Handballer diskutieren über Fortsetzung der Saison
Tscheche: „Abbrechen und annullieren“

Während der Online-Staffeltage des Handballverbands und auch danach ist zwischen den Vereinsvertretern eine Diskussion entfacht. Soll die Saison überhaupt fortgesetzt werden – und wenn ja wie?

Mittwoch, 25.11.2020, 09:06 Uhr
Ob oder wie auch Ralph Tscheche und „seine“ Landesliga-Handballerinnen in dieser Saison noch spielen, darüber wird derzeit diskutiert. Die Meinungen gehen weit auseinander. HSG-Coach Tscheche plädiert für einen Abbruch. Foto: Sascha Churt

Altkreis (WB) Derzeit macht sich jeder seine Gedanken. So möchte der HV Westfalen immerhin Mitte Dezember beim nächsten Staffeltag eine Abstimmung stattfinden lassen, wie die Saison weitergeht. Doch schon allein dies ist Anstoß der Diskussion, denn schließlich ist die Ausgangslage, dass man im Januar wieder trainieren und die Saison am letzten Januarwochenende fortsetzen kann.

Ob sich dies aber im Dezember überhaupt sagen lässt – und wie wahrscheinlich dies dann ist, das ist schon für die meisten Beteiligten fragwürdig. „Ich bin noch skeptisch, dass man im Februar wieder starten kann“ sagt etwa Union Halles Damenwart Jörg Fimmel und spricht damit vielen Vereinsvertretern aus der Seele.

„Wir werden dann etwas entscheiden und treffen uns zwei, drei Wochen später wieder, weil der Plan verworfen werden muss“ sagt beispielsweise Ralph Tscheche, Trainer der Landesliga-Frauen der HSG Werther-Borgholzhausen. Und viele stimmen dem zu, wie beispielsweise Trainer Yannick Hansel vom Oberligisten TuS Brockhagen: „Ich finde es bemerkenswert, wie viel Energie da jetzt reingesteckt wird. Die Frage ist aber, ob es so zielgerichtet ist, wenn jetzt auf blauen Dunst hin entschieden wird und dann doch wieder umgedacht werden muss, denn derzeit gibt es ja auch von der Politik noch nichts Konkretes. Man sollte sehen, zu welchem Zeitpunkt welche Option am besten ist.“ Vereinskollege und Abteilungsleiter Sven Meister stimmt ihm zu: „Sollte im Dezember noch nicht klar sein, ob im Januar wieder gespielt werden kann, dann sollte man an dem Fortsetzungs-Termin Ende Januar auch nicht länger festhalten. Man hat schon jetzt nach der letzten Pause eine hohe Anzahl an Verletzungen gesehen und sollte deshalb vorsichtig sein, dass die Zeit der Vorbereitung nicht zu kurz ist.“ Hansel gibt in dem Zusammenhang zu bedenken, dass seine Mannschaft erst ein Spiel Anfang Oktober absolviert hat und im neuen Jahr schon wieder drei Monate aus dem Spielbetrieb raus wäre. „Wir brauchen dann erst einmal wieder Zeit, um die Mädels nach so langer Zeit ohne Körperkontakt physisch fit zu bekommen“ sagt Hansel.

Auch hinsichtlich der in der Oberliga angedachten Corona-Schnelltests gibt es unterschiedliche Auffassungen: „Eine Alternative, über die man durchaus nachdenken kann, wenn es die einzige Möglichkeit bietet, überhaupt zu spielen“ befindet Meister und fügt hinzu: „Bei acht bis neun Euro pro Test fallen pro Spiel ungefähr 160 Euro an. Das muss ein kleiner Verein auch erst einmal stemmen, insbesondere wenn die Zuschauereinnahmen ausbleiben. Ich hätte jedoch vermutet, dass es viel teurer wäre.“ Hansel gibt ebenfalls zu bedenken: „Der Verband setzt da ein gewisses Budget bei jedem Verein voraus. Eine weitere Frage ist, ob die Tests dann auch in jedem Kreis anerkannt werden.“ Auch Sonja Schäper von der TG Hörste spricht von einer Ungewissheit bei den Verbandsligisten: „Einige haben sich Gedanken gemacht, wie es laufen soll, wenn im neuen Jahr wieder in den Kreisen unterschiedliche Zahlen herrschen und manche Spiele stattfinden können und andere wiederum nicht.“ Insgesamt stellen sich also noch viele Fragen. „Reicht da eine einfache Mehrheit und 29 von 57 Teams entscheiden dann womöglich über das weitere Vorgehen?“ fragt sich Tscheche auf die Landesliga bezogen und führt weiter aus: „Und dann sind das vielleicht sogar noch 29 Teams aus drei Staffeln, die für die anderen beiden Staffeln mitentscheiden. Ich mag da schon fast gar nicht mehr weiter darüber nachdenken.“ Auch hinsichtlich der geplanten K.O-Spiele im Best-of-Three-Modus nach der Hinrunde hat der Coach Bauchschmerzen: „Da kann es zu Ungerechtigkeiten kommen, wenn man zum Beispiel eigentlich als Tabellenfünfter locker gerettet wäre und nun plötzlich gegen den Tabellenletzten verliert und absteigt, weil der in zwei Spielen auf seine erste Mannschaft setzen kann. Das müsste im Vorfeld klar geregelt sein und ist mir im Moment zu schwammig.“ Auch Hansel hält es nicht für gerecht, wenn nur anhand von Hinspielen sich Paarungen für K.O.-Runden ergeben: „Dann lieber unsere Gruppen mit Hin- und Rückrunde austragen und anschließend die letzten absteigen lassen und die Tabellenersten anschließend Aufstiegsspiele bestreiten lassen.“

Tscheche plädiert, wie auch einige weitere Landesligisten, für eine Annullierung der Saison: „Ich bin echt handballverrückt und deshalb will das schon viel aussagen, wenn sogar ich für einen Abbruch plädiere.“ Er stellt sich aber die Frage, für wen die Saison unbedingt aufrecht erhalten bleiben soll. „Sollten aufgrund des engen Plans dann Doppelspieltage notwendig werden, erhöht sich doch das Risiko, dass bei einem positiven Test noch viel mehr Mannschaften in Quarantäne müssen. Da werden sicherlich auch einige Arbeitgeber kein Verständnis für ein Hobby aufbringen.“ Er gibt zu bedenken, dass es jetzt schon Spielerinnen gibt, die nicht spielen dürfen, weil sie in systemrelevanten Berufen im Rettungs- oder Pflegedienst tätig sind.

Auch Hansel meint, dass ein Saisonabbruch zumindest den Termin- und Leistungsdruck herausnehmen würde. Der Handballverband Westfalen argumentiert dagegen, dass der Handball präsent bleiben muss und warnt vor langfristigen Auswirkungen, wenn Nachwuchsspielern mit Ambitionen auf höhere Ligen keine Spielmöglichkeit geboten wird. Außerdem würden Sponsoren drohen, abzuspringen. Sonja Schäper sieht ebenfalls Schwierigkeiten, die Spielerinnen bei Laune zu halten: „Ich fände es schon schön, wenn noch in irgendeiner Weise die Saison zu Ende gebracht würde. Wir leben alle für den Sport und deshalb würde ich einen verfrühten Saisonabbruch auch hinsichtlich der Motivation aller Beteiligten für bedenklich halten.“

Tscheche hingegen sieht das Problem bei den Sponsoren höchstens für Oberligisten gegeben: „Bei uns wird jetzt keiner abspringen, weil wir – vermutlich ja ohnehin ohne Zuschauer – nicht spielen können.“ Er ist froh, wenn im neuen Jahr mit der eigenen Mannschaft wieder trainiert werden kann und man sich überhaupt sieht. Sollten es die Zahlen dann zulassen, könnten erste Testspiele durchaus Wettkampfcharakter bieten und im Zweifel ließe sich dann auch kurzerhand eine Art „Wilde Liga“ unter den Altkreis-Teams organisieren. Deshalb resümiert Tscheche: „Eine Annullierung ist die fairste und einfachste Lösung. Wir treffen uns dann einfach nach dem nächsten Sommer und freuen uns auf eine hoffentlich sorgenfreie Saison 2021/22, bei der die jetzigen Spielpläne übernommen werden können.“ Tscheche sieht nämlich noch weitere Probleme: „Nach Ostern sollen die Aufstiegsspiele für die Jugendlichen starten. Neue Schiedsrichter, die dort gebraucht werden, gibt es auch nicht, da ja auch keine weiteren Aus- und Fortbildungen stattfinden konnten. Die freien Hallenzeiten, wenn dann wieder alle Sportler in die Halle wollen, fallen auch nicht vom Himmel. Dann lasst doch lieber die Jugend vernünftig die Aufstiegsrunden für die nächste Saison absolvieren.“

Für Jörg Fimmel wäre auch eine Spielzeit wie vergangene Saison denkbar: „Wenn es möglich ist, bin ich für das Weiterspielen und folgende Regelung: Die Hinrunde zu Ende spielen, anschließend noch so viele Partien wie möglich absolvieren und danach mittels Quotientenregelung die Auf- und Absteiger ermitteln.“ Der Handballverband hat in diesem Zusammenhang klargestellt, dass es nicht erneut Wild-Cards geben würde. Sollte theoretisch eine Liga für einen Abbruch plädieren und die anderen Ligen spielen, so würde dies die abgebrochene Spielklasse weiter aufblähen. Deshalb – und da sind sich alle einig – macht es auf jeden Fall Sinn, hinsichtlich der Saisonfortsetzung eine einheitliche Lösung anzustreben.

Sonja Schäper bringt noch einen weiteren Ansatz aus ihrer Runde mit: „Es kam die Idee auf, die Saison über zwei Spielzeiten zu absolvieren, also über das eigentlich jetzige Saisonende hinaus.“ Bei dieser Variante gäbe es vermutlich aber gerade in den höheren Ligen noch rechtliche Aspekte wie auslaufende Spielerverträge zu klären.

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