Handball-Landesliga zwischen den Spielzeiten (Teil 1) : Hörste will aus dem eigenen Unterbau Marco Stutzki und Arne Grabowski ersetzen. Viele Veränderungen gibt es bei Spvg. Hesselteich und SF Loxten II.
TG ist auch ohne zwei Trümpfe angriffslustig

Halle/Versmold (WB). Schon die Spielzeit 2018/19 endete in der Handball-Landesliga mit einem denkwürdigen Finish: Mit einem einzigen Tor Vorsprung im direkten Vergleich schnappte TuS Brockhagen der punktgleichen TG Hörste (je 46:6) den Aufstieg weg. Die Saison 19/20 geht ebenfalls in die Geschichtsbücher ein: vorzeitiges Ende am 8. März, wochenlang lähmende Ungewissheit wegen der Corona-Pandemie. Wie geht es jetzt weiter? Mit der Zielsetzung „Saisonstart am 3. Oktober“ und der Verkündung des Spielmodus für alle Klassen hat der Handballverband Westfalen einen wichtigen Fixpunkt gesetzt. Aber der allgegenwärtige Corona-Schatten verdüstert speziell im Kreis Gütersloh weiterhin die sportlichen Vorbereitungen.

Donnerstag, 02.07.2020, 23:15 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 23:30 Uhr
Wie ein Neuzugang zu sehen: Nach seiner Weltreise läuft der hochtalentierte Lukas Burstädt wieder für Landesligist TG Hörste auf. Foto: Jens Horstmann

TG Hörste

Die aktuelle Situation : Jahrelang war er Spielmacher der Hörster „Ersten“, fünf Jahre lang hat er erfolgreich die A-Jugend trainiert, ist im Verein fest verwurzelt. Matthias Baier ist zuzutrauen, dass er trotz der schwierigen Umständen der Corona-Krise auf der Trainerposition das Optimum für die TGH rausholt. Der 38-Jährige hätte sich zum Start sattelfestere Planungsbedingungen gewünscht: Bis Ende Juni konnte sein Team erst zweimal in der Halle trainieren. Aber der Ur-Hörster, der vom spielenden „Co“ Heiko Schuster unterstützt wird, weiß genau, was ihn erwartet: „Bis auf Lennart Philipp habe ich entweder mit den Jungs in unserem Kader selbst noch zusammengespielt oder aber ich habe sie in der Jugend trainiert.“

Die abgebrochene Saison: Nach dem knapp verpassten Aufstieg vor Jahresfrist wieder eine unglückliche Dramaturgie für die Rothosen: Im Auftaktspiel (22:22) verpassten sie nach 19:16 und 21:19 den Sieg gegen den späteren Meister Verl, scheiterten dann bis zum Jahreswechsel (13:9 Punkte) mehrfach an den eigenen Nerven und mussten die vorzeitige Trennung von Trainer Christian Blankert verdauen. Mit dem Spielertrainer-Gespann Marco Stutzki/Heiko Schuster und Bank-Coach Tom Bäumer schwang sich die Mannschaft zu einer 12:4-Punkte-Serie und etlichen Kantersiegen auf. Aber als die Hörster endlich vor Selbstvertrauen strotzten, grätschte Corona dazwischen, sodass der Vormarsch auf Platz drei (25:13 Zähler) endete.

„Das nächste Spiel wäre in Werther gewesen, dann noch Telgte und Ladbergen. Wir hatten uns nach dem guten Lauf das Ziel gesteckt, kein Spiel mehr zu verlieren. Und ich bin überzeugt, dass wir das hätten schaffen können“, sagt Tom Bäumer. „Deshalb hat es uns schon geärgert, dass wir beim erweiterten Aufstieg nicht dabei waren, auch wenn es Werther jeder gönnt.“ Was Bäumer besonders beeindruckt hat: der einwandfreie Charakter und die extrem hohe Eigenmotivation des Teams.

Der Ausblick: Zwei Eckpfeiler brechen im Rückraum weg. Marco Stutzkis Umzug nach Köln war bereits lange angekündigt. Dass sich Arne Grabowski jetzt entschlossen hat, sein Studium in Kiel statt in Bielefeld fortzusetzen, kam indes überraschend. Er hatte sich nach langer Verletzungspause seit Anfang 2019 zum echten Leistungsträger gemausert „und sollte in Angriff und Abwehr eine wichtige Rolle übernehmen“, so Trainer Matthias Baier. „Die Abgänge tun weh, aber wir wollen wieder angreifen und haben eine gute Basis.“

Aus dem starken Unterbau stoßen weitere interessante Spieler zum Team: Linkshänder Hendrik Zöllner (nach seiner Rückkehr aus Isselhorst zuletzt in der Zweiten) will sich in der Landesliga durchsetzen. Der hochtalentierte Lukas Burstädt ist nach der Rückkehr von einer Weltreise wie ein Neuzugang zu sehen. Ähnliches gilt für den Ex-Steinhagener Lennart Philipp. Dem Allrounder wünscht Baier endlich eine verletzungsfreie Saison, er sieht ihn auch als Rückraum-Alternative. Als dritter Barrelmeyer rückt Tobias (LA/RM) aus der Zweiten auf. Die A-Jugendlichen Philipp Herschel (Linkshänder) und Silas Burstädt (Allrounder) wollen sich ebenfalls aufdrängen.

Spvg. Hesselteich

Nach der Zitterpartie ein Jahr zuvor ist das Team aus dem kleinsten Dorf der Landesliga mit 21:17 Punkten auf Platz sechs in die obere Hälfte gestürmt – oder hat sich besser gesagt aufopferungsvoll in der Tabelle nach oben verteidigt. „Die Jungs haben endlich Bock gehabt, Deckung zu spielen“, spitzt Trainer Dennis Laumann das Erfolgsrezept zu. 461 Gegentore in 19 Spielen – nur die beiden Aufsteiger Verl und Werther waren besser. Daran hatten auch Keeper Bastian Latussek und die Heimstärke großen Anteil. Vorne war der langfristige Ausfall von Andreas Kattenbaum und Yannik Mithöfer nicht immer zu kompensieren. Linkshänder Kattenbaum kommt hoffentlich schnell wieder auf Touren, Mithöfer hofft, dass seine Rückkehr nach Kreuzbandriss möglichst bald gelingt. Denn die beiden Haupttorschützen müssen ersetzt werden: Ausnahmetalent Aaron von Ameln versucht es bekanntlich bei Oberligist SF Loxten, Jan Wagemann kehrt in die „Zweite“ zurück. Und Rückhalt Latussek tritt kürzer, will das Team nur noch als Getränkewart unterstützen. Gelegenheit für die Neuen Erik Springer (TV Isselhorst/Rückraum) und den körperlich starken Lukas Uekötter (Harsewinkel II), sich zu profilieren. Laumann: „Außerdem wollen wir über eine zusätzliche Deckungsvariante öfter ins Gegenstoßspiel kommen.“

SF Loxten II

Nach 12:26 Punkten und dem drittletzten Platz der „Quotiententabelle“ darf die Zweite dank der Abstiegs-Amnestie wegen Corona in der Landesliga weitermachen. Wie für Hesselteich und Hörste geht es in der Elfer-Staffel gegen einige neue Gegner wie Hillentrup, Schloß Neuhaus, Müssen, Warendorf und drei Bielefelder Teams. Andreas Popke, der im Januar gemeinsam mit René Kirchhoff für den zurückgetretenen Spielertrainer Christian Bauer einsprang, ist zuversichtlich, dass der neue Trainer Thilo Stinhans die richtigen Weichen stellt. Zumal sich Routinier Marcel Hermann jetzt doch zum Weitermachen entschlossen hat. Popke: „Thilo ist jung, sehr innovativ und bringt neue Ideen rein. Alle Spieler haben nach der langen Pause richtig Bock. Wir hoffen, dass sie dem Druck bei vier Absteigern von elf Teams standhalten.“ Veränderungen im Kader – Zugänge: Fabian Redecker (Brockhagen), Louis Düpjohann (Harsewinkel II), Linus Stieler, Yannik Grube, Fabian Popke (alle JSG-Jugend); Abgänge: Christian Bauer, George Samu (beide HSG Gütersloh), Norman und Pascal Temme (Hesselteich II), Felix Eggert (Hesselteich III), Danny Sandkühler (Co-Trainer).

 

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