyer: „Dass wir besonders treue Mitglieder haben, sieht man bei jeder Jahreshauptversammlung - an der hohen Zahl von Ehrungen für langjährige Mitgliedschaften. Ich führe die stabile Bilanz aber auch auf die Arbeit der gesamten Jugendabteilung mit vielen guten Trainer zurück. Dass sich da bereits Spieler der ersten Mannschaft engagieren, trägt ebenfalls zur engen Bindung an den Verein bei.“

Außerdem gibt es heimische Vereine, in denen Mitgliederverluste nicht mit der Corona-Krisein Verbindung gebracht werden. „Das Minus liegt an einer Bestandsbereinigung .Wir haben verzogene oder nicht mehr auffindbare Mitglieder entfernt, von denen wir jahrelang schon keine Beiträge mehr bekommen haben und die so nur noch unnötige Arbeit gemacht haben“, sagt SV Hägers Kassenwart Gerd Warning. Und TuS Langenheides 1. Vorsitzender Alexander Bräuer begründet das Minus mit Veränderungen bei den B-Mädchen und den Altherren-Fußballern.

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