Wirbel beim Turnier der Gütersloher Futsal Freakz: Bielefelder Mannschaft reist aus Protest vorzeitig ab Flüchtling bestreitet rassistischen Spruch

Gütersloh (WB). Mittlerweile trainieren und spielen etwa 60 Flüchtlinge bei den Futsal Freaks Gütersloh. »Dieser Verein leistet vorbildliche Integrationsarbeit«, lobt der bei der Westfalenpokal-Vorrunde anwesende westfälische Beauftragte Uli Clemens den Ausrichter. Da passt es gar nicht ins Bild, dass ausgerechnet ein FFG-Akteur, der selbst ein Flüchtling ist, einen Kicker des FC Mauz Bielefeld II rassistisch beleidigt haben soll.

Von Uwe Caspar
Die Futsal Freakz-Kicker Mamadou Barry (von links), Hisham Makrum und Matthias Kutynioki im Spiel gegen den FC Newcomer Lengerich, der sich wie UFC Paderborn II, Sparta Paderborn und White Tigers Bielefeld für die Westfalenpokal-Endrunde qualifizierte.
Die Futsal Freakz-Kicker Mamadou Barry (von links), Hisham Makrum und Matthias Kutynioki im Spiel gegen den FC Newcomer Lengerich, der sich wie UFC Paderborn II, Sparta Paderborn und White Tigers Bielefeld für die Westfalenpokal-Endrunde qualifizierte. Foto: Uwe Caspar

»Scheiß Flüchtlingskinder«, diese verunglimpfende Äußerung soll der zuvor verbal provozierte Quendrim »Benni« Ilasi nach Abpfiff der Mauz-Mannschaft zugerufen haben, was der Gütersloher aber energisch bestreitet.

Bielefelder treten aus Protest nicht mehr an

»Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Benni so etwas gesagt haben soll«, wundert sich Organisator Jürgen Wittwer über den brisanten Vorwurf der Gäste. Wie auch immer: Weil die Turnierleitung der Aufforderung des Mauz-Teams, Ilasi komplett auszuschließen, nicht folgen mag, treten die Bielefelder aus Protest nicht mehr an.

Obwohl IIasi seine Unschuld beteuert, geht er auf einen Kompromiss ein. »Wenn du dich entschuldigst, wirst du nur für ein Spiel gesperrt und kannst danach weitermachen«, bedeutet ihm der Schiedsrichter.

Der Futsal-Fußballer weiß zwar nicht, wofür er sich eigentlich entschuldigen soll, lässt sich aber auf den Kuhhandel ein. »Allerdings nur, weil er seine Mannschaft nicht schwächen wollte«, merkt Jürgen Wittwer an.

Partien werden aus der Wertung genommen

»Die Geschichte, die auf keinen Fall einen rassistischen Hintergrund hat, sollte man nicht zu hoch kochen«, meint der Futsal-Beauftragte Uli Clemens. Alle bis zu dem Vorfall ausgetragenen Partien mit FC Mauz-Beteiligung werden aus der Wertung genommen.

»Praktisch haben sie also nicht teilgenommen am Turnier«, sagt Jürgen Wittwer ergänzend. Er ist stolz auf die zweite Freaks-Garnitur, die sich aus Flüchtlingen rekrutiert und die meisten ihrer Spiele nur knapp verliert.

Gegen FC Schwerte erkämpft sich die sieglose gebliebene Multikulti-Truppe ein 0:0. »Trotz der verschiedenen Nationalitäten verstehen sie sich untereinander hervorragend«, versichert Wittwer.

Weil für beide Teams nicht genügend Trikots zur Verfügung stehen, fährt er während des Turniers nach Hause, um im Schnelldurchgang die verschwitzen Hemden und Hosen zu waschen. Freaks I, Dritter in ihrer Gruppe, verpassen nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz den Sprung in die Pokal-Endrunde.

Annelie Jaene ist die einzige Frau im westfälischen Futsal

Die Vorrunde in der Sporthalle Ost sorgt für eine Besonderheit: Als einzige Frau im westfälischen Futsal kickt Annelie Jaene mit. Die 22-Jährige verstärkt seit zwei Jahren das Uniteam UFC Bielefeld.

»Wenn ich in der Halle auftauche, denken die meisten, dass ich nur Zuschauer bin«, berichtet die Studentin schmunzelnd. Sie habe kein Problem im Umgang mit den Männern. »Mich nervt nur, dass es für mich oft keine Extrakabine gibt«, lächelt sie.

Annelie Jaene kann unbesorgt mitspielen, weil sie keinem anderen Klub angehört. Viele Trainer sehen es nicht so gern, wenn sich ihre Akteure zusätzlich dem Futsal widmen.

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