Heimische Fußballer hoffen, dass zumindest die Hinserie gespielt werden kann
Online-Quiz ersetzt kein Balltraining

Halle. -

Bewegung mit dem Ball - BV Werthers Landesliga-Trainerin Jennifer Damkröger tut in den sonnigen Mittagsstunden des ersten Advent selbst etwas für die eigene Fitness. Derweil die Spielerinnen zwei Tage zuvor mit einem virtuellen Mannschaftsabend online den Teamgeist gepflegt haben,

Montag, 30.11.2020, 14:48 Uhr
Wann gibt es auf den Amateurfußball-Plätzen wieder so rassige Spielszenen wie hier mit SC Peckelohs Torjäger Alban Shabani? Die Antwort bleibt Spekulation. Foto: Gunnar Feicht

Neuzugang Bianca Heymann und Jessica Reiß hatten ein Quiz ausgeheckt, bei dem die Teilnehmerinnen während der Zoom-Online-Konferenz in Dreier- oder Viererteams manch harte Nuss knacken mussten.

„Vier Stunden lang haben sie ihren Spaß gehabt - der Zusammenhalt und die Eigeninitiative sind überragend“, lobt Jennifer Damkröger ihre Mannschaft. Auch bei den virtuellen Trainingseinheiten mit reihum organisierten Stabi- und Kräftigungsübungen sind die Teilnehmerzahlen jede Woche zweistellig. „Aber das ist natürlich kein Ersatz für ein gemeinsames Training. Im Moment würde sich auch niemand beschweren, wenn wir den Ball noch nicht nutzen dürften“, gibt Damkröger die Stimmung bei vielen Fußballerinnen und Fußballern wieder. Sie sagt aber auch: „Derzeit sind die Corona-Inzidenzzahlen noch viel zu hoch, als dass man eine Prognose abgeben könnet, wann es wieder losgeht.“

So beurteilen die Situation aktuell Trainern, Aktive und Funktionäre in vielen Vereinen. Die Hoffnung, in den Spielklassen mit 16 oder mehr Mannschaften noch eine komplette Fußballsaison absolvieren zu können, ist mit Verlängerung der Trainingszwangspause bis zum Jahresende deutlich gesunken. Groß bleibt immerhin die Zuversicht, bis Ende Juni zumindest 50 Prozent des Spielplans abarbeiten zu können und damit eine Wertung der Saison zu ermöglichen. Daniel Schnadwinkel, Mittelfeld-Routinier von Westfalenligist SC Peckeloh: „Aus meiner Sicht wäre eine komplette Hinrunde die fairste aller Lösungen. Dann hat jeder einmal gegen jeden gespielt. Und ich würde das sportlich für uns jetzt nicht als Nachteil sehen.“

Aktuell sei eine hohe Eigenverantwortung mit Blick auf die individuelle Fitness gefragt, um möglichst bald loslegen zu können: „Wenn wir wirklich nur zwei, drei Wochen Vorbereitung vor dem ersten Spiel haben, dann kann man da nicht aufholen, was man zwei Monaten lang nicht gemacht hat.“ Eine komplette Saison hält Schnadwinkel dagegen für sehr unrealistisch: „Wenn wir erst im März starten sollten, dann hat man ja quasi nur englische Wochen. Das macht gar keinen Sinn.“ Um zumindest eine einfache Runde spielen zu können, müsse aber jeder noch mal sensibler mit dem Thema Hygienekonzept umgehen: „Die Konzepte können noch so gut sein, die Leute müssen sich eben auch daran halten.“

Tobias Kreutzer, spielender Co-Trainer des BV-Werther und langjähriger Jugendcoach beim BV, sieht genau hier Klubs und jeden einzelnen Spieler noch mehr gefordert: „Die Vereine haben mit den Konzepten einen enormen Aufwand gehabt. Wenn wieder trainiert wird, geht es um die Konsequenz, die Maßnahmen am Platz auf jeden Fall durchzusetzen.“ Gelingt dies, sieht Kreutzer kein Problem, den Sportbetrieb wieder aufzunehmen, weil die Konzepte eine gute Nachverfolgbarkeit ermöglichen: „Natürlich hat der Hobbysport nicht oberste Priorität. Aber Fußball bietet als Freiluftsport einen großen Vorteil, den Handball so nicht hat.“

An einen Saisonabbruch glaubt der Mittelfeldspieler derzeit nicht: „Ich finde es wichtig, dass sich der Verband früh positioniert und zum Beispiel sagt: Wir starten im Februar mit dem Training und wollen dann bis Mai die Hinrunde beenden. Dann würde jeder wissen, woran er ist. Auf Biegen und Brechen sollte man eine gesamte Saison nicht durchdrücken.“

Auch der Wertheraner hält eine einfache Runde für eine faire Variante. Nicht zuletzt, weil sich die Vereine nach den Vorgaben des Verbandes darauf einstellen konnten: „Dass eventuell nur die Hinrunde gespielt wird, war von Beginn an eine Option. Auch wenn es für die Abstiegskandidaten natürlich bitter ist, wenn man jetzt nur noch sieben, acht Spiele hat, um die Klasse zu halten. Aber damit musste man rechnen.“

Jennifer Damkröger legt Wert darauf, dass in diesem Fall zunächst die während des Teil-Lockdowns seit Ende Oktober abgesagten Spiele nachgeholt werden und der Verband die Spielpläne entsprechend anpasst: „Wir hatten ein Hammer-Startprogramm, andere indes zunächst leichte Gegner. Wichtig ist, dass man möglichst gegen alle Teams einmal gespielt hat.“ Mit der im Landesverband Bayern praktizierten Idee eine nicht zu Ende gebrachte Saison ins nächste Spieljahr zu verlängern kann sich Werthers Trainerin nicht anfreunden: „Wir haben es ja in unserem verspätet ausgetragenen Kreispokal-Finale erlebt. Es ist eine schwierige Situation, weil bei Teams mit hoher Fluktuation dann ganz andere Besetzungen auf dem Platz stehen.“

Zusammenhalt ist jedenfalls derzeit ganz wichtig. Meik Tischler, Trainer des A-Liga-Dritten TSV Amshausen: „Die gemeinsame Weihnachtsfeier der drei Seniorenteams und der Damenmannschaft oder Mannschaftsabende, das fehlt natürlich. Aber zum Glück ist der TSV solide aufgestellt und hat mit vielen Eigengewächsen einen großen Zusammenhalt. Andere werden es schwerer haben, weil in dieser Phase von einigen Vereinen bestimmt intensiv fremdes Personal angegraben wird.“ Hauptproblem sei aktuell das Verbot des gemeinsamen Trainings. Auch die Idee, sich auf einem großzügig bemessenen Parkplatz auf Abstand zu treffen und dann in den erlaubten Zweier-Gespannen eine festgelegte Strecke im Teuto zu laufen, hat der TSV-Coach mit Rücksicht auf die Schutzbestimmungen storniert.

Eckhard Lohmann vom TuS Langenheide spürt ebenfalls, dass sowohl im Männerteam (derzeit Zweiter der Kreisliga B) als auch bei den Bezirksliga-Damen die sportliche Abstinenz an den Nerven zehrt. „Natürlich haben die Trainer Programme in Sachen Kondition und Fitness rausgegeben. Aber seit klar ist, dass auch im Dezember nicht gespielt wird, lässt zweifellos die innere Bereitschaft nach.“ Wichtig seien Aktivitäten wie der Video-Mannschaftabend vor knapp zwei Wochen, für den Trainer Göksu Keles ein Quiz ausgearbeitet hatte.

Auch beim TuS mit seinen „gewachsenen“ Mannschaften bleiben sie trotz aller Alltags-Hindernisse gelassen: „Die sportliche Situation ist doch für alle nahezu gleich, lediglich Vereine mit nur einem Platz und ohne Kunstrasen haben einen Nachteil. Auch bei den Frauen mit einer 16er-Staffel habe ich die Hoffnung, dass sie die Hinserie zu Ende spielen“, sagt Lohmann, der Verband und Fußballkreis ein besonnenes Krisenmanagement bescheinigt.

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