Mini-Etat gegen Brause-Millionen – die Arminen Arabi und Neuhaus äußern Respekt vor dem RB-Projekt
Eine Liga, zwei Welten

Bielefeld -

Im selben Jahr, in dem RB Leipzig 2009 das Startrecht des ostdeutschen Fußball-Oberligisten SSV Markranstädt übernahm, stieg der 104 Jahre ältere DSC Arminia aus der Bundesliga ab.

Samstag, 28.11.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 28.11.2020, 07:25 Uhr
Schon 2016 beim ersten und bisher einzigen Arminia-Gastspiel in Leipzig wurde klar: RB (hier Diego Demme) ist kaum aufzuhalten. Dennoch entführten Seung-Woo Ryu und der DSC beim 1:1 damals einen Punkt aus der Red-Bull-Arena. Foto: Thomas F. Starke

 Während der just zuvor gegründete Emporkömmling aus Sachsen fortan nur eine Richtung kannte – nach oben –, rauschte Bielefeld beinahe ebenso rasant nach unten; zeitweise sogar bis an das Ende der Drittligatabelle.

In der Zweitligasaison 2015/16 kreuzten sich dann zum bisher einzigen Mal die Wege beider Klubs. Vier Jahre später begegnen sich RB und der DSC nun erneut – in einer Liga zwar, aber gewiss nicht auf Augenhöhe. Denn während die Ostwestfalen mit dem kleinsten Etat aller Erstligisten die Saison bestreiten, kann sich RB weiter der Millionen des Sponsors Red Bull bedienen.

Ein ungleiches Duell in jeder Hinsicht. Retortenklub gegen Traditionsverein. Doch die Verantwortlichen beim DSC nehmen das vor der Auswärtspartie an diesem Samstag, 15.30 Uhr, sportlich. „Egal ob das ein richtiger Verein ist oder wie viel Tradition die haben, ist das gar kein Thema, auf das ich großartig eingehen will“, sagt Samir Arabi und meint stattdessen: „Alle, die dort am Ruder sind, machen einen sehr, sehr guten Job.“

Warum auch unnötig Öl ins Feuer gießen, es wird in Leipzig sowieso schon schwer genug für den DSC. Zwar hatte RB vor der Saison den Abschied von Nationalstürmer Timo Werner zu verkraften (FC Chelsea). Doch es wurde auch in neues Personal investiert. Stürmer Alexander Sörloth kam für 20 Millionen Euro von Crystal Palace. So hoch ist in etwa Arminias Gesamtetat für die laufende Saison.

„Möglichkeiten sehr schlau eingesetzt“

Sörloth ist nach insgesamt neun Einsätzen noch ohne Tor, weshalb zuletzt ein wenig Kritik an ihm und auch an Leihspieler Justin Kluivert (AS Rom) aufkam. „Gerade bei Offensivspielern, die neu dazukommen, geht es immer um Timing und Abläufe. Dadurch, dass wir kein Training haben, ist es schwieriger, sich an die Spielweise zu gewöhnen“, verteidigt RB-Sportdirektor Markus Krösche nach dem jüngsten 0:1 in der Champions League in Paris die beiden eingewechselten Angreifer. „Aber die Jungs hauen sich rein und werden noch sehr, sehr wertvoll für uns werden.“ Vielleicht schon gegen Bielefeld?

Wie auch immer, „natürlich haben die Leipziger andere Möglichkeiten als wir“, sagt Arabi. „Aber die haben sie bisher auch sehr gut und sehr schlau eingesetzt. Das muss man wertschätzen. Es gibt andere Vereine, die ein bisschen mehr Tradition haben, aber das zur Verfügung stehende Geld nicht gut investiert haben. Man kann auch viel Geld haben und es verbrennen. Das hat Leipzig nicht getan.“

Dem ist nicht zu widersprechen. Andernfalls hätte RB in der Vorsaison kaum das Champions-League-Halbfinale erreicht. In der laufenden Königsklassensaison aber muss der Brause-Klub um den Einzug in die K.o.-Runde bangen. Nach der Niederlage in Paris geht es in der nächsten Woche zu Istanbul Basaksehir. Welche Bedeutung die Leipziger dem Sandwich-Spiel gegen Bielefeld beimessen, wird sich am Samstag zeigen.

Arminia hatte zuletzt mehrere Gegner, die eine Doppelbelastung zu verkraften haben, darunter Leverkusen und Dortmund. „Dass das ein Vorteil für uns ist, glaube ich nicht. Diese Teams sind in der Breite so aufgestellt, dass sie keinen großen Leistungsabfall zu erwarten haben“, sagt DSC-Trainer Uwe Neuhaus.

Der 61-Jährige sieht in RB für Bayern und Dortmund einen Kontrahenten, der auf Augenhöhe zu den Etablierten heranwachsen wird. „Auf Dauer gesehen wird Leipzig ein ganz ernsthafter Konkurrent für die beiden Topklubs“, prophezeit er und meint: „Das, was sportlich geleistet wird, ist absolute Klasse, das muss man sagen. Etwas Vernünftiges aufzubauen, ist auch mit viel Geld schwierig. Das hat RB innerhalb kürzester Zeit eindrucksvoll geschafft.“

Neuhaus ist ein erklärter Freund von Traditionsvereinen, hat als Trainer ausschließlich für solche gearbeitet. Wenn aber Klubs wie Hoffenheim oder Leipzig in Europa im Einsatz sind, „dann drücke ich natürlich schon unseren Teams die Daumen“, sagt der Coach.

„Das Projekt“, wie Neuhaus RB Leipzig nennt, „war so nicht aufzuhalten“. Und das dürfte auch so bleiben. Als Stolperstein würden die Arminen allerdings schon gern fungieren. Arabi selbstbewusst: „Leipzig wegschenken – das würde uns nicht gerecht werden.“

Voglsammer macht Fortschritte

Andreas Voglsammer arbeitet sich Stück für Stück seinem Comeback in der Anfangsformation entgegen. „Er rückt immer näher an die Startelf heran“, sagt Arminia-Trainer Uwe Neuhaus. „Doch wir dürfen nicht vergessen, dass es schon gewisse Zeit bedarf, um wieder in Topform zu sein.“ DSC-Stürmer Voglsammer stand nach langer Pause infolge einer Fußverletzung zuletzt gegen Bayer Leverkusen erstmalig wieder im Kader und wurde sogar spät noch eingewechselt. „Er macht gute Fortschritte. Ob es für Leipzig reicht, müssen wir sehen“, sagt Neuhaus vor der Partie am Samstag bei RB.

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