Die Trainer der jüngsten Handball-Talente tauschen Ideen zum Weg aus der Krise aus
„Uns geht ein ganzer Jahrgang verloren“

Altkreis -

Im Juni bis zu den Sommerferien (Beginn 3. Juli) zumindest wieder Freundschaftsspiele bestreiten – diese Hoffnung eint die Trainerinnen und -Trainer der jüngsten Handball-Kinder im Kreis Gütersloh nach fast vier Monaten Corona-Lockdown. Auf Einladung der Jugendausschussvorsitzenden Renate Plötner haben sie sich am Donnerstagabend zur Video-Konferenz getroffen: ein Ideenaustausch zur Bewältigung der unverschuldeten Krise, an dem mehr als 30 Ehrenamtliche teilnahmen.

Samstag, 06.02.2021, 00:36 Uhr aktualisiert: 06.02.2021, 00:40 Uhr
Trainingsangebote für die Jüngsten in der eigenen Halle und Schnupper-AGs in den (Grund-)Schulen sind schon lange nicht mehr möglich. Deshalb gibt es Befürchtungen, dass den Vereinen wegen der Corona-Krise ein ganzer Jahrgang verloren geht. Foto: Marco Steinbrenner

Die erzwungene Isolation setzt gerade dem Nachwuchs der Mannschaftssportler hart zu. Umso wichtiger sind da erfolgversprechende Werkzeuge gegen den drohenden Mitgliederschwund bei den F- bis D-Jugendlichen. „Uns geht ein ganzer Jahrgang verloren“, befürchtet Renate Plötner, weil im (Grund-)Schulsport Schnupper-AGs und Vereinsangebote monatelang brachliegen. Hier kann Falk von Hollen den Vereinen helfen.

Der ehemalige Verbandsliga-Handballer des TV Werther, der seit Jahren Schulprojekte organisiert, will bei ausreichender Resonanz in Kürze für Trainer und Jugendkoordinatoren eine ausführliche Video-Fortbildung anbieten: „Darin kann ich aus eigener Erfahrung darlegen, wie man Schritt für Schritt vorgehen muss und welches Handwerkszeug man braucht, um die Brücke von der Schule zum Verein zu schlagen. Das ist eine der effektivsten Möglichkeiten, um Nachwuchs zu gewinnen.“

 

Online-Fortbildung

Von Hollen kündigte zu weiteren Themen Online-Fortbildungen an, wenn genügend Jugendtrainer zu bestimmten Trainingsinhalten Interesse bekunden. Was offenbar auch der Verband zu Corona-Zeiten honoriert: Wenn der Online-Unterricht vom jeweiligen Kreis als qualifizierte Maßnahme anerkannt wird, zählt er zur Verlängerung von Trainerlizenzen.

Die Trainerinnen und Trainer der F- bis D-Jugend-Talente haben sich unterdessen die Köpfe darüber zerbrochen, wie sie ihre Schützlinge ohne Handballspaß und Gruppendynamik in der Halle bei der Stange halten können. Viele bieten regelmäßig Sport und Spiel via Video-Gruppe an – allerdings mit nachlassendem Erfolg: „Als es auf Weihnachten zuging, hat die Begeisterung und Resonanz stark nachgelassen“, heißt es aus mehreren Vereinen. Zusätzliches Problem bei den Jüngeren: Um auch nachmittags oder gegen Abend beim Sport online zu sein, brauchen sie oft die Hilfe der Eltern oder älterer Geschwister. Und die sind es in Zeiten von Home Schooling oder Home Office zunehmend leid, jede Minute vor dem Rechner zu verbringen. „Schwierig ist es, gerade Handball-Neulinge an uns zu binden. Um Familien mit Handball-Tradition mache ich mir da weniger Sorgen“, berichtet Fritz Werneke (TV Verl).

 

Neue Aktionen

An Ideen und Einsatzbereitschaft hat es in den Vereinen nicht gemangelt. „Die Jugendtrainer sind vor Weihnachten rumgefahren und haben ihren Schützlingen Wichtelgeschenke gebracht – das kam sehr gut an, auch bei den Eltern.“ Die Erfahrungen, die Carina Heidebruch aus den Reihen von Union 92 Halle wiedergibt, haben auch andere Vereine mit ähnlichen Aktionen gemacht. Video-Training oder Treffs in der virtuellen Gruppe sind vielerorts Standard. Aber es braucht immer wieder neue Aktionen. Die TG Hörste hat sich für dieses Wochenende beispielsweise ein Suchspiel in Form einer digitalen Schnitzeljagd ausgedacht: „Das läuft über QR-Codes, die an bestimmten Stellen im Ort angebracht sind. Jedes Hörster Kind von vier bis zehn Jahren kann mitmachen. Für die Älteren gibt es einen Fitness-Parcours, der sich ebenfalls über QR-Codes ansteuern und absolvieren lässt. Das erhält hoffentlich bei allen Generationen die Bindung zum Verein“, sagt Elke Panofen von der TGH.

 

„Teamfit“ nutzen

Olaf Grintz, Lehrwart des HV Westfalen und Jugendkoordinator der TSG Harsewinkel, empfiehlt außerdem die App „Teamfit“, mit der Gruppen, Mannschaften und Vereine bei Workouts oder Fitnessübungen Punkte sammeln und untereinander in einen Wettbewerb treten können. Grintz will in Kürze auch über Erfahrungen des Handballkreises Lenne/Sieg mit einer dort erprobten Online-Challenge berichten. Regelmäßige Online-Treffen mit allen Jugendtrainern, bei denen Experten zu bestimmten Themen spannende Schwerpunkte setzen können, seien ebenfalls wichtige Ankerpunkte, um das Vereinsleben in Gang zu halten.

All dies kann den fehlenden Trainings- und Spielbetrieb jedoch nicht ersetzen. Renate Plötner schätzt die Situationen nüchtern ein: „Wenn es gut läuft, kommen wir Mitte April nach den Osterferien wieder in die Hallen, aber bis zur Genehmigung eines kompletten Mannschaftstrainings wird es noch weitere Schritte brauchen.“ Weil es im Mai zudem einige Feiertage gibt, bleibt im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr viel Spiel-Raum. Die Mehrheit der Wortmeldungen plädierte dafür, dass bis einschließlich zur D-Jugend bis zum Sommer keine festen Spielrunden, sondern ein Freundschaftsspiel-Betrieb angeboten werden soll.

Das Konzept: Der Kreis-Jugendausschuss wird je nach Pandemie-Lage im März oder April abfragen und mit Nennung der Kontaktpersonen veröffentlichen, welche Mannschaften spielbereit sind und Spielpartner suchen. Dabei können die Teams auch angeben, ob sie noch mit den alten oder schon mit den neuen Jahrgängen antreten wollen. Heimrecht und Anwurftermine werden untereinander frei vereinbart, damit Wochentage genutzt werden können. Ein guter Plan im Sinne der jüngsten Handballer, auf die auch in der Spielzeit 2021/22 noch ein Übergangsjahr wartet. Renate Plötner: „Ich appelliere schon jetzt an alle Beteiligten, gerade in der E- und F-Jugend nächste Saison den Leistungsgedanken beiseite zu lassen und statt dessen zu vermitteln, dass Handball spielen einfach Freude macht.“

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