Sport in Zeiten von Corona: Ganz unterschiedliche Entscheidungen der Verbände
Zwischen Normalität und Verunsicherung

Halle (WB). Spielausfälle häufen sich, die westfälischen Verbände verschiedener Hallensportarten haben auf die steigenden Corona-Zahlen reagiert und die Saison verschoben oder unterbrochen. Das gilt allerdings nicht für die Handballer. Und anders als in anderen Landesverbänden wird in Westfalen auch weiterhin Fußball gespielt.

Montag, 26.10.2020, 23:29 Uhr
Tischtennis zum Beispiel wird dieses Jahr nicht mehr gespielt. Ein Kontaktsport wie Fußball ist dagegen noch möglich. Foto: Sören Voss

Fußball

Im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) wird der Spielbetrieb (zumindest vorerst) nicht unterbrochen. Darauf haben sich Vertreter des FLVW und die Vorsitzenden der Fußballkreise Ende vergangener Woche in einer Videokonferenz ausgesprochen. „Der Fußball ist nicht dafür verantwortlich, dass die Inzidenzwerte steigen. Es gibt bislang keine nachweisbaren Fälle, in denen sich Spieler untereinander auf dem Spielfeld angesteckt hätten“, betonte der für den Amateurfußball verantwortliche Vizepräsident Manfred Schnieders. Im westfälischen Verbandsgebiet waren vor dem aktuellen Spieltag von den rund 25.500 angesetzten Partien im Amateur- und Jugendfußball in der aktuellen Spielzeit 436 ausgefallen. 98,2 Prozent der Begegnungen konnten durchgeführt werden. „Wir möchten nicht den Eindruck erwecken, die Saison durchzuprügeln. Aber dort, wo es möglich ist, wollen wir den Spielbetrieb anbieten“, sagte Schnieders. Zudem gäbe es aus der Staatskanzlei der Landesregierung Nordrhein-Westfalens aktuell keine Signale, das Fußballspielen zu untersagen. Entscheidungen der örtlichen Gesundheitsbehörden werde man aber vollumfänglich unterstützen. „Sollte sich das Infektionsgeschehen oder die politische Verfügungslage in den kommenden Wochen ändern, ist der FLVW jederzeit in der Lage, flexibel und angemessen auf die Auswirkungen für den Spielbetrieb zu reagieren“, kündigte FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski an.

Im Fußballkreis Bielefeld/Halle finden dagegen keine Jugendspiele von Kreisliga-Mannschaften statt. Die Zwangspause ist vom Kreisjugendausschuss zunächst einmal bis zum 1. November verlängert worden. „Die Corona-Zahlen sind weiter gestiegen, ein Ende ist noch nicht abzusehen. Jetzt den Spielbetrieb wieder aufzunehmen macht daher keinen Sinn“, sagt Thorsten Werner, Koordinator Spielbetrieb: „Die klare Aussage der Kanzlerin und vieler Experten besagt, dass eine Reduzierung der Kontakte unbedingt notwendig ist. Nun etwa 350 Jugendmannschaften samt Trainer, Betreuer und Eltern durch den Fußballkreis zu schicken, erscheint uns kontraproduktiv.“ Jeder Verein muss allerdings selber entscheiden, ob weiter trainiert wird.

Derweil sind die Fußballfrauen von Phönix Höxter zu ihrer Landesliga-Partie gegen DSC Arminia II nicht angetreten „Wir hatten aufgrund der steigenden Zahlen - und weil Bielefeld ein Corona-Hotspot ist - große Bedenken, das Heimspiel gegen Arminia zu bestreiten. Die Gesundheit steht vor dem Fußball. Die Vereine und die Trainer tragen eine große Verantwortung. Deshalb haben wir uns mit dem Vorstand und der Mannschaft einvernehmlich entschieden, dass wir nicht spielen“, sagte Phönix-Trainer Philipp Müller. Dass die Partie für Bielefeld gewertet wird, enttäuscht den Coach: „Es ist schade, dass vom Staffelleiter und vom Verband für unsere Entscheidung kaum Verständnis gezeigt wurde und es keine einheitliche Linie gibt. Wir hätten auch als Tabellenführer so entschieden und nehmen, falls wir zukünftig erneut nicht antreten, auch den Abstieg in Kauf.“ Man habe ein Zeichen setzen wollen, denn so Müller: „Die Gesundheit hat absoluten Vorrang.“

Handball

Keine generelle Aussetzung des Spielbetriebs, aber die Möglichkeit zur Verschiebung von Partien ohne Verlegungsgebühr oder Ordnungsgelder, wenn Mannschaften aus Risikogebieten beteiligt sind. Die Verantwortlichen im Handballverband Westfalen (HVW) und im Handballkreis Gütersloh bleiben vorerst bei dieser Regelung.

In der Bezirksliga treten Mannschaften aus den Handballkreisen Gütersloh und Bielefeld-Herford an. Hier haben die Teams bis zum 28. Oktober die Möglichkeit, ihre Meinung kundzutun. Es gibt folgende Optionen – 1. aktuell am Spielbetrieb festhalten (Verlegungen sind dennoch kurzfristig und kostenfrei möglich). 2. im laufenden Spielbetrieb bis zum 15.11./30.11./15.12. oder 31.12. pausieren. Die betreffenden Spiele würden abgesetzt. Es ist damit zu rechnen, dass es eine ähnliche Umfrage auch für die heimischen Mannschaften unterhalb der Bezirksliga geben wird. Im Handballkreis Lippe wird ab sofort der komplette Spielbetrieb auf Kreisebene (Bezirksliga abwärts) zunächst bis zum 30. November ausgesetzt.

Volleyball

Der Westdeutsche Volleyball- Verband hat im Rahmen seiner Präsidiumssitzung einstimmig beschlossen, dass der Spielbetrieb (Oberliga bis Kreisliga) bis zum 22. November pausiert. Die Spiele, die in diesem Zeitraum nicht stattfinden, werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Für Mannschaften, die dennoch im erwähnten Zeitraum ihre angesetzten Partien absolvieren möchten, besteht die Möglichkeit, dies zu machen, sofern die Hygienevorgaben vor Ort eingehalten werden. Wichtig ist dabei, dass die Austragung der Spiele von beiden Mannschaften gewünscht wird. Der SC Halle würde gerne weiterspielen. „Wir sind sehr vorsichtig. Selbst bei möglichen Infektionen über drei Ecken haben unserer Spieler mit dem Training ausgesetzt“, sagt Trainer Bori Rzeha. Die nächste Verbandsliga-Partie der Frauen wird allerdings auf Wunsch von Gegner Holzhausen verschoben. Ob das nächste Oberliga-Spiel der Haller Männer stattfindet, darüber will Gegner Pivitsheide bis Dienstagabend entscheiden.

Tischtennis

Der Westdeutsche Tischtennis- Verband hat eine Saison-Unterbrechung bis 31. Dezember angeordnet. Das betrifft alle Klassen von der NRW-Liga an abwärts. Statt einer Hin- und Rückrunde wird eine einfache Runde gewertet. Alle noch nicht ausgetragenen Vorrunden-Partien werden gestrichen. Die Saison soll ab Januar 2021 fortgesetzt werden. Hierfür werden nur die Spiele der geplanten Rückrunde herangezogen, sofern sie in der Vorrunde nicht stattgefunden haben.

Badminton

Der Badminton-Landesverband NRW sieht keine Möglichkeit zu einer allgemein gültigen Aussage hinsichtlich des Spielbetriebs und verweist auf die behördlichen Vorgaben der entsprechenden Kreise und Städte. Die Westdeutschen Jugendmeisterschaften, die von Freitag bis Sonntag in Mülheim stattfinden sollten, sind dagegen abgesagt worden. Die Stadt Mülheim hatte für diese Veranstaltung eine Personen-Obergrenze von maximal 100 festgelegt und einen Eilantrag auf eine Ausnahmegenehmigung abgelehnt. Davon betroffen waren auch TV Werthers Talente Johanna Latteck und Mattis Rothe, die sich für die Titelkämpfe qualifiziert hatten.

Basketball

Der Westdeutsche Basketball Verband verlegte den Saisonstart von der Oberliga bis zur Kreisliga vom 31. Oktober auf Januar 2021.

Kommentar

Die Sehnsucht nach Normalität trifft auf die Verunsicherung angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen. Das gilt auch für den Sport. Die einen wollen unbedingt weiter um Tore oder Punkte kämpfen. Andere halten die Fortsetzung des Spielbetriebs für unverantwortlich und fordern von den Verbandsvertretern eine Unterbrechung des Spielbetriebs.

Diese haben ganz unterschiedliche Entscheidungen getroffen. Tischtennis und Basketball werden in diesem Jahr nicht mehr gespielt. Volleyballer dürfen noch antreten, wenn beide Teams es wollen. Die Handball- und Fußball-Saison wird (mit Ausnahmen) vorerst fortgesetzt.

Das ist allen kritischen Stimmen zum Trotz legitim, solange die Politik zu keinem anderen Schluss kommt. Schließlich entscheiden Berufspolitiker, die von Epidemie-Experten beraten werden – und einen ganz anderen Hintergrund haben als ehrenamtliche Sportfunktionäre.

Dennoch: Auch wenn es keine Generalabsage des Fußball- und Leichtathletikverbandes sowie des Handballverbandes Westfalen gibt: Jeder Spieler, jede Mannschaft sollte das Recht haben, bei einem unguten Gefühl nicht anzutreten – ohne dafür mit Ordnungsgeldern und Punktabzügen bestraft zu werden. Dass dies einige Teams mit personellen Sorgen ausnutzen könnten, muss in diesen nie dagewesenen Zeiten hingenommen werden. Stephan Arend

 

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