Daniel Lichtsinn hat Arminias Senkrechtstarter Fabian Kunze mehrere Jahre in der Jugend trainiert
Große Namen verleihen Flügel

Altkreis -

Fabian Kunze (22) hat seine Chance genutzt und sich vor allem nach dem Ausfall von Manuel Prietl in den letzten beiden Spielen gegen Hertha BSC und Hoffenheim Bestnoten verdient. Dass der defensive Mittelfeld-Spieler, der im Sommer 2019 vom Regionalligisten SV Rödinghausen zu Arminia Bielefeld wechselte, mittlerweile auch in der 1. Fußball-Bundesliga eine feste Größe ist, das freut ganz besonders Daniel Lichtsinn. Der Steinhagener hat Fabian Kunze drei Jahre in der Jugend des VfL Theesen trainiert - und später auch als A-Jugendcoach des SV Rödinghausen. Dort ist der 34-Jährige aktuell Nachwuchskoordinator der U17 bis U23.

Mittwoch, 20.01.2021, 11:00 Uhr
Dynamisches Einsteigen gegen Nationalspieler Sebastian Rudy: Große Namen haben Fabian Kunze schon als Jugendspieler zu Höchstleistungen angespornt. Foto: imago

. Im WB-Gespräch erinnert sich Lichtsinn an den Jugendspieler Fabian Kunze und zeichnet dessen (manchmal auch steinigen) Weg zum erfolgreichen Profi nach.

Schauen Sie die Arminia-Spiele anders als der normale DSC-Fan?

Daniel Lichtsinn: Weil im Moment mehr Zeit dafür bleibt, kann ich mir überhaupt fast alle Arminia-Spiele ansehen. Und natürlich schaue ich dabei auch ganz besonders auf Fabian Kunze.

Welche Erinnerungen haben Sie an die gemeinsame Zeit beim VfL Theesen?

Lichtsinn: Fabi war schon vor meiner Zeit in Theesen von Jöllenbeck zum VfL gewechselt. In unserer ersten gemeinsamen Saison sind wir mit der C-Jugend in die Regionalliga, die höchste Spielklasse für Fußballer in diesem Alter, aufgestiegen. Er war zwar Jungjahrgang, aber groß und schlaksig und konnte seinen Körper schon damals gut einsetzen. Vieles, was ihn nun auszeichnet, hat er auch damals gezeigt: Zweikampfstärke, Dynamik, ein gutes Passspiel. Er hat die Räume erkannt und wusste die Bälle zu verteilen.

War Fabian Kunze damals ehrgeiziger als die anderen Talente?

Lichtsinn: Ich kann mich noch gut erinnern, dass er sich zwei Wochen vor dem Ligaauftakt im Testspiel gegen Eintracht Dortmund die Hand gebrochen hat. Wir waren frustriert, befürchteten, dass er länger ausfällt. Doch schon am zweiten Spieltag war Fabi wieder dabei. Er hat alles dafür getan, auf dem Platz zu stehen.

Was hat ihn noch ausgezeichnet?

Lichtsinn: In besonderen Spielen ist Fabi oft über sich hinausgewachsen. Ihn haben die Duelle mit großen, namhaften Gegnern beflügelt, daran ist er gewachsen. Und so ähnlich ist es bisher ja auch bei Arminia gelaufen. Er hat sowohl in der 2. als auch jetzt in der 1. Liga eine gewisse Eingewöhnungszeit gebraucht, sich dann aber durchgebissen. Weil er nie resigniert, sondern mit seinem Ehrgeiz alles dafür tut, am Ball zu bleiben und sich zu verbessern. Bei ihm besteht auch nicht die Gefahr, dass er abhebt. Fabi ist bodenständig. verbringt viel Zeit mit der Familie und dem Hund. Ich bin mir sicher: Wenn Zuschauer zugelassen wären, würde er auch weiterhin die Spiele des SV Rödinghausen anschauen.

Nach der Zeit in Theesen ist bei Schalke 04 für ihn nicht alles perfekt gelaufen. Nach nur einer Saison war für ihn dort wieder Schluss...

Lichtsinn: So schlecht ist es auf Schalke ja nicht gelaufen. Er hat für die U17 23 Bundesliga-Spiele absolviert, stand 17 Mal in der Startformation. Dieser Jahrgang war allerdings für Schalke-Verhältnisse nicht gut, hat nur einen Mittelfeldplatz belegt. Und die U19, in die Fabi gewechselt wäre, hat immer den Anspruch, um Titel mitzuspielen. Er hätte bei S04 bleiben können. Doch der Trainer hat ihm damals wenige Einsatzzeiten prognostiziert. Deshalb haben sich Fabi und seine Familie für einen anderen Weg entschieden.

Warum ist er in die A-Jugend des SV Rödinghausen gewechselt, die Sie damals trainiert haben?

Lichtsinn: Da kam einiges zusammen. Wir waren mit der A-Jugend in die Westfalenliga aufgestiegen. Christian Schmidt aus Steinhagen, ein weiteres großes Talent, ist von Bayer Leverkusen nach Rödinghausen gewechselt. Das hatte sicherlich die Signalwirkung, dass auch bei uns ambitionierte Arbeit geleistet wird. Fabi hatte zudem die Perspektive, frühzeitig in den Herrenbereich hereinzuschnuppern. Und dann ist alles ganz schnell gegangen. Er hat als A-Jugend-Jungjahrgang in der ersten Mannschaft debütiert und davon profitiert, dass Trainer Mario Ermisch den Mut hatte, einen 17-Jährigen gegen Kölns U23 von Beginn an einzusetzen. Eigentlich war das in der Regionalliga gar nicht erlaubt, sodass wir eine Sondergenehmigung beantragen mussten.

Was hat ihn als Youngster im Regionalliga-Team ausgezeichnet?

Lichtsinn: Fabi hat damals nicht immer in der Regionalliga-Mannschaft gespielt. Wenn er dort samstags auf der Bank gesessen hatte, hat er sonntags bei uns in der A-Jugend gespielt und so Matchpraxis gesammelt. Das war für ihn selbstverständlich, doch zufrieden war er dann nicht. Er hat alles getan, die Situation zu ändern - und das nicht mit Reden, sondern mit Leistung. Auch da sehe ich eine Parallele zu seiner Situation bei Arminia.

Warum schafft ein Fabian Kunze den Sprung in den Profibereich und in die 1. Bundesliga, all die anderen Talente aber nicht?

Lichtsinn: Talent haben alle Jungs, die im Nachwuchsleistungszentrum eines Bundesligisten ausgebildet werden. Trotzdem wird das Talent überschätzt. Über allem steht die Einstellung. Man muss zudem stressresistent sein und immer einen kühlen Kopf bewahren. Auch braucht man das Glück, verletzungsfrei zu bleiben und im Verein gewisse Fürsprecher zu haben. Bei Schalke hatte zum Beispiel Oliver Ruhnert, der aktuell Manager von Union Berlin ist, eine hohe Meinung von Fabian Kunze. Und in Rödinghausen hat Mario Ermisch auf einen 17-Jährigen gesetzt. Wenn nur eines dieser vielen Mosaiksteinchen wegfällt, kann dies eine Karriere ins Stocken bringen.

Wie wichtig ist das Umfeld eines jungen Spielers?

Lichtsinn: Dass Fabi so reflektiert ist, das liegt auch an seinem Umfeld. Mittlerweile hat er natürlich einen Berater. Doch in der Vergangenheit hat die Familie gemeinsam Entscheidungen getroffen. Es gab immer mehrere Optionen und die Familie hat so viel richtig gemacht - auch in schwierigen Zeiten. Schließlich ging Fabis Zeit auf Schalke in seinem letzten Schuljahr zu Ende. Der Familie war es wichtig, dass ihre Kinder das Abitur machen. Es war gar nicht so einfach, eine neue Schule zu finden.

Haben Sie und Fabian Kunze noch regelmäßig Kontakt?

Lichtsinn: Direkte Kontakte sind derzeit kaum möglich. Wir schreiben uns regelmäßig unregelmäßig. Fabi weiß, dass er sich immer bei mir melden kann, wenn er eine Meinung braucht. Ich sage ihm aber nicht nach jedem Bundesliga-Spiel, wie toll er das gemacht hat. Schulterklopfer bekommt er in solchen Phasen genug.

 

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