Arminias neuer Trainer war schon im Dezember 2018 Kandidat – Verständnis für Unmut der Fans
Kramer und das schwere Erbe

Bielefeld (WB) -

Fast hätte es die Ära Uwe Neuhaus bei Arminia Bielefeld – inklusive Bundesligaaufstieg – gar nicht gegeben.

Mittwoch, 03.03.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 09:03 Uhr
Der neue Trainer gibt die ersten Anweisungen: Frank Kramer erklärt den DSC-Profis anhand einer Taktiktafel seine Vorstellungen. Foto: Thomas F. Starke

DSC-Sportgeschäftsführer Samir Arabi sagte am Dienstag bei der Vorstellung des Neuhaus-Nachfolgers Frank Kramer: „Wir verfolgen den Weg von Frank schon recht lang. Vor der Verpflichtung von Uwe Neuhaus hatten wir schon einmal Kontakt. Wir wollten ihn damals schon gerne für uns gewinnen, aber er war zu dem Zeitpunkt vertraglich gebunden.“

Nun ist Kramer, der Mitte Dezember 2018 als U18-Coach beim Deutschen Fußball-Bund arbeitete, doch noch Trainer beim DSC geworden. Und der 48-Jährige hat kein leichtes Erbe angetreten. Sportlich muss er eine wankende Mannschaft nach nur einem Punkt aus fünf Spielen (5:17 Tore) wieder in die Spur kriegen. Und sehr viele Fans des Vereins begegnen dem Neuen mit großer Skepsis, weil sie die Entlassung von Uwe Neuhaus überhaupt nicht nachvollziehen können.

Kramer zeigte am Dienstag Verständnis für die aufgebrachte Fanseele. „Ich respektiere die Reaktion der Fans, aber ich bin für den Wechsel nicht verantwortlich. Ich werde versuchen, es durch harte Arbeit in die richtigen Bahnen zu lenken. Und ich bin zu 1000 Prozent sicher, dass wir uns die Akzeptanz erarbeiten werden“, sagte der gebürtige Memminger.

Die Geschäftsführer Markus Rejek und Samir Arabi betonten nochmals, dass auch sie „volles Verständnis“ für den Fan-Ärger hätten. Die Entscheidung, sich schon jetzt und nicht erst wie ursprünglich geplant im Sommer von Neuhaus zu trennen, sei aber einstimmig mit Aufsichtsrat und Geschäftsführung getroffen worden. „Wir sind der festen Überzeugung, dass es der richtige Schritt ist“, sagte Rejek: „Wir wissen, dass es ein mutiger Schritt ist. Aber wenn wir nicht mehr den Mut hätten, wichtige Entscheidungen für den Verein zu treffen, würden wir unsere Aufgaben nicht mehr wahrnehmen und wären nicht mehr die richtigen Leute.“

Kramer lobte seinen Vorgänger für „fantastische Arbeit“, auf die er aufbauen wolle. „Ich habe gewisse Vorstellungen, was man intensivieren und wo man Impulse setzen kann. Wir werden jetzt hier nichts revolutionieren. Der Weg muss weiterhin klar sein, aber kleine Abstecher nach links oder rechts sind durchaus möglich“, erläuterte Kramer.

Schwere Aufgabe gegen Union zum Start

Im Dezember kam der 48-Jährige mit Arabi überein, im Sommer 2021 Neuhaus ersetzen zu wollen. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen endeten im DSC-Entschluss, Neuhaus sofort von seinen Aufgaben zu entbinden. „In den letzten Tagen hat es sich zugespitzt, weshalb ich jetzt hier sitze“, sagte Kramer.

Der neue Mann, der mit Stefan Kleineheismann (33) einen Co-Trainer seines Vertrauens mitbringt, übernimmt den DSC auf dem 16. Platz. Am Sonntag geht es mit einem Heimspiel gegen Union Berlin los, drei Tage später wird die am 7. Februar ausgefallene Partie gegen Werder Bremen nachgeholt. Chance oder Risiko? Von außen betrachtet hat Arminia eine Menge zu verlieren. Geht es mit Kramer schief und der DSC steigt noch sang- und klanglos ab, könnte die Stimmung der Fans komplett kippen. Kramer, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2023 unterschrieb, wäre beschädigt. Hält er das Team zumindest auf Platz 16, werden viele sagen, dass Neuhaus das bestimmt auch geschafft hätte.

Der neue Co-Trainer Stefan Kleineheismann

Der neue Co-Trainer Stefan Kleineheismann Foto: Thomas F. Starke

Kramer, der zuletzt vor mehr als fünf Jahren eine Profi-Mannschaft trainiert hatte, sagte zum Thema Druck: „Druck muss sich jeder selbst machen, damit wir immer richtig gute Leistungen anbieten. Dann kann es aber in der Bundesliga immer sein, dass man auf eine Mannschaft trifft, die es noch besser macht.“ Schon Union werde eine schwere Aufgabe.

Zunächst will Kramer seine neue Mannschaft kennenlernen, um sie bestmöglich auf die restlichen zwölf Saisonspiele vorbereiten zu können. Kapitän Fabian Klos, bei Uwe Neuhaus unantastbar, werde „natürlich eine wichtige Rolle spielen. Fabian hat in den letzten zehn Jahren hier super Leistungen gebracht und einen hohen Stellenwert. Er ist auch als Ansprechpartner für mich wichtig, er soll und muss vorangehen. Das werden wir in den nächsten Spielen auch sehen“, sagte Kramer.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7846546?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F
Pröger macht die 40 Punkte klar
Kai Pröger trifft zum 2:2 für den SC Paderborn.
Nachrichten-Ticker