Sportminister-Konferenz sowie Verbände machen Druck und fordern die Rückkehr des Amateursports
Appelle, Pläne, Sehnsucht und die Realität

Altkreis -

Seit Montag ist auch in NRW Sport zu zweit unter freiem Himmel wieder erlaubt. Während Golfer und einige Tennisspieler auf Allwetter-Plätzen bei Frühlingswetter von den Lockerungen profitieren, bleibt zum Beispiel den vielen in Vereinen organisierten Fußballern die Rückkehr zum (Mannschafts-) Training weiterhin verwehrt. Ein Beschluss der Sportminister-Konferenz macht nun Druck auf die Länderchefs und die Kanzlerin. Ein Stufenmodell soll Millionen Sportlern möglichst schnell wieder Training und Wettkampf ermöglichen und als Empfehlung im nächsten Bund-Länder-Coronagipfel am 3. März diskutiert werden.

Donnerstag, 25.02.2021, 18:32 Uhr
Allen voran für die Kinder wäre es wichtig, wieder in einer Gemeinschaft Sport treiben zu können. Foto: Wilfried Hiegemann

Derweil haben die Präsidenten aus den Regional- und Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Rahmen ihrer Konferenz einen gemeinsamen Appell formuliert, der die hohe gesellschaftliche Bedeutung und Wirkung des Amateursports betont, wie auch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen auf seiner Homepage berichtet. Im Mittelpunkt steht für das Gremium die Perspektive, vor allem Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, wieder unter freiem Himmel einem organisierten Trainingsbetrieb im Verein nachzugehen und dort ihren natürlichen Bewegungsdrang auszuleben. Nach mehrmonatigem Lockdown soll der organisierte Amateursport, so die klare Botschaft, nicht mehr als Teil des Problems, sondern endlich als Teil der Lösung im Sinne der allgemeinen Gesundheitsförderung begriffen werden.

 

Brief an alle Vereine

Mit ihrem Appell unterstützen und unterstreichen die führenden Vertreterinnen und Vertreter der Landesverbände den offenen Brief, den DFB-Präsident Fritz Keller und DFB-Vizepräsident Rainer Koch am vergangenen Freitag an alle 24.500 Vereine im deutschen Fußball verschickt hatten. Keller und Koch hatten darin betont, dass der Amateursport in allen Entscheidungen Berücksichtigung finden müsse und nicht abgehängt werden dürfe.

Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung, sagt: „Unsere Vereine haben in den vergangenen Monaten einen erfolgreichen Beitrag geleistet, um Kontakte zu reduzieren und Infektionen entgegenzuwirken. Dieses verantwortungsvolle Verhalten darf bei den Erörterungen der Lockerungen nicht vergessen werden, insbesondere deshalb, weil es in besonderem Maße um Kinder und Jugendliche geht. Dies betrifft nicht nur den Fußball, sondern den gesamten Sport.“

 

750 Spiele untersucht

Bei ihrem Appell berufen sich die Konferenzteilnehmer auf jüngste wissenschaftliche Untersuchungen, die unter anderem mehr als 750 Partien aus Profiligen und dem Amateurbereich mit mindestens einem verdächtigen infizierten Spieler analysieren. Es zeigte sich, dass fußballspezifische Kontakte auf dem Spielfeld ein geringes Infektionsrisiko darstellen. Auch wenn die Möglichkeiten zur Nachverfolgung von Fällen im Amateurbereich, verglichen mit den Profis, eingeschränkt sind, wurden in den exponierten Mannschaften bis 14 Tage nach dem Spiel keine weiteren Verdachtsfälle festgestellt. Lediglich in einem Fall waren Zweifel an einer Übertragung während des Fußballspielens nicht gänzlich auszuräumen. Videoanalysen ergaben, dass relevante Kontakte auf dem Spielfeld nur selten auftreten und von sehr kurzer Dauer sind. „Zusammengefasst bedeutet dies, dass nach aktuellem Kenntnisstand beim Fußballspielen unter freiem Himmel nur eine äußerst geringe Ansteckungsgefahr besteht. Diese Ergebnisse stehen auch im Einklang mit der umfangreich gesichteten internationalen Literatur, beispielsweise den vor wenigen Tagen veröffentlichten Resultaten aus dem englischen Rugby“, sagt Prof. Dr. Meyer. Der Vorsitzender der Medizinischen Kommission des DFB hat die Studie begleitet.

Ronny Zimmermann und Hannelore Ratzeburg, im DFB-Präsidium für den Nachwuchsfußball zuständig, erklären: „Vereine und Verbände tragen verantwortungsvoll die Verordnungen von Bund und Ländern zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit. Doch der Lockdown für den Sport darf nicht zum Dauerzustand werden. Wir müssen im Blick haben, welche Folgen dauerhafter Bewegungsmangel und fehlende soziale Kontakte gerade für Kinder und Jugendliche haben können. Vereinssport kann hier für eine spürbare Entlastung sorgen und mit den bereits bewährten Hygienekonzepten seiner gesellschaftlichen Aufgabe gerecht werden.“

 

Verbote und Öffnung

Wie die Praxis auf den Sportplätzen im Fußballkreis Bielefeld/Halle zeigt, ist die Rückkehr zum Mannschaftstraining auch aus einem anderen Grund wichtig. Vor allem nach der Ankündigung der Landesregierung, dass Sport auch auf öffentlichen Sportanlagen zu zweit oder mit Personen des eigenen Hausstandes wieder erlaubt ist, wird auf den heimischen Fußballplätzen vermehrt gekickt - auch in größeren Gruppen und ohne Einhaltung von Abstandsregeln. Zutritt verschaffen sich die Freizeitfußballer auch zu gesperrten und abgeschlossenen Sportplätzen, indem sie zum Beispiel über Zäune klettern. Andrea Werner aus dem Amt für Schule, Jugend, Sport und Kultur der Gemeinde Steinhagen, hat am Mittwoch im WB-Gespräch klargestellt, dass zum Beispiel die Sportanlagen der Spvg. Steinhagen und des TSV Amshausen geschlossen bleiben: „Bei einer Öffnung für jedermann könnten wir nicht sicher stellen, dass die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden.“ Mit anderen Worten: Erst wenn wieder Vereinssport möglich ist und mit der Gemeinde abgestimmte Hygienekonzepte umgesetzt werden können, werden die Sportplätze geöffnet. Beim Trainingsbetrieb achten dann die Übungsleiter auf Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen und sorgen auch dafür, dass die Kontaktverfolgung gewährleistet wird.

Dagegen hat die Stadt Werther ihre Sportanlage am Meyerfeld samt seiner Laufbahn wieder für die Öffentlichkeit frei gegeben. Stefan Meier, bei der Stadt Werther für den Fachbereich Sport und Kultur zuständig, setzt auf die Vernunft der Sportler: „Natürlich müssen die Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln eingehalten werden. Das hat aber im Sommer im Freibad auch gut funktioniert.“ Meier kündigte Kontrollen der Stadt an: „Wenn es nicht klappen sollte, müssen wir wieder schließen.“ Der vereinseigene Kunstrasenplatz des TuS Langenheide bleibt dagegen geschlossen, was durch ein Flatterband deutlich gemacht wird. Der Kunstrasen ist allerdings nicht umzäunt. Und trotz Verbotes wird dort gekickt, wie Langenheides Sportliche Leiter Eckhard Lohmann bestätigt: „Wir können aber dagegen wenig tun. Sobald sich ein Vereinsvertreter nähert, laufen die Bolzer weg.“ Auch für Lohmann ein Grund mehr für die Rückkehr zum Mannschaftstraining, damit der Verein die Einhaltung der Regeln überprüfen kann.

 

Priorität Training

Wie groß die Sehnsucht nach der Rückkehr des Amateurfußballs ist, zeigt eine aktuell laufende bundesweite DFB-Umfrage. An den ersten drei Tagen haben bereits rund 50.000 Personen daran teilgenommen, 97 Prozent davon sind Mitglied in einem Fußballverein. 98 Prozent der bisher Befragten haben angegeben, den Amateurfußball und ihren Amateurverein zu vermissen, 95 Prozent wollen auf jeden Fall oder sehr wahrscheinlich nach dem Lockdown in den Amateurfußball zurückkehren. Besonders vermisst werden laut der Zwischenergebnisse das Gemeinschaftsgefühl und das aktive Fußballspielen. Die Möglichkeit des Mannschaftstrainings wird im Falle möglicher Lockerungen mit Abstand am höchsten priorisiert, noch deutlich vor der Rückkehr in den Spielbetrieb.

Die Umfrage läuft noch bis Freitag unter folgendem Link: https://www.netigate.se/ra/s.aspx?s=957204 X264262994X99301

 

 

 

 

 

 

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7838532?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F2514637%2F
CDU-Bundesvorstand will Laschet als Kanzlerkandidaten
CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet wird Kanzlerkandidat.
Nachrichten-Ticker