Pickleball: Freddy Hegemann und Sven Kindsgrab trumpfen im Mixed auf. Trainerin Daniela Baldig holt zwei Titel
In Rekordzeit Deutscher Vizemeister

Halle (WB). Die Medaillen sind am eigens dafür gebauten Board befestigt. Sie erinnern vor allem an Halbmarathons und Marathon-Starts in bisher zehn europäischen Ländern – aber auch an so manchen Erfolg beim Tennis. Die neuesten Trophäen haben Seltenheitswert. Pickleball, ein Mix aus Badminton, Tennis und Tischtennis, ist nur den wenigsten Menschen in Deutschland ein Begriff. Die Künsebeckerin Freddy Hegemann hat Mitte September das erste Mal Bekanntschaft mit der Trendsportart gemacht. Nur wenige Wochen später ist die 38-Jährige als Deutsche Vizemeisterin von den nationalen Titelkämpfen aus Gelsenkirchen zurückgekehrt.

Freitag, 06.11.2020, 23:47 Uhr aktualisiert: 06.11.2020, 23:50 Uhr
Im Tennis und bei Laufveranstaltungen hat Freddy Hegemann schon viele Trophäen gewonnen. Neu in ihrer Sammlung sind die Pickleball-Medaillen.

Ihr Verein TV Deutsche Eiche Künsebeck erweitert immer mal wieder sein umfangreiches Kursangebot. In Corona-Zeiten ist Crossfit für Jugendliche und Hatha Yoga ebenso ins Programm aufgenommen worden wie eben Pickleball. Kursleiterin Daniela Baldig ist Feuer und Flamme von diesem Sport, seit sie für 13 Monate in Amerika gelebt hat. Die Sporttherapeutin versucht nun, den Trendsport, der jenseits des Atlantiks große Zuwachsraten verzeichnet, auch im Altkreis Halle zu etablieren. Beim TuS Borgholzhausen nehmen noch immer zwölf bis 14 Spieler der ersten Stunde regelmäßig an ihren Pickleball-Übungseinheiten teil.

In Künsebeck ist sie mit zwölf Anfängern gestartet. Dass die Neulinge Spaß und Ehrgeiz entwickeln, das hat Baldig gehofft. Dass zwei von ihren neuen Schützlingen aber sofort bei den Deutschen Meisterschaften durchstarten – und dort sogar der eigenen Trainerin Konkurrenz machen, damit ist nicht zu rechnen gewesen. Baldig: „Tennis- und Badminton-Spieler wissen natürlich, wie der Ball fliegt und welche Position sie auf dem Platz einnehmen müssen. Aber dass Freddy und Sven so schnell dieses Niveau erreichen, das hat mich doch überrascht.“

Die billigsten Schläger

Während Baldig früher in Borgholzhausen Basketball gespielt hat, nehmen bei Freddy Hegemann Tennis, Laufen und Crossfit einen großen Teil ihrer Freizeit ein. Auch für verrückte Ideen wie Golf im Wald oder im Steinbruch ist sie zu haben. Als aber ihr Künsebecker Vereinskollege Sven Kindsgrab nach nur wenigen Pickleball-Übungseinheiten eine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft anregt, glaubt sie zunächst an einen Scherz. „Ich habe ihm gesagt. Du hast doch einen Sockenschuss. Wir hatten je noch nicht einmal eigene Schläger“, erinnert sich Hegemann. Doch auch die Tatsache, dass Kindsgrab selbstbewusst und selbstverständlich in der Fortgeschrittenen-Konkurrenz statt bei den Anfängern antreten will, schreckt sie nicht ab. Schließlich schlagen die besten deutschen Spieler ja im sogenannten Profi-Wettbewerb auf. Und so wird der Plan tatsächlich in die Tat umgesetzt. Hegemann: „Wir haben uns angemeldet und im Internet die billigsten Schläger, die angeboten wurden, besorgt.“

Corona hat viele Sportler abgeschreckt. Doch immerhin 70 der ursprünglich 200 angekündigten Pickleball-Enthusiasten stehen in der Gelsenkirchener Gesamtschule Berger Feld bereit. Einige wollen nur Spaß haben, andere es in die Siegerliste einer Deutschen Meisterschaft schaffen. „Klack, klack, klack“, schallt es durch die Halle, als die Schläger die knallpinken und etwa tennisballgroßen Bälle treffen. Gespielt wird auf einem Badminton-Doppelfeld, charakteristisch ist ein Schlagabtausch am Netz.

Einen Namen gemacht

Während im Einzel die Resonanz überschaubar ist und schon zwei Siege zum Titelgewinn reichen, sind die Doppel-Wettbewerbe umkämpft. Viele der Teilnehmer kennen sich von anderen Turnieren, die Pickleball-Szene in Deutschland ist familiär. Und die Nobodies des TV Deutsche Eiche Künsebeck? Sie machen sich gleich bei ihrem ersten Wettkampf einen Namen. Freddy Hegemann und Sven Kindsgrab gewinnen im Mixed vier Mal und müssen sich erst im Finale hauchdünn geschlagen geben – 10:12 im Entscheidungssatz gegen ihre Trainerin Daniela Baldig, die auch im Einzel triumphiert und Doppel-Vizemeisterin wird. „Zu trainieren ist nett. Aber noch mehr lernt man in solchen Matches“, sagt Hegemann. Im Tennis bringt sie mit ihrem Slice die Gegner oft zum Verzweifeln. Da trifft es sich gut, dass diese Technik auch beim Pickleball Erfolg bringt, ebenso wie das Netzspiel. „Mit Sven im Mixed und meiner Doppel-Partnerin Tanja Fladrich hat es gepasst – auch weil wir die richtige Mischung aus Spaß und Ehrgeiz gefunden haben.“ Freddy Hegemann hat Blut geleckt und sich mit ihrer Partnerin aus dem Pickleballclub Buer, mit der sie auf Anhieb Platz drei belegt hat, bereits für ein Turnier in Holland verabredet – wenn irgendwann Corona kein Spielverderber mehr ist. Die erste internationale Pickle Ball-Medaille würde ihre Trophäensammlung gewiss aufwerten.

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