Tennis: Einer der ältesten Pressewarte Deutschlands wird 90 und geht „in Rente“
Immer am Ball bleiben

Halle (WB) -

Ob Jugendspiel, Kinder-Tag oder Bundesliga-Hit, ob Kreismeisterschaft, Damen-Weltranglistenturnier oder Gerry Weber Open: Wenn die Tennisspieler des TC Blau-Weiß Halle aufschlagen, ist Kurt Vahlkamp dabei.

Montag, 07.12.2020, 12:34 Uhr
Die Kamera ist sein Markenzeichen. Kurt Vahlkamp (mit Teamchef Thorsten Liebich) hat von den Spielern des TC Blau-Weiß Halle 190.000 Fotos geschossen. Mit 90 Jahren hört er nun als Pressewart des Vereins zwar auf, doch er wird weiter fotografieren.

Sein Markenzeichen ist die Kamera: Immer im Anschlag, immer auf der Hut, den richtigen Moment zu erwischen. Er ist ohne Frage einer der ältesten Pressewarte in Deutschland. Am heutigen Montag feiert der gebürtige Osnabrücker seinen 90. Geburtstag – für ihn der richtige Zeitpunkt, um „in Rente“ zu gehen.

Bei den „Sportpark Indoor Open“ hat Kurt Vahlkamp am 11. Oktober noch einmal die Sieger abgelichtet. Es war sein letztes offizielles Foto für den Klub, bevor wenig später Corona die Tennissaison 2020 in Nordrhein-Westfalen vorzeitig beendete. Mittlerweile hat Vahlkamp seine Fotos auf eine externe Festplatte geladen, um sie seinem Verein zur Verfügung zu stellen. Und deshalb weiß er auch genau, wie viele Bilder in all den Jahren zusammen gekommen sind. „190.000“, kommt es wie aus der Pistole geschossen – eine unglaubliche Zahl, hinter der sich viel Arbeit, aber auch große Leidenschaft und die Liebe zum Detail verbergen. Kurt Vahlkamp hat für das Vereinsjournal, die Homepage des TC Blau-Weiß Halle, für die Spieler und auch für die WB-Sportredaktion fotografiert. Er hat seine Bilder bearbeitet, archiviert und damit nach eigenen Worten „Jahre verbracht.“ So manches Foto war der Türöffner, die Profispieler näher kennenzulernen und mit ihnen in Kontakt zu bleiben, so wie mit Daniel Munoz de la Nava. „Ich habe ihn mit seinen Kindern und seiner Frau abgelichtet. Schade ist nur, dass mein Spanisch nicht so toll ist“, scherzt Vahlkamp. Doch die Verständigung habe auch auf Englisch ganz gut geklappt: „Schließlich bin ich auf der Mittelschule in Dissen von einem Oxford-Professor unterrichtet worden.“

Im zweiten Weltkrieg kam Kurt Vahlkamp im Alter von zehn Jahren mit seiner Familie aus dem zerbombten Osnabrück nach Kleekamp, später zog er mit seiner Frau Anne nach Halle. Er hat den Bockhorster Fanfarenzug gegründet, um dort mit der gleichen Leidenschaft Fanfare zu spielen wie Tennis beim TC Dreeke („Ich bin allerdings erst mit 40 Jahren angefangen“) und seit 20 Jahren in Halle. Noch gar nicht so lange her, dass er in der Hobbyrunde selbst auf dem Platz stand. Die Begeisterung für diesen Sport hat er auch auf seine Enkelin Lorena übertragen, die neben Fußball bei den Blau-Weißen mit dem Tennis begann: „Ich hatte zuvor ein Gestell gebaut, ein Netz befestigt und auf dem Hof mit ihr die ersten Bälle geschlagen.“ Später haben Kurt Vahlkamp und seine Frau die Enkelin zu den Teamspielen begleitet, sich als Mannschaftsführer engagiert. Damals entstanden auch die ersten Fotos und kleinen Berichte für das TC-Journal. „Irgendwann hat mich unser Vorsitzender Gerhard Weber gefragt, ob ich nicht ganz offiziell Pressewart werden will“, erinnert sich Vahlkamp, der auch in den erweiterten Vorstand des Vereins aufrückte.

Bemerkenswert ist, dass der frühere Malermeister und Werkzeugverkäufer mit der Digitalisierung keineswegs gefremdelt hat. Ganz im Gegenteil: Noch heute ist er auf Facebook aktiv, hat bei den Spielen der Blau-Weißen zuletzt auch kleine Videos gedreht. Und es ist noch gar nicht so lange her, dass Kurt Vahlkamp von der Spiegelreflex-Kamera („Die war mir zu langsam“) auf eine Systemkamera umgestellt hat. Sein Motto: „Man muss eben immer am Ball bleiben.“

So hat sich das Geburtstagskind vorgenommen, weiterhin bei der ein- oder anderen Partie der Blau-Weißen vorbeizuschauen. Und dann wird die Kamera für private Aufnahmen gewiss nicht fehlen – ebenfalls nicht beim Spazierengehen: „Es gibt auch in der Natur so viele schöne Motive.“

Und von welchem Spieler des TC Blau-Weiß Halle hat er in all den Jahren die meisten Aufnahmen gemacht? „Ich habe bei den Bundesliga-Begegnungen immer darauf geachtet, dass ich alle in etwa gleich oft ablichte. Doch weil Struffi die meisten Spiele bestritten hat, habe ich wohl von ihm die meisten Fotos.“ Die Rede ist vom Deutschen Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff, der als Publikumsliebling mit Blau-Weiß Halle 2014, 2015 und 2017 die Meisterschaft gefeiert hat. Ihn hat Kurt Vahlkamp ganz besonders ins Herz geschlossen. Er hat ihm 2016 anlässlich der Olympia-Teilnahme sogar eine (natürlich goldene) Medaille gebastelt: „Ich finde, die hat er wegen der vielen tollen Siege und Momente mit der Haller Bundesliga-Mannschaft verdient“, sagte Vahlkamp damals. Und auch nach dem Haller Rückzug aus der 1. Liga verfolgt er noch immer die Turniere des Weltranglisten-36. und freut sich: „Wenn ich ihm eine Facebook-Nachricht oder Mail schreibe, antwortet er immer sofort.“

Ehrensache, dass Struffi heute zum Ehrentag auch auf diesem Wege im WESTFALEN-BLATT gratuliert: „Alles Liebe und Gute zum 90. Geburtstag Kurt“, steht auf seinem Plakat, das er in die Kamera hält. Eine Grußbotschaft als Foto – für Kurt Vahlkamp das perfekte Geschenk.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7712166?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F2514637%2F
Iran: «Terrorakt» in Atomanlage Natans
Dieses von der iranischen Atomorganisation (AEOI) veröffentlichte Bild zeigt Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Natans.
Nachrichten-Ticker