Prämierte Promotion von Ex-Radprofi Daniel Westmattelmann zum Thema Doping
Sperren schrecken Spitzensportler ab

Gütersloh (WB). Als Studienkollegen von einer Untersuchung zum Thema Steuerhinterziehung erzählten, kam dem früheren Radprofi und Wirtschaftswissenschaftler Daniel Westmattelmann die Idee, eine vergleichbare Auswertung zum Thema Doping zu machen.

Mittwoch, 06.02.2019, 08:00 Uhr
Die Ergebnisse der Simulationsauswertung von Daniel Westmattelmann, hier im Trikot der RSG Harsewinkel, stoßen auch bei der Weltantidopingagentur WADA auf Interesse. Foto: Robert Becker

Westmattelmann, der aus Ahlen stammt, als Jugendfahrer einige Jahre bei der RSG Harsewinkel aktiv war und dem Gütersloher Radsportpublikum von verschiedenen Auftritten beim City-Radrennen des RSV bekannt sein dürfte, hat das Thema mit einer kürzlich prämierten Promotion im Fach Wirtschaftswissenschaften aufgegriffen. Bei der Weltantidopingagentur WADA und Doping-Agenturen aus den Niederlanden und Dänemark stießen die Ergebnisse seiner Simulationsauswertung auf großes Interesse. Kernaussage seiner Erkenntnis lautet: Nur eine Sperre, weniger eine Geldstrafe, hielten Spitzensportler vom Doping ab, sagt Westmattelmann.

Komplexes Programm mit einem 5000-Zeilen-Code

Eine interdisziplinäre Arbeit sei das gewesen. Sportwissenschaft, Informatik, Betriebswirtschaft und Psychologie hätten ihre Anteile, sagt der 31-Jährige. Als Datenbasis wurden indes keine neuen Sportlerbefragungen gemacht sondern bestehendes Datenmaterial ausgewertet. Ein komplexes Programm mit einem 5000-Zeilen-Code hat er dafür erstellt. Eine Population mit 100 »künstlichen Athleten« wurde eingerichtet. »Diese Personen machen Wettkämpfe, können rational entscheiden und sind Teil eines sozialen Netzwerkes«, beschreibt Westmattelmann die Vorgaben. Sich dem Doping-Problem mit einem analytischen Modell zu nähern statt über Befragungen mit Stift und Papier, sei völlig neu gewesen, sagt er.

Wenn ich mehr kontrolliere, dann dopen weniger.

Daniel Westmattelmann

Westmattelmann sieht die Ergebnisse der vor wenigen Tagen mit 2000 Euro prämierten Arbeit (Dombret-Promotionspreis der Uni Münster) realitätsnah abgebildet: Ein Prozent der Spitzensportler wurden laut Simulationsmodell des Dopings überführt, diese Zahl nenne auch die WADA. Bei 14 bis 39 Prozent liege die sogenannte Dunkelziffer, auch hier liegen die Erkenntnisse der WADA gleichauf. Unter Dunkelziffer seien auch die Athleten gefasst, die irrtümlich und somit ungewollt dopen, weil sie beispielsweise ein Medikament unwissentlich benutzten. Eine weitere Erkenntnis gewann der Ex-Radprofi: Das Netz werde durch die zunehmende Zahl der Untersuchungen engmaschiger. »Wenn ich mehr kontrolliere, dann dopen weniger«, so Westmattelmanns Folgerung.

Wie hat die Radszene reagiert? Nach wie vor ist es eher ungewöhnlich, dass ein Fahrer nach außen als aktiver Doping-Bekämpfer auftritt. »Ein paar Teamkollegen haben mich darauf angesprochen. Ansonsten war es in der Radszene kein Riesenthema«, sagt Westmattelmann. Im Blickpunkt stand schließlich der Spitzensport im Allgemeinen, nicht der Radsport im Besonderen. Im letzten Schritt seiner Untersuchung hat Westmattelmann dann Befragungen durchgeführt, mit Radprofis und Leichtathleten der Nationalmannschaft, um die Ergebnisse der Simulation abzusichern.

Die Dopinglabore in der Welt machten einen guten Job

Die Dopinglabore in der Welt machten einen guten Job, sagt Daniel Westmattelmann. Er selbst sei als Aktiver häufig untersucht worden. »Das Netz wird engmaschiger, aber das heißt nicht, dass der Sport sauberer wird«, sagt er.

Westmattelmann, der am 3. Oktober 2018 beim Münsterlandgiro sein letztes Profi-Radrennen bestritt, will an diesem Thema dranbleiben. Nach der Summa-Cum-Laude-Promotion strebt er in fünf oder sechs Jahren eine Habilitierung an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster an. Die groben Inhalte seiner nächsten Arbeit hat Dr. Daniel Westmattelmann bereits abgesteckt: »Wir wollen Langzeituntersuchungen machen, Substanzklassen und das Wistleblowing einführen und Spielemanipulationen im Tennissport untersuchen.«

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