Fußball: Einige Liga-Konkurrenten zeigen nach der Spielabsage wenig Verständnis für TuS Solbad
„Nichtantritt ist Wettbewerbsverzerrung“

Halle (WB/nim/star). TuS Solbad Ravensberg ist am Sonntag zum Meisterschaftsspiel der Fußball-Kreisliga B bei Türk Sport Bielefeld II nicht angetreten. Diese Entscheidung hat auch Unverständnis und Kritik hervorgerufen. So ist zum Beispiel von Wettbewerbsverzerrung die Rede.

Mittwoch, 04.03.2020, 08:00 Uhr
TuS Solbad (hier in der Partie gegen Türk Sport Steinhagen) ist zum Rückspiel bei Türk Sport Bielefeld II nicht angetreten. Foto: Nicolas Metting

„Ich hätte gerne gespielt, aber die jungen Spieler aus meiner Mannschaft haben gesagt, dass sie es nicht einsehen, dort anzutreten“, sagte TuS-Trainer Serdar Özkan. Er berichtete von Beleidigungen und Bedrohungen im Hinspiel. Solbads Altkreisnachbar Türk Sport Steinhagen kommt dagegen mit dem Bielefelder Team gut aus. „Die Spieler von Türk Sport sind uns gegenüber sehr respektvoll. Es ist ein freundschaftliches Verhältnis. Dass sie Impulsiv werden können, weiß ich, aber das darf man nicht überbewerten“, sagt Steinhagens Trainer Ergün Deli, der selbst acht Jahre bei Türk Sport Bielefeld gespielt hat. Auch Werthers Trainer Timo Siebrasse hat keine negativen Erfahrungen mit dem Türk-Sport-Team gemacht: „So schlimm kann ich mir das nicht vorstellen. Ich bin selbst schon von Solbad-Anhängern beleidigt worden. Die sind auch keine Kinder von Traurigkeit“. Dass die Partie nun kampflos an das Kellerkind geht, ärgert Siebrasse, zumal sein Team noch längst nicht gesichert ist: „Für Vereine, die ebenfalls um den Klassenerhalt kämpfen, ist ein Nichtantritt Wettbewerbsverzerrung.“

„Nicht überbewerten“

Hüseyin Berk ist Trainer von Türk Sport Bielefeld II. Er kann Solbads Entscheidung nicht nachvollziehen. „Ein paar harmlose Beleidigungen gibt es leider immer auf dem Sportplatz. Aber wenn wir angeblich so schlimm sein sollen, wieso haben andere Mannschaften mit uns keine Probleme? Der Schiedsrichter hätte bei Bedrohungen einen Sonderbericht verfasst. Im Spielbericht ist unter sonstige Anmerkungen aber auch nichts eingetragen“, blickt Hüseyin Berk auf das Hinspiel zurück. Genau das war allerdings ein Kritikpunkt von Solbads Coach Serdar Özkan, der ein hartes Durchgreifen des Referees vermisste.

Schon 2018 ein Thema

„Verbale Gewalt“ bei Spielen des FC Türk Sport war bereits im September 2018 ein großes Thema in der Kreisliga A. Damals trat GSV Cosmos zum Spiel bei FC Türk Sports erster Mannschaft nicht an, um nach eigenen Worten auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Der Fußballkreis reagierte auch aufgrund dieses Vorfalls mit einem Runden Tisch der A-Liga-Trainer und Schiedsrichter-Vertreter unter dem Motto: „Hart zum Ball, fair zum Gegner.“ Hans Keuch zog in seiner Funktion als Vizevorsitzender des Fußballkreises damals ein positives Fazit und kündigte an, solche Zusammenkünfte auch in anderen Kreisligen durchzuführen: „Das hat sich gelohnt und schreit förmlich nach einer Fortsetzung.“ Laut Keuch habe es im Nachgang noch eine weitere Veranstaltung mit Beteiligten der ehemaligen „Problemstaffel 1 der B-Liga“ gegeben. Danach wurde das Projekt allerdings nicht weiter vorangetrieben. Keuch will den Verzicht von TuS Solbad nun zum Anlass nehmen, das Thema „Runder Tisch“ im Kreisvorstand wieder aufzugreifen.

 

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