Tennis: Spielerinnen werden verdächtigt, im Sommer 2020 in Halle Partien manipuliert zu haben
Wurden Spiele verschoben?

Halle (WB) -

Der Wettskandal im Profi-Tennis weitet sich aus. Das hat die ZDF-Sportreportage am Sonntag berichtet. Nach Informationen des Senders sollen Betrüger zuletzt dutzende Partien verschoben haben. Betroffen sei auch ein Turnier in Halle gewesen.

Dienstag, 05.01.2021, 11:00 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 12:02 Uhr
Vor allem international nicht so bekannte Spielerinnen wie Luisa Meyer auf der Heide (TC Blau-Weiß Halle) schlugen bei der IPL 2020 auf. Foto: Klaus Münstermann

Die „International Premier League“ (IPL) machte vom 27. Juli an für vier Wochen auf der Anlage des TC Blau-Weiß Halle Station. Turnierdirektor war der Lemgoer Tennisprofi Andre Begemann. Deutsche Stars wie Philip Kohlschreiber und Sascha Zverev sowie Topspieler Nikoloz Basilashvilli (Georgien) schlugen in Halle auf, um Spielpraxis für größere Turniere zu sammeln.

Die weitaus größere Zahl der Spieler rangierte aber in der Weltrangliste weiter hinten und sollte die Möglichkeit bekommen, nach der damaligen Corona-Pause Einnahmen zu generieren. Die jüngste Spielerin in der ersten Turnierwoche war die damals 18-jährige Luisa Meyer auf der Heide vom TC Blau-Weiß Halle. Die hatte den Sprung in die Weltrangliste sogar noch vor sich.

Nach ZDF-Recherchen stehen mehrere Partien zweier Spielerinnen unter Manipulationsverdacht. Diese seien in Listen von Wettanbietern aufgeführt. Systeme der Anbieter hätten aufgrund auffälliger Wetteinsätze auf einzelne Spiele in den Sätzen und auf den gesamten Spielverlauf Alarm geschlagen.

Thorsten Liebich, kommissarischer Vorsitzender des TC Blau-Weiß Halle, sagt dazu: „Ich hoffe, dass alles lückenlos aufgeklärt wird. Es ist in unserem Sinne, kooperativ zu sein.“ Zugleich betont Liebich: „Der TC Blau-Weiß Halle hat mit seinen ehrenamtlichen Helfern nur die Infrastruktur für das Turnier bereit gestellt. Wie etwa die Tenniscourts, die Parkplätze, den Zuschauereinlass, die Ballkinder und die Getränkestände. Und wir haben dafür gesorgt, dass die Corona-Schutzmaßnahmen auf der kompletten Anlage umgesetzt wurden.“

Mit dem Turnierablauf und den Spielern habe er und sein Verein nichts zu tun gehabt. „Das lag alles in den Händen der IPL, die auch die Spielpläne erstellt hat“, so Liebich. Er habe keine Ahnung, um welche zwei Spielerinnen es sich handeln könne und in welcher der vier Turnierwochen es zu den angeblichen Manipulationen gekommen sein soll. „Ich selbst war nur die beiden ersten Wochen vor Ort.“

Die Tennis Intergrity Unit (TIU), die Fälle von Wettmanipulation im Profi-Tennis aufklären und sanktionieren soll, wollte nach ZDF-Angaben die verdächtigen Partien aus „operativen Gründen“ nicht kommentieren. Die Veranstalter der IPL hätten mehrere schriftliche Fragen ebenso unbeantwortet gelassen wie die mutmaßlich involvierten Profis.

Sollten sich die Verdächtigungen gegen die zwei Spielerinnen bei den Partien in Halle bestätigen, wäre das für die vielen ehrenamtlichen Helfer des TC Blau-Weiß Halle ein Schlag ins Gesicht. Die wenigen Zuschauer wären damals betrogen worden.

„Wenn jemand so etwas macht, ist ihm egal, wer davon betroffen ist. Egal ob Vereine, Organisatoren, Helfer oder Zuschauer. Der Einzelne sieht nur seinen Vorteil“, sagt Thorsten Liebich. Entweder seien die Angebote der Wettbetrüger so verlockend oder die persönliche Situation des Sportlers so schlimm, dass er bei einer Spielmanipulation mitmache.

„Tennis als Individualsportart ist dafür leider sehr anfällig. Zugleich scheint es sehr schwierig zu sein, Verdächtigungen auch beweisen zu können“, sagt Liebich und fährt fort: „Man darf jetzt nicht alle Spieler unter Generalverdacht stellen. Aber die schwarzen Schafe müssen eliminiert und hoch bestraft werden. Das wäre im Sinne eines sauberen Sports.“

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