Wie sich die Corona-Krise auf die Sportvereine im Altkreis Halle auswirkt
„Eine Delle – aber keine Krise“

Altkreis -

Kein Freizeit- und Amateursport auf öffentlichen und privaten Sportanlagen. Schwimmbäder und Fitnessstudios geschlossen – die Corona-Pandemie setzt auch den Breitensportvereinen im Altkreis massiv zu. Angst vor einem Mitgliederschwund gibt es aber bisher noch nicht.

Samstag, 28.11.2020, 10:10 Uhr
Vorturnerin: Lisa Dammeier bietet für die Spvg. Steinhagen Gymnastik zum Mitmachen über Videokonferenzen an. Mittwochs und sonntags wird aus dem Künsebecker Jumping-Studio von Claudia Dammeier gesendet. Foto: Marion Elkmann/Spvg. Steinhagen

 

Laut Angaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind in Deutschland 24,27 Millionen Mitglieder in Sportvereinen angemeldet. Der bayerische Landes-Sportverband hat bereits Alarm geschlagen und vermeldet eine Austrittswelle: 100.000 Mitglieder sind in Bayern im Laufe des Jahres ausgetreten (1,8 Prozent), 65. 000 haben ihren Austritt zum 1. Januar 2021 vormerken lassen. Im Kreis Gütersloh treiben 110.000 Menschen in 350 Vereinen Sport – wird auch diese Zahl deutlich schrumpfen?

 

Stefan Sahrhage ist Vorsitzender der Badminton-Abteilung des TV Werther und trainiert rund 40 Aktive in allen Altersklassen.

Herr Sahrhage, haben Sie Angst, dass viele der Badmintonspieler nach der Corona-Pause nicht mehr wiederkommen?

Sahrhage: „Nein. Wir stehen weiterhin in regem Kontakt. Nach dem ersten Lockdown waren alle hungrig und sofort wieder da. Die Halle war rappelvoll und das hoffe ich jetzt auch wieder.“

Gibt es besondere Angebote, um den Kontakt zu halten?

Sahrhage: „In der ersten Phase hatten alle ihre Trainingspläne, jetzt wissen sie, was zu tun ist. Der Crosstrainer ist Ehrensache – ich komme auch gerade vom Rad. “

Bei der Spvg. Steinhagen, dem größten Altkreisverein, hat sich Corona in den Statistiken bereits bemerkt gemacht. Die Zahl der Austritte bewegt sich nach den aktuellen Novemberzahlen mit 312 auf Niveau des Vorjahres (2019: 325, 2018: 332). Aber Kassierer Volker Cloes verzeichnete deutlich weniger Neuanmeldungen, nämlich nur 165 (statt in 2019 318 oder in 2018 308), so dass jetzt noch 1972 Mitglieder in den sieben Abteilungen der Sportvereinigung registriert sind. Marion Elkmann ist für das Marketing zuständig und trainiert außerdem im Handball-Bereich zwei Bambini-Mannschaften.

Frau Elkmann, welche Angebote kann die Spvg. ihren Mitgliedern momentan bieten?

Elkmann: „Mit meinen Bambini mache ich das Training aus dem Wohnzimmer über eine Videokonferenz. Zuletzt waren 20 Kinder dabei und haben sich bewegt. Die Seniorenabteilung macht es ähnlich. Außerdem gibt es mittwochs und sonntags für alle ein freies Mitmachangebot von Lisa Dammeier, die gerade ihr Sportstudium beendet hat und eine absolute Expertin ist. Es macht auf jeden Fall Spaß, ist aber auch kein wirklicher Ersatz – schließlich geht es im Vereinsleben neben Bewegung ja auch um das Miteinander.“

Wird das Vereinsleben langfristig unter der Corona-Pandemie leiden?

Elkmann: „Bei den Kleineren glaube ich das auf keinen Fall. Bei den 18-, 19- oder 20-jährigen hat der Körperkult zuletzt aber extrem zugenommen. Fast jeder hat ein zusätzliches Abo für die Muckibude. Ich hoffe, dass wir die Leute wieder in die Hallen – und dann in unser neues Hörmann-Sportzentrum bekommen.“

In allen umliegenden Sporthallen fühlt sich auch Hans Feuß zuhause. Der ehemalige Künsebecker Handball-Torhüter ist Vorsitzender des Kreissportbundes Gütersloh.

 

Herr Feuß, haben Sie schon Hilferufe von Vereinsvorsitzenden erreicht?

Feuß: „Bisher ist nichts an mich herangetragen worden. Der Ostwestfale an sich ist ja bodenständig und damit auch mit seinem Verein verbunden. Dort findet man ja nicht nur die Expertise für Bewegungen, sondern auch für soziale Kontakte. Und wenn es mal Probleme mit den Beitragszahlungen gibt, finden die meisten auch unbürokratische Lösungen.“

Trotzdem fehlen Einnahmen. Gibt es Vereine im Kreis, die von ihrer Existenz bedroht sind?

Feuß: „Es gibt Vereine, die sich über ihre Kurse, wie den Herzsport, finanzieren. Dort tut es natürlich weh. Aber wir haben eine relativ geringe Anzahl an hauptamtlichen Angestellten und überwiegend Ehrenamtliche, die teilweise sogar auf ihre Aufwandsentschädigung verzichten.“

Steht der Breitensport vor einer Krise?

Feuß: „Ich bin mir sicher, dass es nur eine Delle ist. Natürlich ist es bitter, dass momentan vom Schwimmkurs bis zum Handball nichts stattfinden kann, doch die Inzidenzwerte lassen keine Lockerungen zu. Wenn es dann hoffentlich bald wieder losgehen kann, glaube ich, dass die Sportarten gute Konzepte haben, um sofort wieder organisiert durchstarten zu können.“

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