Arminia: Bruno Labbadia kehrt als Trainer von Hertha BSC nach Ostwestfalen zurück – „Wer Bielefeld nicht gesehen hat, versäumt was“
Keiner jubelte so schön wie er

Bielefeld/Berlin -

Wenn für Bruno Labbadia ein Duell mit dem Ex-Klub ansteht, dann ist das für den 54-Jährigen zunächst einmal business as usual. Für acht aktuelle Bundesligisten war beziehungsweise ist Labbadia als Spieler oder als Trainer im Einsatz. Am Sonntag kehrt er als Coach von Hertha BSC nach Bielefeld zurück – und freut sich darauf, denn: „Wer Bielefeld nicht gesehen hat, versäumt eigentlich was.“

Donnerstag, 07.01.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 07:32 Uhr
Bruno Labbadia in seinem Element: Hier feiert er 1998 mit Milos Kolakovic eines seiner Tore beim 2:0-Derbysieg in Gütersloh. Foto: imago

Im Herbst seiner Karriere, zwischen 1998 und 2001, hat der im Februar 1966 in Darmstadt geborene Labbadia für Arminia gespielt. Er weiß um den Ruf der Stadt. Doch gemessen daran, dass es Bielefeld angeblich gar nicht gibt, hat Labbadia überaus lebendige Erinnerungen daran. „Ich finde, das ist eine unfassbar lebenswerte Stadt. Ich hatte da eine wirklich schöne Zeit – als Spieler, aber auch mit der Familie“, sagte der Vater einer Tochter und eines Sohnes am Mittwoch. „Wir haben immer noch eine enge Verbundenheit dorthin, weil mein Schwiegersohn aus Bielefeld kommt. Ich mag die Leute da. Ich habe immer noch sehr viele Menschen, die mir nach Spielen schreiben.“

Labbadia und Bielefeld – diese Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit. Der frühere Stürmer ist den Menschen hier in guter Erinnerung geblieben.

Schicke Kleidung, gepflegte Haare – der schöne Bruno hat stets Wert auf sein Äußeres gelegt. Auf dem Platz aber war er sich nie zu fein, sich schmutzig zu machen. Der Wühler hat die Strafräume umgegraben – in Bielefeld und überall sonst in Deutschland. Kein Star-Gehabe, stattdessen ehrliche Rasen-Arbeit.

Als Profi hat er den Fußball gelebt. Wenn Labbadia ein Tor bejubelt hat – und das hat er ziemlich oft – kam seine Freude von innen. Mal war er der Pistolero, mal hat er einfach die Fäuste geballt. Und fast immer hat er dabei die Augen und den Mund weit aufgerissen. Kein anderer jubelte so schön wie er.

Noch heute, wenn er als Trainer einen Treffer seiner Hertha feiert, ist Labbadia ganz der Alte. Nur der feine Zwirn und das ergraute Haar unterscheiden ihn von damals. Die Gesten aber sind noch immer nahezu die gleichen.

Manchmal hat Labbadia Treffer derart euphorisch gefeiert, dass es ihm heute womöglich sogar ein bisschen unangenehm ist. Die Arminia-Fans aber waren in Ekstase, als sich der damals 32-Jährige im November 1998 beim Derby im Gütersloher Heidewald nach seinem Führungstor vor der Gästekurve auf eine DSC-Fahne legte und darauf ein paar semianständige Bewegungen vollführte.

Schön für ihn und gut für die Fans: Sein Name ließ sich ganz wunderbar auf die Melodie von Righeiras 80er-Jahre-Pophit „Vamos a la playa“ skandieren: „Bruno Labbadia, oh – oh, oh, oh, oh“.

50 Tore in 98 Erst- und Zweitligaspielen hat Labbadia für die Blauen erzielt. Eine Quote, die ihn auf einer Stufe stehen lässt mit Bielefelder Sturmlegenden wie Stefan Kuntz und Fritz Walter, Ali Daei und Artur Wichniarek.

1998/99 schoss er Arminia mit 28 Treffern als Torschützenkönig in die 1. Liga. Dort erlitt seine Karriere dann allerdings eine kleine Delle. Seine drei verschossenen Elfmeter in Folge nahmen ihm einige Anhänger durchaus übel.

Trotz seiner elf Saisontore stieg Labbadia mit Arminia direkt wieder ab. Nach Platz 13 einer recht verkorksten Zweitligaspielzeit 2000/01 verließ er Ostwestfalen und heuerte beim Karlsruher SC an, wo er 2003 seine Profilaufbahn beendete.

In den beiden höchsten deutschen Spielklassen erzielte Labbadia jeweils mehr als 100 Treffer. Trotzdem reichte es nur zu zwei A-Länderspielen im DFB-Trikot für den Mann, dessen Eltern 1965 aus Lenola als italienische Gastarbeiter – der Vater arbeitete im Tiefbau, die Mutter in einer Gardinenstangenfabrik und nebenher als Putzfrau – nach Schneppenhausen bei Darmstadt kamen. Die Labbadias lebten in bescheidenen Verhältnissen, sie wohnten mit ihren neun Kindern zur Miete auf einem Bauernhof. Apropos neun: In Anlehnung an seine Rolle als neuntes Kind der Familie trug Bruno Labbadia am liebsten das Trikot mit der Nummer 9. So war es auch in Bielefeld.

„Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Arminia aufgestiegen ist, denn das war so nicht zu erwarten. Da ist gute Arbeit geleistet worden“, sagte er nun vor dem Wiedersehen am Sonntag um 18 Uhr.

Seit Labbadia als Trainer arbeitet, machte er anlässlich eines Punktspiels erst ein einziges Mal Station in Bielefeld. In der Saison 2008/09 unterlag er mit Bayer Leverkusen dem damals von Michael Frontzeck trainierten DSC mit 1:2.

Labbadias erste Trainerstation war 2003 die gleiche, bei der er 1984 auch seine Profilaufbahn begonnen hatte: Darmstadt 98. Er schaffte als Coach auf Anhieb den Aufstieg in die Regionalliga. Seit April 2020 ist er nun Cheftrainer bei der Hertha.

Die großen Erfolge, die Labbadia als Spieler feierte (je ein Mal Deutscher Meister mit dem FC Bayern und dem 1. FC Kaiserslautern sowie einmal DFB-Pokalsieger mit dem FCK) blieben ihm als Trainer bislang noch verwehrt. Doch was nicht ist, kann ja noch werden.

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